Erkenntnis - RFID
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Aktuelle Entwicklungen im Bereich RFID

RFID-Anwender müssen spezifische Anforderungen berücksichtigen

In verschiedenen Szenarien wird zurzeit vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) in seinen so genannten Open-ID-Centern die RFID-Technik getestet. Dazu wurde zunächst ein Pilotprojekt mit dem Lebensmittel-Einzelhandelskonzern Kaisers Tengelmann AG durchgeführt, um geeignete Hardware für zukünftige Pilotphasen zu testen und auszuwählen. Das Fraunhofer IML wurde dabei mit der Anforderungs-, Machbarkeits-, Bewertungs- und Konzeptstudie beauftragt.

Zu Beginn sollte hier der Wareneingang an Rolltoren betrachtet werden. Zum Einsatz kam hier ein 868-MHz-RFID-Transponder auf Paletten- und Case-Ebene, um im Vorfeld die Tauglichkeit unterschiedlicher Technologien und Hersteller zu testen.

Bei den Untersuchungen wurde festgestellt, dass in keinem der Lesegates, trotz größten Aufwandes (Drehen der Palette, Verweilen im Gate oder nahes Heranfahren an jede Gateseite), eine Lesung der Transponder zu 100 Prozent erfolgte. Grund dafür ist, dass der Einfluss einzelner Transponder aufeinander noch sehr groß ist.

Dabei sind Mindestabstände von zwei Zentimetern einzuhalten, damit die Resonanzverschiebung gering gehalten werden kann. Da dies nicht bei allen Gütern garantiert werden kann, ist der Einsatz im Wareneingang hier noch fragwürdig.

Ein besseres Ergebnis lieferte eine weitere Machbarkeitsstudie für einen Sanitär-Armaturen-Hersteller. Im Fokus stand hier die Optimierung innerbetrieblicher Logistikprozesse, die durch den Einsatz von Transpondern realisiert werden soll. Dazu wurden Messungen am Packplatz, am Verladetor und am Wareneingang vorgenommen. Zum Einsatz kamen dabei Gitterboxen, beladen mit 1100 Verkaufseinheiten, Unterputzarmturen in Faltschachteln, Versandkartons mit 25 Verkaufseinheiten sowie UPS-Trolleys mit Umschlägen und Päckchen.

Unter bestimmten Voraussetzungen und mit kleinen baulichen Veränderungen wurde eine 100-prozentige Identifizierung der Güter festgestellt. Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass hier unter Berücksichtigung bestimmter Restriktionen grundsätzlich der Einsatz mit 868 MHz möglich ist.

In einer weiteren Studie sollte das Fraunhofer IML bei der Strategiefindung eines Konsumgüterherstellers helfen. Hier wurde zunächst das Sortiment des Herstellers auf die technische Machbarkeit hin geprüft und anschließend die Vorteilhaftigkeit mit Hilfe einer Szenario-Analyse beurteilt.

Als problematisch identifizierte Kombinationen von Packmaterialien und Inhaltsstoffen wurden im Open-ID-Center physikalischen Tests ausgesetzt, bevor die ausgewählte Hardware in einer Testphase vor Ort erprobt wurde. Hier ergab die ökonomische Analyse eine operative Kosteneinsparung von 25 Prozent.

Zusammenfassend wurde festgestellt, dass

  • sich der Trend zu zwei Frequenztechniken (868 und 13,56 MHz) hin entwickelt, wobei erstere klar dominiert.
  • die Funktionalität dabei erheblich von der Qualität und dem Zusammenspiel von Lesetechnik und RFID-Tags abhängt.
  • die Pulk-Lesefähigkeit je nach Gates variiert.

Um RFID zur breiten Anwendung zu bringen, müssen zwar noch viele Detailfelder erforscht werden, allerdings zeigt die große Nachfrage am Fraunhofer IML, dass es sich hier um ein nach wie vor aktuelles Thema handelt.

(Quelle: Beitrag von Prof. Dr. Michael ten Hompel, in: Lebensmittelzeitschrift, Nr. 40 vom 7. Oktober 2005; S. 79)



Warensicherung durch RFID

An RFID werden weiterhin große Erwartungen geknüpft, denn es lässt sich nicht nur Optimierungspotenzial für den Handel und Industrie realisieren, auch die Warensicherung profitiert davon. Verständlich, denn fast jeder 200. Einkaufswagen, so das Euro-Handelsinstitut (EHI) und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), passiert unbezahlt die Kasse.

Neben dem Einzelhandel machen bereits auch Büchereien und Bekleidungsunternehmen RFID zur gängigen Praxis bei der Warensicherung.

Die Transponder sind elektronische Gedächtnisse im Kleinformat. Über den Electronic-Product-Code (EPC) kann jeder Gegenstand eindeutig identifiziert werden und trägt dabei wesentlich mehr Informationen als der herkömmliche Barcode. Ein weiterer Clou ist, dass die enthaltenen Daten per Funksignal übertragbar sind. Waren können dadurch von einem RFID-Lesegerät problemlos erkannt werden. Ob etwas verloren geht und wer für den entstandenen Schaden verantwortlich ist, wird dabei schneller offengelegt als etwa bei einem herkömmlichen Strichcode.

Wenn wir über einzelne Produkte sprechen, macht es bislang nur Sinn, RFID bei hochpreisigen Waren einzusetzen, etwa in der Bekleidungsindustrie, so Oliver Huther, Business Manager RFID beim Sicherheitssystem-Anbieter Checkpoint Systems. Heute ist es durchaus möglich, dass eine Jeans an der Kasse entsichert, dann aber nicht gebucht und unbezahlt weitergegeben wird. Wenn RFID zum Einsatz kommt, bleibt die Hose dagegen so lange gesichert, bis sie tatsächlich bezahlt worden ist.

Schwer wird es für Händler, die bisher auf akustomagnetische oder elektromagnetische Sicherungssysteme setzen. In diesen Fällen die Warensicherung mit den Vorteilen von RFID zu optimieren, ist nicht möglich, so Huther.

(Quelle: Beitrag von Gunnar Arends, in: handelsjournal, November 2005; S. 40-41)



RFID führt zu Veränderungen in der Konsumgüterbranche

Die Radio Frequenz Identifikation, kurz RFID, eröffnet effizientere Lieferketten und weniger Regallücken. Schon in naher Zukunft können RFID-Tags an vielen Einzelprodukten den Arbeitsalltag bis hin zum automatisierten Checkout völlig neu gestalten. Doch bereits jetzt kommt RFID in Unternehmen zum Einsatz: So arbeitet die Metro in neun Lagern und 13 Märkten mit Funk-Tags; auf über 200 Filialen und Lager soll der Einsatz ausgeweitet werden. Rewe rief im September 180 Lieferanten zu einer Entwicklungspartnerschaft zum Thema Transpondereinsatz auf, und Otto kontrolliert mit RFID, dass wertvolle Produkte nicht vorzeitig entwendet werden.

Die Meldungen zu RFID wirken momentan widersprüchlich. Auf der einen Seite werden die Manager mit durch verpackungsspezifischen verfälschten Warenidentifikationsproblemen verunsichert. Auf der anderen Seite nutzen immer mehr Unternehmen die Funktechnologie. Für unternehmenseigene Lieferketten bietet RFID schon jetzt einen Mehrweit, wie bei Otto oder Metro zu sehen ist.

Viel interessanter, aber auch schwieriger ist die Umsetzung der unternehmensübergreifenden Waren-Verfolgung und Bestandssteuerung mit Hilfe von RFID. Durch diese Automatisierungsmöglichkeit bieten sich tiefgreifende Verbesserungen, die zu sinkenden Beständen und weniger Regallücken führen sollen.
Metro hat gemeinsam mit der Unternehmensberatung KSA u. a. ermittelt, dass die Prozesskosten durch die Einführung von Transpondern an logistischen Einheiten um bis zu 17% gesenkt werden können. Ebenso gibt es bessere Quoten für Out-of-Stocks und die Schwund-Problematik.

Für die Zukunft versprechen sich Industrie und Handel tiefgreifende Verbesserungen durch die Umsetzung des Electronic Product Code (EPC). Dieser ermöglicht einen Funk-Tag auf jeder einzelnen Packung im Supermarkt. Dadurch werden u. a. die folgenden Vorteile generiert:

  • Warenerkennung an der Kasse ohne die Unterstützung von Kassierer/innen
  • Alarm bei Diebstahl
  • frischere Produkte in Kühltruhe und Regal
  • die permante Inventur und
  • die völlige Transparenz der Lieferkette.

Neben dem Aufdecken von Produktfäschungen soll durch diese Innovation in Zukunft ebenso ein Zusatznutzen für den Kunden generiert werden wie z. B. durch die Nutzung von After-Sales-Services oder die Nachbestellung von Produkten.

Durch den Einsatz von RFID bei Podukten entlang der Supply-Chain sollen in Zukunft Erträge gesichert und Wachstum unterstützt werden. Daher liegt diese Zukunftsvision stark im Interesse der Top-Manager in der Konsumgüterindustrie, was durch das Interesse an den internationalen EPC-Standards verdeutlicht wird.

(Quelle: Jörg Rode, RFID verändert die Branche, in: Lebensmittel Zeitung, Nr. 40 (07.10.2005), S. 69)