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Erschießung neuer Kundensegmente im Reifenhandel

Viele traditionelle Reifenhändler haben akzeptiert, dass sie das Internet nutzen sollten. 'Umarmen, wenn besiegen nicht geht', nannte das BRV-Geschäftsführer Peter Hülzer. Unter anderem die Kooperation mit eBay zeigt, dass der Verband mobil macht. Nach seiner Ansicht könne der Online-Handel die 'preisorientierten Smart-Shopper' ansprechen. Verbraucher, die Wert auf Komfort und Service legen, seien seiner Meinung nach besser beim örtlichen Fachhandel aufgehoben. Ins Feld führen er und weitere Händler-Initiativen Argumente, die auch von der Presse aufgegriffen wurden. Auf Spiegel-Online und weiteren Portalen wurde vor alten Reifen gewarnt, die über das Internet verramscht würden. Quelle war die 'Initiative Pro Winterreifen', die bemängelte, dass der Verbraucher im Internet kaum Kontrollmöglichkeiten habe. Auch eine 'Milchmädchenrechnung' glaubt Hülzer auszumachen, wenn Reifen zwar preisgünstig im Internet gekauft werden, dann aber zu höheren Preisen und mit erheblichem Aufwand beim selbst gewählten Montageservice angebracht werden müssten. Da auch die Beratung im Internet nur eingeschränkt möglich sei, gibt er den Verbrauchern einen Satz mit auf dem Weg, der vor allem durch seinen Scheinwiderspruch glänzt: 'Da ist guter Rat nicht teuer, aber beim Fachhandel sein Geld wert!'

Für die Online-Händler gibt es nach wie vor Raum zur Differenzierung. Markenreifen.com, Reifendirekt.de, reifen-markt.com und weitere Online-Händler vermitteln bereits Montagepartner in ganz Deutschland. Damit werden eine Reihe von Argumenten gegen den Kauf im Internet ausgehebelt. Auch eBay hat eine Datenbank eingerichtet, auf der sich Reifenmontagebetriebe registrieren lassen können. Dennoch hält dies neue Wettbewerber nicht fern. Etablierte Händler und Hersteller beobachten die Entwicklung im Internet sehr genau und stehen wie zum Beispiel Vergölst mit einem eBay-Shop in den Startlöchern oder haben bereits einen eigenen Online-Shop eingerichtet, wie D&W.

Den größten Einfluss auf den Online-Handel hat aber der Endkunde. Während bislang vor allem Preise den Kaufimpuls gegeben haben, könnten die neuen Service-Angebote, wie die Montageleistung, telefonische Verkaufsberatung oder garantierte Lieferzeiten, auch neue Kundensegmente ansprechen. So wüssten laut TÜV Nord viele Autofahrer gar nicht, welche Reifen für ihr Auto überhaupt in Frage kämen. Nummern- und Buchstabenkürzel für Reifengröße, Geschwindigkeitskategorie und Herstellerdatum sorgten bei vielen Verbrauchern noch für Verwirrung. Der Online-Händler Reifen.com versucht diesen Beratungsbedarf mit mehreren Kommunikationskanälen zu bedienen. Der 'virtueller Berater Fritz Felge', ein sogenannter Avatar, führt die Internetnutzer durch den Shop und erklärt den Reifenkonfigurator zur Auswahl des richtigen Modells. Hervorzuheben gegenüber anderen Anbietern ist auch ein unkomplizierter Live-Chat, der den Kunden in Sekundenschnelle mit einem Mitarbeiter von reifen.de verbindet. Zudem werden Testergebnisse zu einer Vielzahl von Reifen für den Verbrauchern in einer Kurzzusammenfassung zur Verfügung gestellt. Die Entscheidung zwischen verschiedenen Reifen-Alternativen kann der Kunde damit auf Expertenurteile gründen. Dies dürfte für viele den Blick schärfen, dass neben dem Preis auch andere Aspekte für die Kaufentscheidung zählen.

 

02.02.06

Der Reifenhandel im Internet

Je teurer Autofahren durch Ölpreissteigerungen wird, desto mehr - so scheint es - rückt für die Verbraucher beim Reifenkauf der Preis in den Vordergrund. Im Internet wird der Preisvergleich einfach gemacht, was zu einem verstärkten Wettbewerb zu Lasten der traditionellen Reifenhändler geführt hat. Der größte Händler im Internet, Delticom, wächst hingegen bei einem Umsatz von 80 Mio. Euro im Jahr 2004 mit derzeit über 60 Prozent jährlich. Dies zieht immer neue Wettbewerber ins Internet. Ein Online-Shop nach dem anderen wird eröffnet und auch die stationären Reifenhändler machen nun mobil, indem sie ihre Reifen samt Montage auf Portalen, wie eBay oder Autoscout24, anbieten.

Wieviel der Handel mit Reifen im Internet wirklich ausmacht, ist hingegen unklar. Der Interessenverband der stationären Reifenfachhändler, der BRV, schätzt den Anteil der online verkauften Reifen am Gesamtumsatz (PKW-Reifen) auf weniger als fünf Prozent. Experten sprechen für die Zukunft aber von einer weit größeren Bedeutung. Schon jetzt soll nach Aussagen von eBay alle zwei Minuten ein Reifensatz über die Auktionsplattform verkauft werden. Die Unternehmensberatung Wolk After Sales Experts GmbH schätzt, dass jeder zehnte verkaufte Artikel über eBay Motors ein Reifen ist.

Doch nicht nur beim Handel an den Endverbraucher (Business-to-Consumer), auch beim B-to-B (Business-to-Business) mischen Online-Anbieter mit. Delticom erwirtschaftete bis 2005 noch rund 20 Prozent seines Umsatz im Offline-Geschäft durch den Verkauf an stationäre Reifengeschäfte zu Händlerpreisen. Auch der Großhandel nutzt zunehmend das Internet. Reifen Krupp erhält bereits 30 Prozent aller seiner Aufträge online.

 

03.05.06