Die Struktur des Suchmaschinenmarktes im Jahr 2003
Der Suchmaschinenmarkt hat sich in den vergangenen Monaten konsolidiert: Bereits Ende des Jahres 2002 hatte Yahoo mit Inktomi einen der größten Lizenzgeber für Suchtechnologien erworben. Inktomi leistet die Suche bei MSN, Amazon.com, ebay oder HotBot. Overture hatte erst kürzlich Fast und Altavista gekauft, die, nachdem Overture von Yahoo erworben wurde, nun auch in Yahoo einfließen. Auf dem Werbemarkt hat sich Yahoo sehr gut positioniert. Damit stehen sich mit Yahoo und Google weltweit nur noch zwei große Such-Dienstleister gegenüber. Yahoo strebt nun danach, dem Marktführer Google die Spitzenposition streitig zu machen.
Mit Overture steht Yahoo nun ein attraktives Marketingmodell zur Verfügung: Jeder Link, den ein Overture-Nutzer anklickt, wird von Werbekunden nach dem Pay-per-Performance-Modell bezahlt. Pro Klick entstehen hier Kosten, die sich in Deutschland derzeit zwischen 10 Euro-Cent und 25 Euro bewegen und sich in einem Versteigerungsverfahren entwickeln. In Deutschland erreicht Overture aufgrund seiner zahlreichen Partnernetze bereits eine Reichweite von mehr als 85 Prozent. Dieser Anteil könne weiter ansteigen, prognostiziert Franz Dillitzer, Geschäftsführer von Yahoo Deutschland, denn Overture liefere bezahlte Einträge in die Suchmaschinen von T-Online, AOL, Freenet, Lycos, MSN sowie GMX und könne weltweit auf über 88.000 Werbekunden verweisen.
Darüber hinaus bringt Overture mit seinen Käufen von Altavista und Fast eine außergewöhnliche Technologie zu Yahoo, wo nun über 58 Altavista-, 3 Fast- und 2 Overture-Patente verfügt werden könne. Daraus könne Yahoo, so Dillitzer, ein interessantes Suchprodukt erstellen, das die Stärken der einzelnen Systeme miteinander kombiniere: Fast besitze eine hohe Sprachfähigkeit, Altavista biete Vorteile beim Einsatz von Bildern und Tönen, und Yahoo/Inktomi funktioniere mit einer guten Verschlagwortung. Dennoch werde daraus keine einzige "Supersuchmaschine" entstehen, denn Yahoo beabsichtigt, die einzelnen Portale weiterzuführen.
Auch wenn Yahoo somit kräftig zugelegt hat - Google beherrscht nach wie vor unangefochten den Suchmaschinenmarkt. Täglich führen Nutzer mehr als 200 Millionen Suchanfragen durch; 80 Prozent der Suchmaschinenanfragen kann Google für sich behaupten (inklusive der Lieferungen an Dritte wie AOL und Web.de). Doch Google möchte sich in Zukunft nicht ausschließlich auf die Lizenzierung der bewährten Technologie verlassen, sondern experimentiert mit verschiedenen Werbeformen. So soll ein Konzept namens "Froogle" beispielsweise Produkte mit Bild, Preis und einer Produktbeschreibung, sortiert nach Kategorien, auflisten.
Quelle: Artikel aus der "Lebensmittel Zeitung" vom 8. August 2003 (Nummer 32, S. 24)
