Einer wie kein anderer - Neue Märkte für die Schuhbranche
Autoren: D. Fleischhauer
Quelle: Schuh Markt, 12/2002, S.38
Die Herstellung individualisierter Schuhe birgt ein enormes Marktpotenzial. Grund für Vertreter von Schuhindustrie und -fachhandel, sich im Rahmen der Pirmasenser Lederwoche mit den Vor- und Nachteilen, die die industrielle Individualproduktion für den deutschen Markt mit sich bringen würde, auseinander zu setzen.
Der Begriff Mass Customization beschreibt für die Wertschöpfungskette Schuh die Fertigung dieser Produkte nach den individuellen Maßen und/oder den Wünschen des Kunden. Grund für den Gesprächsbedarf zu diesem Thema war unter anderem die kürzlich veröffentlichte Studie des EuroShoe-Projektes zur Individualproduktion von Schuhen, die die Kundenbedürfnisse im Hinblick auf derart gefertigte Schuhe untersuchte. Die Studie stellt der kränkelnden deutschen Schuhbranche mit einem Potenzial von 40 Millionen verkaufter individuell angefertigter Schuhpaare einen Wachstumsmarkt in Aussicht.
Im Rahmen der Fachmesse plw leather & more in Pirmasens trafen unter Moderation von Gerhard Schäuble, Consultant für die Schuhbranche und langjährig erfahrener Schuh-Designer, erstmalig Beteiligte der Wertschöpfungskette Schuh, d.h. Schuhhandel und Schuhproduktion, zu einem Workshop zusammen, um über Chancen und Risiken der serienmäßigen Herstellung von Maß-Schuhen zu diskutieren: Stephan Jäger von der TU München, Mitarbeiter der EuroShoe-Studie, Dietmar Schmid von der Hartmann GmbH, einem Hersteller von Maß-Schuh-Leisten, Brigitte Wischnewski, Vorsitzende des Hauptverbandes des Deutschen Schuheinzelhandels, und Dr. Jens Peter Lux anwr, Mainhausen. Die industrielle Fertigung von individuellen Schuhen sehe ich als große Chance für Schuhindustrie und -handel, erklärte Schäuble. Sie stärkt den Handel, denn er kann mit einem wertigen Produkt marktnah agieren.
Und so könnte Schäubles Vorstellungen zufolge eine praktische Umsetzung aussehen: Der Kunde lässt im Schuhgeschäft seine Füße mit einem bereits handelsüblichen Scanner vermessen und sucht sich unter den fünf bis acht angebotenen Leistenformen, mit denen 90 Prozent der Füße beschuht werden können, eine aus. In Verbindung mit einer Passformprobe an einem Schlupfmodell lässt sich der optimale Schuh entwickeln. Farbe und Dekoration der Schuhe sucht der Kunde sich aus einem Katalog aus. Alle Daten werden an den Hersteller übermittelt, dieser produziert die Schuhe und nach zwei bis drei Wochen kann der Kunde sein persönliches Schuhpaar beim Händler abholen.
