Praxisbeispiel - Management von Kundenbeziehungen
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Einkaufsstraßenmarketing: Händler-Kooperation bei Ehrenstrasse.de

http://www.die-ehrenstrasse.de/

Die Ehrenstrasse in Köln ist zu einem Begriff geworden. Modebewusst, kulturell, tolerant und ausgefallen präsentiert sie sich. Glücklich angesichts des hohen Publikumsverkehrs, so könnte man meinen, müssten eigentlich die überwiegend kleinen Händler sein, die das dortige Straßenbild prägen. Diese jedoch sind arg in Bedrängnis geraten: Große Filialketten, die auf den attraktiven Standort aufmerksam geworden sind, drängen nun in die dortigen Geschäfte und treiben die Mietpreise nach oben. Um den Wettbewerb über die begehrten Plätze für sich zu entscheiden, gründeten einige Händler der Ehrenstrasse das Straßenportal Die-Ehrenstrasse.de. Mit der gemeinsamen Werbeplattform sollen Kunden nun noch gezielter in die eigenen Läden geholt und damit die Verkäufe angekurbelt werden

Die Macher von Die-Ehrenstrasse.de versuchen dabei bewusst, das besondere Flair der jugendlichen Straßenszenerie zu betonen. Die Idee der Händler ist es, die Ehrenstrasse als gemeinsame Marke zu präsentieren. Das Design mit dominierendem Rot-Stich ist markant, auch sprachlich wird mit Anglizismen und kölschem Kolorit vor allem die junge Kölner Zielgruppe angesprochen.

  • Auf der Startseite wird jeweils ein außergewöhnliches Angebot eines Händlers vorgestellt, so zum Beispiel der exklusive Bezug von Tickets für ein populäres Rock-Konzert vor dem eigentlichen Kartenvorverkaufstermin. Weitere Angebote der Händler gibt es bunt durchmischt zusammen mit Terminankündigungen und Hintergrundgeschichten im Zusammenhang mit der Ehrenstrasse.

  • Informationen über die teilnehmenden Shops gibt ein Lageplan, auf dem der Straßenverlauf grafisch stilisiert beschrieben wird. Durch Bewegen des Mauszeigers auf eine Hausnummer wird das jeweilige Geschäft eingeblendet. Alternativ werden Händler in einer Liste angezeigt, die sich anhand verschiedener Bedürnis-Kategorien, wie "Wellness", "Fashion" oder "Essen&Trinken", filtern lässt. Eine Beschreibung des jeweiligen Geschäfts, Öffnungszeiten und weiterführende Links lassen sich in einem externen Fenster öffnen, das im Corporate Design gehalten ist.

  • Kernstück der Website ist die Community, bei der Online- mit Offline-Welt verbunden werden sollen. Für registrierte Nutzer gibt es einen Kleinanzeigenmarkt, eine Single-Börse und einen allgemeinen Austausch-Treff. Zugleich werden sie Besitzer der "Ehren-Card", die sie zur Teilnahme an besonderen Aktionen berechtigt. So bekommen sie exklusive Rabattangebote und nehmen automatisch an Gewinnspielen teil. In Planung sind auch Kooperationen mit Diskotheken und Konzertveranstaltern, die freie Tickets zur Verfügung stellen sollen. Ein Cross-Marketing zwischen dem Online-Portal und Aktionen auf der Einkaufsstrasse soll den Publikumsverkehr ankurbeln und zusätzliche Community-Mitglieder und Stammkäufer langfristig an die Ehrenstrasse binden. So erfahren Ehren-Card-Mitglieder auf Events, wie Modenschauen, Sommerpartys und Abendveranstaltungen auf der Ehrenstrasse, einen besonderen Service und sollen somit für den nötigen Zulauf sorgen. In Planung ist außerdem ein Journal, das in den Geschäften ausliegt und auf die Internet-Plattform aufmerksam machen soll.

  • Trendbewusst bietet Ehrenstrasse.de weitere Features für ihre Zielgruppe. Ein Newsletter hält die Mitglieder über aktuelle Modetrends auf dem Laufenden und bietet Kaufanreiz für die neuesten Angebote der Mode-Boutiquen und Trendläden. Mit Online-Spielen, Witze- und Sprücheforum und Ratgeberprogrammen sollen zusätzliche Internet-Nutzer an die Website gebunden werden. Externe Hotels und Reise- und Konzertveranstalter lassen sich über Suchmasken finden.


Das Portal treffe seit dem Start Mitte Dezember 2003 auf durchweg positive Resonanzen, so der Koordinator Oliver Mayerle, der mit seiner Kommunikationsagentur auch den Internet-Auftritt umsetzte. Bereits über 300.000 Hits wurden bis April 2004 auf der Website getätigt. Trotzdem stoßen die bisher beteiligten Händler auf massive Probleme, weitere Geschäfte für das Kooperationsprojekt zu mobilisieren. Ähnliche Schwierigkeiten tauchten bereits im Vorfeld auf, als die Interessengemeinschaft Ehrenstrasse das erste Mal mit dem Designbüro Mayerle wegen eines Event-Sponsorings in Kontakt trat. Nachdem das Projekt aufgrund mangelnder Beteiligung nicht zustande kam, entschlossen sich siebzehn verbleibende Händler, die Kosten für eine Kommunikationskampagne zu tragen. Für die Pflege der Website wird monatlich ein Pauschalbetrag auf die beteiligten Händler umgelegt, zukünftig soll die Schlüsselung der Kosten nach dem Umsatz der Geschäfte erfolgen.

Auch wenn die siebzehn Händler durch die Kampagne vor allem auf eigene Umsatzsteigerungen hoffen, profitieren vom Imagegewinn der Ehrenstrasse auch jene Händler, die sich nicht beteiligen. Eine Free-Rider-Mentalität beobachtet Oliver Mayerle bei rund 60 Prozent der Geschäfte. Zudem fehle jenen Inhabern ein grundlegendes Verständnis von Marketing, so dass auch eine zukünftige Mitwirkung hier eher nicht zu erwarten sei. Der Anteil der aktiven Unternehmen mit Eigeninitiative liege bei fünf Prozent der Geschäfte, die übrigen ließen sich immerhin zu einer Kooperation mobilisieren. Trotz aller Schwierigkeiten sei das Portal ein so wichtiges Instrument zur Kundenbindung und Kundenakquise, dass es 2004 mit Hilfe von Sponsoren weiter ausgebaut und noch stärker mit Offline-Aktivitäten auf der Ehrenstrasse verknüpft werden soll.