Erkenntnis - RFID
Seite zu Mister Wong hinzufügen Seite zu Delicious hinzufügen Seite weiterempfehlen Seite Drucken

Einsatzmöglichkeiten von RFID

Die Suche nach dem ROI in RFID

Für viele Experten geht es nicht mehr um die Frage, ob RFID zu einem Return on Investment (ROI) führt, sondern wann der ROI kommt.
Schwierigkeiten ergeben sich dabei dadurch, dass RFID, wie jede neue Technologie bisher, eine Eigendynamik entwickelt, die nicht leicht vollständig vorherzusagen ist.
Die Beantwortung der obigen Frage ist nicht eindimensional möglich, da das Potenzial von RFID von der Art und Tiefe der Anwendung abhängt. Somit variiert auch der Zeitpunkt des ROI von Situation zu Situation.

Item-Level-Tagging:

Vor allem drei Bestimmungsfaktoren auf das Potenzial sind zu nennen:

  • Erwarteter Nutzen aus RFID: Auf welchen Feldern soll RFID Nutzen bringen?
  • Welche Warengruppe liegt vor? Das RFID-Potenzial ist abhängig von der Supply Chain, die wiederum von der Warengruppe abhängig ist.
  • Welches Tagging Level wird ausgewählt? Der Nutzen ist davon abhängig, ob Paletten, Umkartons oder Artikel mit Transpondern bestückt werden.

Zur Zeit RFID nutzende Unternehmen kann man in zwei strategische Blöcke einteilen: langfristige und kurz- bis mittelfristige Orientierung.

  1. Innovation oder Technology Leadership
    RFID soll sich vor allem in der langen Frist, nicht aber unbedingt in absehbarer Zeit rentieren. Anfängliche hohe Investitionen und zu tragende Risiken werden in Kauf genommen, um so langfristig einen Erfahrungs- und somit Wettbewerbsvorsprung zu generieren. Investitionen erfolgen vor allem in die Erarbeitung von Standards; Erfahrungen werden in den Bereichen technologische Weiterentwicklung, optimierter Einsatz (z. B. für steigende Prozess-Erfolgsraten) und optimierte Prozesse (z. B. um Zeiteinsparungen zu erreichen) gesammelt. Diese Strategie wird beispielsweise von Wal-Mart, Metro oder Procter & Gamble verfolgt.
  2. Process Benefit Leadership
    Bei dieser Strategie wird ein kurz- bis mittelfristiger kontinuierlicher Nutzen erwartet. Ziel ist, bei weniger Risiko einen schnellen ROI zu generieren. Unabhängig vom Wettbewerb konzentriert man sich auf das Erreichen eines positiven ROI; man folgt den Standards, statt sie setzen zu wollen, und akzeptiert den Vorsprung der Technology Leader. Beispiele sind die Erhöhung der Supply-Chain-Effizienz oder die Ermöglichung einer lückenlosen Kontrolle vom Transportweg bis hin zur Auslieferung an den Kunden. Unternehmen mit solch einer Strategie sind z. B. Tesco oder Rewe.

Der wirtschaftliche Nutzen von RFID ist auch abhängig vom betrachteten Unternehmen und Einsatzbereich. Untersuchungen der KSA Deutschland zeigten, dass durch RFID generierte Ergebnisse im Extra Future Store der Metro Group in Rheinberg, z. B. effizientere Prozesse oder Reduzierung von Regallücken (Out-of-Shelves), nicht ohne Weiteres auf andere Formate der Metro Group übertragbar sind.
Beispielsweise die Reduzierung von Regallücken erfolgt durch eine höhere Bestandstransparenz im Markt, die wiederum durch eine getrennte Bestandsführung erreicht wird. RFID ermöglicht hier eine effiziente Durchführung. Es wird zwischen Waren, die sich noch im Filiallager befinden, und solchen, die bereits auf der Verkaufsfläche liegen, differenziert. Je größer das Filiallager dabei ist, desto größer sind die Potenziale von getrennten Beständen. Das SB-Warenhaus wird folglich mehr Potenziale ausschöpfen können als z. B. Discounter.
Gerolsteiner erfasst über RFID statt der Ware die Staplerbewegung. 10000 Paletten Vollgut werden ein- und ausgelagert, transportiert von 30 Staplern, die gleichzeitig im Blocklager eingesetzt werden. Mit RFID hat Gerolsteiner ein neues Chargenverfolgungssystem mit 100%-iger Rückverfolgbarkeit eingerichtet und so Effizienzverbesserung, Fehlerreduzierung und erhebliche Zeitersparnis erreicht. Man rechnet hier mit einem ROI von unter vier Jahren. Aber auch diese Ergebnisse sind nicht ohne Weiteres auf andere Unternehmen übertragbar.

Die Frage, wann sich der Einsatz der neuen Transponder-Technologie rechnet, kann nur unter Berücksichtigung von drei Aspekten beantwortet werden:

  1. Wahl des Tagging-Levels: Paletten, Karton, Artikel
  2. Jeweilige Stufe in der Supply Chain: Handel, Logistik, Hersteller
  3. Warengruppe: Food, Nonfood.

Beim Palettentagging sind sehr gute Voraussetzungen für einen kurzfristig erreichbaren ROI gegeben. Es werden insbesondere Zeitersparnisse von acht bis 15 Minuten pro LKW beim Verladen vom LKW im Lager erreicht. Dies führt vor allem bei schnellem Lagerumschlag zu einer ernormen Zeitersparnis. Investitionen des Handels für das Palettentagging sind begrenzt und umfassen die Beschaffung entsprechender Tore mit RFID-Antennen. Kosten werden in der Regel nicht vom Handel getragen.

Für das Case-Level Tagging (Tagging auf Kartonebene) sind anfänglich hohe Investitionen auf Seiten von Hersteller und Händler notwendig. Bei getrennter Bestandsführung werden zwei Gates je Filiale und Ergänzungen des Warenwirtschaftssystems benötigt. Mit einem ROI ist auf Kartonebene erst in zwei bis drei Jahren zu rechnen.

Größere Chancen für einen schnellen positiven ROI sieht die KSA Deutschland bei internen Abläufen, insbesondere wenn bereits in entsprechende Tore und Lesegeräte investiert wurde. Die Transponder werden hier an Transportbehälter angebracht und somit mehrfach genutzt. Vorteile ergeben sich durch Prozessoptimierung oder z. B. auch flankierende Effekte: Durch schnellere Abläufe sind Frischeprodukte länger haltbar und daher frischer im Laden.

Auf Artikelebene werden für die absehbare Zeit nur im Textilbereich und in der Unterhaltungselektronik RFID-Potenziale gesehen. Die KSA Deutschland geht für RFID auf Artikelebene vor allem im Bereich Textilien / Bekleidung von einem raschen positiven ROI aus, so dass hier die Phasen Palette und Case Level übersprungen werden können. RFID auf Artikelebene führt zu einer verbesserten Warenverfügbarkeit, insbesondere bei schnell wiederaufzufüllenden Produkten, Produkten mit hohen Abschriftenrisiken und aufwändigen Warenvereinnahmungen.

Die Wahl einer Strategie bedingt auf jeden Fall eine Analyse der Warengruppe, Partner und Prozesse und der Festlegung von Schlüsselbereichen und Kernkompetenzen hinsichtlich RFID. Erfahrungen sind z. B. im ECR/RFID Best Practice Scoring & Planning Tool zusammengefasst.

(Quelle: Beitrag von Heiner Spalink, in: Logistik inside; Sonderausgabe 2006; S. 32-35)



Chance der RFID-Technologie im Handel

Den steigenden Kosten durch Dieselpreise und Maut versuchen die Logistiker des Handels durch eine bessere Steuerung und Bündelung der Transporte, durch den Einsatz von RFID-Technik, zu begegnen.

Die Logistikchefs von Metro, Rewe, Tengelmann, Wal-Mart und Tegut wurden dazu mit der Frage konfrontiert, wie sie den Einsatz von RFID in der Lieferkette beurteilen und wann sie mit einem breiteren Einsatz rechnen werden.

Stefan Grub, Tegut-Vorstand Finanzen, Logistik und IT, sieht hier für die Steuerung und Verfolgung des Warenflusses im Lebensmitteleinzelhandel große Chancen. Dabei rechnet er, dass die punktuelle Anwendung von RFID in etwa drei Jahren beendet sein wird. Durch Investitionen in EDV-Systeme wird sich eigens darauf vorbereitet. RFID wird vor allem die voranbringen, welche die Technologien der jetzigen Generation bereits beherrschen und sinnvoll einsetzen, so Grub.

Heinrich Gerards, Leiter Logistik National der Kaisers Tengelmann AG fügt hinzu: Je nach dem, welchen Technologisierungs- und Organisationsgrad ein Handelsunternehmen aufweist, kann RFID als eine Auto-ID-Technologie Nutzen bringen. Dies setzt allerdings eine Leserate von über 95 Prozent und Pulk-Lesefähigkeit voraus, ebenso wie preiswerte RFID-Etiketten. Gerards sieht darüber hinaus im Item-Tagging größeres Nutzungspotenzial als im Tagging auf Case- oder Paletten-Ebene. Mit einem breiten Einsatz rechnet er allerdings erst in fünf bis 15 Jahren.

Erich König, zuständig für Logistik bei der Rewe, strebt mit dem Einsatz von RFID eine weitere Optimierung der internen und unternehmensübergreifenden Prozesse mit den Lieferanten entlang der Supply Chain an. Als Ziel gibt er die Prozessführerschaft an. Eine Basis in den Prozessen und Systemen ist in der Vergangenheit bereits gelegt worden. Zudem bietet die Rewe eine Entwicklungspartnerschft mit ihren Lieferanten an, um die Chancen und Potenziale von RFID gemeinsam zu erarbeiten.

Frank Wiemer, CEO der MGL Metro Group Logistics, glaubt, dass RFID helfen werde, Prozesse zu verbessern und die Qualität der Logistik weiter zu steigern. Systematische Voraussetzungen wurden im vergangenen Jahr durch die Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems (MDLS) geschaffen. Wiemer meint, dass es keine verlässliche Prognose dafür gebe, wann RFID den Barcode vollständig ersetzen werde. Daher wird bei der Metro weiterhin eine Parallelstrategie mit EAN 128/NVE und RFID umgesetzt.

Laut Peter McMohan von Wal-Mart Germany bietet der Einsatz von RFID ein großes Potenzial. Die Prozesse im Lager würden rationalisiert, da manuelle Eingaben nicht mehr erforderlich seien; durch die verbesserte Warentransparenz könne die Warenverfügbarkeit zudem verbessert werden. Ein breiter Einsatz im Lagerwesen sei aber voraussichtlich nicht vor 2009/2010 zu erwarten.

(Quelle: Beitrag von Stefan Grub, Heinrich Gerads, Erich König, Peter McMahon, Frank Wiemer, in: Lebensmittelzeitschrift, Nr. 40 vom 7. Oktober 2005; S. 66-67)



Mit RFID Umsatzpotenziale erschließen

RFID wird schon seit einigen Jahren erfolgreich z. B. bei der Tieridentifikation eingesetzt. Aber auch Anwendungen bei großen Sportveranstaltungen wie Marathons und bei Fahrkarten im ÖPNV hat sich die Autoidentifikationstechnik bereits bewährt. Darüber hinaus wird die Technik auch zur Identifizierung bei Bierfässern und Gasflaschen angewendet. Der Einsatz in der Wertschöpfungskette von Konsumgütern ist hingegen relativ neu und bei den meisten Unternehmen, die sich damit beschäftigen, noch im Versuchsstadium.

Generell sind in der Wertschöpfungskette von Konsumgütern drei Anwendungsbereiche denkbar. Die erste ist die Kennzeichnung des Konsumguts auf der Ebene der Endverbrauchereinheit. Des Weiteren können aber auch die Transportmittel und Transportverpackungen etikettiert werden. Auch Anwendungen im Marketingbereich sind durchaus denkbar. Mit elektronischen Etiketten versehene Einkaufswagen sind keine Zukunftsvisionen mehr.

Aktuell sind in den Wertschöpfungsketten von Konsumgütern vor allem die ersten beiden Anwendungsbereiche von großer Bedeutung. Dies hängt mit der Besonderheit der Konsumgüter zusammen, dass sie nahezu unverändert vom Hersteller über den Groß- und Einzelhandel zum Endverbraucher transportiert werden. Dadurch kommt den Logistikprozessen eine besondere Bedeutung zu, die durch den RFID-Einsatz optimiert werden sollen. Betrachtet man die Wertschöpfungskette genauer, so wird besonders schnell deutlich, dass auf jeder Wertschöpfungsstufe, egal ob Hersteller oder Einzelhändler, ähnliche bis identische Logistikprozesse zu beobachten sind. Auf jeder Stufe und bei jedem Prozessschritt müssen Güter erfasst und identifiziert werden, etwa am Wareneingang, beim inner- wie zwischenbetrieblichen Transport, bei der Lagerung, bei der Kommissionierung und natürlich beim Warenausgang. Aber auch Inventuren können unterstützt, Kassiervorgänge vereinfacht und die Warensicherheit verbessert werden.

RFID kann dabei helfen, Prozesse zu beschleunigen und zu vereinfachen, Erkennungsfehler zu minimieren und die Informationsgrundlage für das einzelne Unternehmen, aber auch für die gesamte Wertschöpfungskette, zu verbessern. Die erwarteten Effekte sind auf der einen Seite eine Kostensenkung und auf der anderen Seite Umsatzerhöhung. Bei den Kostensenkungspotenzialen zählen eine Bestandsreduktion, gesenkte Diebstahlquoten, ein Schutz vor Plagiaten, eine Inventurkostensenkung und eine insgesamt höhere Genauigkeit der Geschäftsdaten. Vor allem durch die Vermeidung von Out-of-Stock- und Out-of-Shelf-Situationen sollen Umsatzpotenziale erschlossen werden.

(11/2004)