Elektronischer Geschäftsverkehr im Mittelstand und Handwerk 2011
Autoren: Aline Eckstein, Reinhard Weisser, Claudia WinkelmannIm Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) erhebt das Kompetenzzentrum E-Commerce-Center Handel (ECC Handel) federführend für das Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG) den Informations- und Beratungsbedarf von kleinen und mittleren Unternehmen rund um das Thema E-Business.
Im Folgenden werden die wesentlichen Untersuchungsergebnisse der Studie aus dem Jahr 2011 zusammenfassend dargestellt. Der ausführliche Berichtsband enthält weitere detailliertere Studienergebnisse, die u. a. nach Branchen- und Größenklassen dargestellt werden. Dieser wird noch voraussichtlich im Januar 2012 erscheinen.
Ziel dieser Studie ist die Identifikation von Erfahrungen und Informationsbedarf im E-Business von kleinen und mittelständische Unternehmen und dem Handwerk. Dies soll dabei helfen Informationsmaterialien und technische Unterstützung für KMU und Handwerk zur Verfügung zu stellen, um so Nutzungshürden abzubauen und die Effizienz zu steigern. Zu diesem Zweck wurden die KMU und Handwerk zu insgesamt 27 Internetanwendungen befragt, wobei der diesjährige Schwerpunkt auf dem Einsatz mobiler E-Business Anwendungen liegt.
Im Rahmen der NEG-Umfrage wurde mit einer Größe von 1941 befragten KMU eine aussagekräftige Stichprobe generiert, mit deren Hilfe valide Rückschlüsse auf die Gesamtheit aller deutschen Unternehmen gezogen werden kann. Die Erhebung, die sowohl online als auch schriftlich durchgeführt wurde, fand im Zeitraum zwischen 4. April 2011 und dem 30. Juni 2011 statt. Unterstützt wurde das E-Commerce-Center Handel dabei von den 28 regionalen Kompetenzzentren des NEG sowie dem Magazin Mobile Business.
Ein Blick auf die Verteilung der Branchenzugehörigkeit der Teilnehmer lässt einen hohen Übereinstimmungsgrad mit der Grundgesamtheit erkennen, was zuverlässige Urteile und Prognosen über die Gesamtheit der deutschen Unternehmen hinsichtlich des Informationsbedarfs und Nutzungsverhalten von Internetanwendungen zulässt.

Im Vergleich zur Vorjahresumfrage haben sich in der Top 5 der meist genutzten Internetanwendungen nur geringfügige Verschiebungen ergeben. Nach wie vor rangiert die E-Mail Kommunikation auf Platz 1. Die Schutzmaßnahmen vor Angriffen aus dem Netz wurden in diesem Jahr vom Online-Banking abgelöst und auf den dritten Platz verwiesen. Unverändert bleiben die Platzierungen der Schutzmaßnahmen zur Datensicherung auf Rang 4 und der Datenaustausch mit Externen auf Rang 5.
Am wenigsten verwendet werden elektronische Unterstützung der Logistik, Business-to-Government-Anwendungen und elektronische Vertriebsunterstützung. Trotz dessen zeigt sich bei KMU und Handwerk ein positiver Trend hin zu mehr Verwendung aller 27 Internetanwendungen in den nächsten zwei Jahren. Die größte Steigerung in Bezug auf die Nutzungsintensität in den kommenden zwei Jahren ist bei der Integration von Web 2.0-Elementen zu beobachten.

Den größten Informationsbedarf sehen KMU und Handwerk beim Thema Web-Controlling. Mit Hilfe des Web-Controlling können Unternehmen den Erfolg von Marketingaktionen messen oder das Nutzerverhalten zur Optimierung ihrer Website-Gestaltung nutzen. Wird nach Unternehmenesgröße differenziert fällt auf, dass hier besonders Kleinstunternehmen einen stärkeren Informationsbedarf haben. Analog zu der prognostizierten Nutzungsintensität von Web 2.0-Elementen in den nächsten zwei Jahren ist auch der Informationsbedarf zu diesem Thema relativ hoch. Mittels dieser Elemente können Unternehmen einen zusätzlichen Kanal zur Kommunikation mit ihrem Kunden öffnen. Einerseits hat dies den Vorteil des direkteren und interaktiveren Kundenkontakts, andererseits sollten KMU und Handwerk diesen Vorteil mit Vorsicht genießen, da diese oftmals öffentliche Kommunikation auch Risiken birgt.
Eine drastische Veränderung zeigt sich bei den Themen Wissensmanagement und innovative Technologien. Während die Kenntnis zum Thema Wissensmanagement im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozentpunkte sank steigerte sich der Informationsbedarf zu diesem Thema von neun Prozent auf 11,5 Prozent. Mit dem Begriff der innovativen Technologien konnten noch im Vorjahr rund ein Drittel der Befragten nichts anfangen. Inzwischen ist dieser Anteil auf 15 Prozent abgesunken. Nach wie vor sind mangelhaftes Know-How und zu hohe Einführungskosten die größten Hürden für die Anwendung innovativer Technologien.

KMU setzen zunehmend auf Mobile Business und nutzen diese neuen mobilen Informations-, Kommunikations- und Transaktionsmöglichkeiten um sich an einen schnelllebigen und interaktiven Markt anzupassen und somit langfristig wettbewerbsfähig bleiben zu können. Mobile Technologien kommen vorzugsweise in den Bereichen Kundenakquisition und Kundenservice, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit sowie bei der Auftrags- und Angebotsbearbeitung zum Einsatz.
Damit verbundene Vorteile sind unter Anderem Zeitersparnis, Kostenreduktion oder eine Flexibilisierung der Kundenakquisition und Kundenbindung. Wenn KMU und Handwerk bisher noch keine mobilen Anwendungen verwenden, führen sie als Gründe oft ein Informations- und Wissensdefizit an, sodass die Entscheidung gegen die Verwendung nicht auf zu hohen Kosten oder mangelnde Akzeptanz zurückzuführen ist.
- Die meist genutzten internetbasierten E-Business Anwendungen sind die E-Mail-Kommunikation (4,30 Skalenpunkte), Online-Banking (3,97 Skalenpunkte) und Schutzmaßnahmen vor Angriffen aus dem Netz (3,96 Skalenpunkte). Nach der Prognose der KMU werden sie auch im Jahr 2013 die relevantesten Anwendungen bleiben.
- Trotz eines hohen Verbreitungs- und Nutzungsgrad von E-Business-Anwendungen besteht auch im Jahr 2011 teilweise noch erheblicher Informationsbedarf – dies gilt in besonderem Umfang für kleine und Kleinstunternehmen. Thematiken wie etwa Web-Controlling, elektronische Unterstützung der Ressourcenplanung und internetgestützter Logistik-Support sind in knapp jedem fünften Unternehmen noch immer Fremdwörter.
- Hoher Informationsbedarf besteht zudem bei der Integration von Web 2.0-Elemente auf der Website oder hinsichtlich innovativer Technologien, wie z. B. RFID, Unified Communications, sowie zum Wissensmanagement.
- Während Mobile Business heute im Vergleich zu anderen E-Business-Anwendungen eher unterdurchschnittlich genutzt wird, so dürfte sich seine Bedeutung in absehbarer Zukunft erheblich steigern. Der Verwendungsschwerpunkt mobiler Anwendungen liegt derzeit in Bereichen „Kundenkontakt“; im Rahmen primär intern ablaufender Geschäftsprozesse ist die Nutzung mobiler Applikationen weitaus schwächer ausgeprägt.
- Bei der Einführung mobiler Anwendungen ist den KMU vor allem die interne Prozessoptimierung durch Zeiteinsparung und die Kostenreduktion wichtig. Bei der Umsetzung und Nutzung bestehen derzeit jedoch noch gewisse Optimierungspotenziale.
- Den höchsten Aufwand bei der Einführung mobiler Anwendungen stellt für die Unternehmen die Integration in bestehende Prozesse und weniger die laufenden Kosten der Anwendungen dar.
- Bis zum Jahr 2013 wollen sich mehr als zwei Drittel der Unternehmen, die heute noch auf Mobile Business verzichten, weiter über mobile Anwendungen informieren und Anwendungsmöglichkeiten testen. Lediglich 16,3 Prozent der Unternehmen lehnen die Einführung mobiler Anwendungen innerhalb der nächsten zwei Jahre ab.
Ergebnisse der Studie "Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr - Ihre Erfahrungen und Wünsche 2011" des Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG), 2012.
BMWI_NEG2011_Berichtsband_web_barrierefr[...].pdf
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Ausgewählte Ergebnisse der Studie "Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr - Ihre Erfahrungen und Wünsche 2011" des Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG), 2011.
BMWI_NEG_Man_Summary_2011_WEB.pdf
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Pressemitteilung zur Veröffentlichung des Berichtsbandes "Elektronischer Geschäftsverkehr im Mittelstand und Handwerk 2011" der NEG-Umfrage 2011 des vom BMWi geförderten Netzwerks Elektronischer Geschäftsverkehr, 03.02.2012
120203_PM_NEG-Studie zu E-Business.pdf
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