Elektronischer Geschäftsverkehr in Mittelstand und Handwerk 2010
Autoren: Aline Eckstein, Maria KleesIm Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) erhebt das Kompetenzzentrum E-Commerce-Center Handel (ECC Handel) federführend für das Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG) den Informations- und Beratungsbedarf von kleinen und mittleren Unternehmen rund um das Thema E-Business.
Im Folgenden werden die wesentlichen Untersuchungsergebnisse der Studie aus dem Jahr 2010 zusammenfassend dargestellt. Der ausführliche Berichtsband enthält weitere detailliertere Studienergebnisse, die u. a. nach Branchen- und Größenklassen dargestellt werden.
Betrachtet wurden insgesamt neun Themenfelder zur Nutzung des Internets durch die befragten Unternehmen, wie bspw. Internet als Informations- oder Kommunikationsmedium, der daraus resultierende Informationsbedarf sowie das diesjährige Schwerpunktthema "Computerspionage".
Die NEG-Umfrage 2010 wurde mit dem Ziel durchgeführt, eine aussagekräftige Stichprobe von KMU zu generieren und deren tatsächliches Nutzungsverhalten von Internetanwendungen sowie die daraus entstehenden Bedürfnisse zu untersuchen.
Die bundesweite Erhebung wurde im Zeitraum vom 7. April 2010 bis zum 31. August 2010 durchgeführt. Insgesamt konnte nach umfassenden Plausibilitätsprüfungen und Filterungen des Gesamtsamples von ca. 3.500 Befragungsteilnehmern 2.751 Fragebögen in die Auswertung der vorliegenden Studie eingehen.
Die mittels der NEG-Umfrage 2010 generierte Stichprobe bietet ein aussagekräftiges Abbild der deutschen KMU-Landschaft und ermöglicht somit die Durchführung fundierter Analysen, um zuverlässige Informationen zum aktuellen und zukünftigen Nutzungsverhalten sowie zu den Informationsbedürfnissen der KMU zu erhalten.

Das Internet wird weiterhin vornehmlich als Kommunikationskanal genutzt - sowohl in Form von E-Mail-Verkehr als auch zum Datenaustausch mit Externen. Die damit einhergehenden Sicherheitsprobleme - man denke nur an den Austausch sensibler Kundendaten mit Geschäftspartnern via Internet und den Folgen eines Datenverlustes, wie bspw. Imageschädigungen oder Kompensationszahlungen - finden auch bei KMU zunehmend Beachtung. So liegen bspw. die Internet-Funktionen "Schutzmaßnahmen vor Angriffen aus dem Netz" und "Schutzmaßnahmen zur Sicherung Ihrer Daten" auf den Plätzen 2 und 4 aller 27 berücksichtigten Anwendungen. Auch das seit Jahren bei KMU weit verbreitete Online-Banking konnte sich in der diesjährigen Erhebung weiterhin in den Top 5 der häufig genutzten Internet-Anwendungen halten.

Ein Blick auf den aktuellen Informationsbedarf der kleineren und mittleren Unternehmen auf dem Gebiet des elektronischen Geschäftsverkehrs macht deutlich, dass besonders innovative Technologien, wie bspw. Unified Communications-Lösungen, jedem Dritten und standardisierte Prozesse, wie z. B. elektronische Ressourcenplanung oder Logistik, jedem Fünften der befragten Teilnehmer noch unbekannt sind. Es besteht somit ein deutlicher Informationsbedarf zu den Trendthemen, was zum einen verdeutlicht, dass die KMU innovationsfreudiger sind als weithin angenommen wird, zum anderen aber z. B. aufgrund fehlender personeller Ressourcen auf Unterstützung von Externen angewiesen sind.

In mehr als der Hälfte aller befragten Unternehmen spielt Computerspionage bereits heute eine Rolle. Insgesamt verfügen bisher von allen Befragten lediglich 8,7 Prozent über ein vollständiges Präventionspaket zur Bekämpfung von Computerspionage. Nahezu ein Viertel aller an der NEG-Umfrage 2010 teilnehmenden Unternehmen hat bereits einzelne Maßnahmen umgesetzt. Von den Unternehmen, die sich mit dem Thema befassen, haben nahezu die Hälfte noch keine geeigneten Maßnahmen ergriffen, um dieser Bedrohung entgegenzuwirken. Aus diesen Ergebnissen wird deutlich, dass eine Sensibilisierung für Sicherheitsthemen bereits besteht, jedoch zwischen den verschiedenen Unternehmen eklatante Unterschiede in der Umsetzung vorhanden sind.
- Zu den intensiv genutzten Internetanwendungen durch Unternehmen gehören primär die Kommunikation und Schutzmaßnahmen. Anwendungen, die mit einem hohen Integrationsaufwand sowie technischen und organisationalen Anpassungen verbunden sind, wie z. B. die elektronische Unterstützung der Ressourcenplanung oder der Logistik, werden hingegen bisher kaum von KMU genutzt.
- In Zukunft wollen die befragten Unternehmen alle Internetanwendungen intensiver nutzen. Besonders bisher kaum genutzte verkaufsfördernde Optionen wie B2C- oder B2B-Akquisitionsplattformen sollen vermehrt eingesetzt werden.
- Die KMU weisen einen hohen Informationsbedarf bei fortschrittlichen Technologien wie Web 2.0-Elementen oder Mobile Business sowie der Nutzung des Internets für Online-Werbung auf.
- Für mehr als jedes zweite Unternehmen ist Computerspionage ein Thema. Allerdings haben bisher insgesamt nur 22,4 Prozent der befragten Betriebe Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt. Während über zwei Drittel der Großunternehmen Sicherheitsmaßnahmen bereits implementiert haben, verfügt der überwiegende Anteil der kleinen und Kleinstunternehmen über keine Schutzmaßnahmen vor Computerspionage.
- Bisher sind 6,7 Prozent der befragten Unternehmen Opfer von Computerspionage geworden. Die Schadenssumme beträgt in 77,2 Prozent der betroffenen Fälle weniger als fünfzig Tausend Euro.
- Zu den durch Computerspionage bedrohten Unternehmensressorts gehören überwiegend Abteilungen mit sensiblen Firmen- und Kundendaten, wie z. B. der IT-Bereich, das Finanz- und Rechnungswesen sowie der Vertrieb.
- Die größte Bedrohung durch Computerspionage geht von den eigenen Mitarbeitern, der Konkurrenz und unbeteiligten Dritten zu gleichen Teilen aus. Jedoch unterscheiden sich die Unternehmen in Abhängigkeit von ihrer Größe in ihrer Einschätzung der betroffenen Personenkreise. Kleinstunternehmen erwarten die größte Bedrohung durch Externe, während Großunternehmen in ihren Mitarbeitern die größte Gefahrenquelle vermuten.
- Geringe Sicherheitsmaßnahmen werden von der Hälfte der Unternehmen als Ursache für Computerspionage angesehen. 31,5 Prozent der Befragten geben als Grund zunehmende internationale Geschäftsbeziehungen an und 28,6 Prozent machen steigenden Kosten für Innovation und Wettbewerb für Computerspionage verantwortlich.
Ausführliche Ergebnisse der Studie "Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr - Ihre Erfahrungen und Wünsche 2010" des Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG), 2011
Berichtsband NEG-Umfrage 2010.pdf
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Ausgewählte Ergebnisse der Studie "Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr - Ihre Erfahrungen und Wünsche 2010".
NEG 2010_Elektronischer_Geschäftsverkeh[...].pdf
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