Empirische Daten und Prognosen zum Handel mit Musik, Bild- und Tonträgern im Internet
- Mobile Musik - Nur ein kurzlebiger Trend oder der Anfang einer neuen Ära
- Absatzplus im CD-Handel und Musikdownload
- Der Online-Musikhandel macht das Kerngeschäft der Anbieter attraktiver
- Vergleich von Online-Musikanbietern führt zu einem insgesamt noch unbefriedigenden Ergebnis
- Multi-Channel-Effekte im Handel mit CDs/Tonträgern bzw. Videokassetten/DVDs
- Zwei Drittel der Internetnutzer sind bereit, für Web-Inhalte zu bezahlen
Der Tonträgermarkt leidet schon seit vielen Jahren unter einem stetigen und dauerhaften Abwärtstrend des Gesamtumsatzes. Nach Angaben des Bundesverbandes Musikindustrie ist alleine in Deutschland der Gesamtumsatz in diesem Marktsegment von 2.648 Mio. Euro (1999) auf 1.575 Mio. Euro (2008) gesunken.
Auf diesem Hintergrund ist es vor allem wichtig die digitalen Vertriebswege genauer zu betrachten. Diese Kanäle gewinnen vor allem in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung und machen im Jahr 2008 schon 26,7 Prozent der Musik-Umsätze aus. Den Hauptanteil des Umsatzes macht dabei das Internet mit 19,1 Prozent aus, während die Download-Shops mit 5,1 Prozent und die mobilen Angebote mit 2,5 Prozent momentan nur einen kleinen Anteil des Umsatzes ausmachen.
Die Gesamtausgaben für Mobile Musik liegen im Jahr 2008 bei 75,5 Millionen Euro, dies entspricht einem Zuwachs von 22,5 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Für das Jahr 2011 wird sogar ein Umsatz in Höhe von 173,4 Millionen Euro prognostiziert.

PricewaterhouseCoopers prognostizieren für 2010, dass 22 Millionen Mobilfunk-Kunden in Deutschland Mobilmusik-Dienste nutzen werden. Für den Zeitraum von 2004 bis 2010 wird davon ausgegangen, dass die Pro-Kopf-Ausgaben der Kunden für Mobile-Musik mit einem leichten Abwärtstrend zwischen 23 und 25 Euro schwanken.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Markt und insbesondere der Bereich der Mobilen Musik in den nächsten Jahren tatsächlich entwickelt, da es sich um einen sehr dynamischen Markt handelt. Die Prognosen sprechen jedoch für diesen digitalen Vertriebsweg.
Quellen:
- PricewaterhouseCoopers, 2008.
- Bundesverband Musikindustrie, Musikindustrie in Zahlen, 2008.
- Sammar Keddo,Aline Eckstein, 13.10.09
Im ersten Halbjahr 2005 ist der Absatz von Musik-CDs im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 Prozent angestiegen. Bei Audiokassetten und Singles wurde ein Absatzrückgang verzeichnet, Musik-DVDs wurden ebenso viele wie im Vorjahr verkauft (3,8 Mio).
Eine besonders erfreuliche Entwicklung verzeichnet der Downloadmarkt. Insgesamt wurden schätzungsweise 8,5 Mio Musikdownloads verkauft, dies ist mehr als im gesamten Jahr 2004 (6,7 Mio).
Quelle:
- Pressemitteilung der Deutschen Phonoverbände vom 03.08.2005
Nach der Ansicht von Marktforschern macht der Online-Musikhandel das Kerngeschäft der Anbieter zwar interessanter, kann dieses aber mittelfristig nicht tragen und somit die CD als Tonträger nicht ersetzen. Das aktuelle Wachstum ist vielmehr auf den Wechsel der User von den illegalen auf die legalen kommerziellen Angebote zurückzuführen. Dieser Wechsel wird durch zahlreiche Klagen der Musikindustrie gegen Raubkopierer verstärkt, zudem sind viele illegal angebotene Musikstücke von schlechter Qualität. Aufgrund dieser Entwicklungen entstehen immer mehr kommerzielle Download-Portale, von denen sich mittelfristig sicherlich nicht alle durchsetzen können. Die Telekom-Tochter Musicload gilt als Marktführer (20% der Internet-Nutzer) vor der Apple-Plattform I-Tunes (7,2%) und AOL (6,6%). Sowohl Apple, die die I-Tunes-Plattform als zusätzliches Verkaufsargument für das Abspielgerät I-Pod anführen als auch T-Online, die mit Angeboten wie Musicload oder Video on demand den Dienstleistungsbereich erweitern wollen, setzten auf die Steigerung der Attraktivität ihres Kerngeschäfts durch den Dowload-Service.
Quelle:
- Simone Fuchs: Internet-Musik ergänzt das Kerngeschäft, in: Handelsblatt, 21.06.2005, S. 19.
Virtuelle Plattenläden wie iTunes, Musicload oder Popfile sollen beweisen, dass Musik legal und kostenpflichtig über das Internet vertrieben werden kann. Nutzer illegaler Tauschbörsen sollen so abgeworben werden. Doch bis dahin könnte es nach dem Ergebnis einer Untersuchung der Stiftung Warentest noch ein weiter Weg sein: Die zwölf im Sommer 2004 getesteten deutschsprachigen Angebote wiesen teilweise noch erhebliche Schwächen auf. Das Spektrum reicht vom bestplatzierten Anbieter AOL (Note 2,7 / befriedigend) über Mediamarkt (Note 3,5 / befriedigend) bis hin zum Schlusslicht Eventim (4,3 / ausreichend).
Die Stiftung Warentest kommt u.a. zu folgenden zentralen Aussagen:
- Die Qualität der Musik wurde durchweg als gut empfunden.
- Die Auswahl der angebotenen Musikstücke (das Spektrum des Angebots reicht hier von 70.000 bis 700.000) ist insgesamt nicht zufriedenstellend; klassische Musik wird kaum angeboten. Als Grund führen die Anbieter an, von der Lizenzfreigabe der Künstler und Plattenfirmen abhängig zu sein.
- Die Preise für einzelne Songs bewegen sich zwischen 0,99 Euro (etwa bei iTunes, Eventim oder Mediamarkt) und 1,99 Euro (einzelne Titel bei Karstadt), die für ganze Alben zwischen 7,99 Euro und 14,99 Euro.
- Um sparen zu können, sollten interessierte Nutzerinnen und Nutzer genau vergleichen, denn die Preise variieren zum Teil deutlich. So wurde zum Beispiel Gold - Greatest Hits von Abba bei Mediamarkt für 7,99 Euro und bei AOL für 14,99 Euro angeboten.
- Vor dem Download sind häufig jede Menge Hürden zu nehmen, so etwa bruchstückhafte Beschreibungen von Alben oder wenig komfortable oder gar nicht funktionierende Warenkörbe.
- Als Zahlungsweisen werden verschiedene Möglichkeiten angeboten: zum Beispiel per Kreditkarte oder Telefonrechnung.
- Legale, kostenpflichtige Downloads werden statt als MP3-Datei in Spezialformaten angeboten, die eine illegale Weitergabe verhindern sollen. Darüber hinaus gibt es Unterschiede bei den Nutzungsrechten sowohl von Anbieter zu Anbieter als auch von Song zu Song.
Quelle:
- test Nr. 10/2004; S. 38-43.
Mitte 2004 führte das ECC Handel eine Befragung unter 932 Online-Shoppern zum Thema Multi-Channel-Effekte im Handel durch. Die folgende Tabelle stellt die Ergebnisse für den Handel mit CDs/Tonträgern bzw. Videokassetten/DVDs dar.
|
Wahr-scheinlichkeit der Kannibalisierung des stationären Handels durch das Internet
|
Kaufanbahnung: Information im Internet vor einem Kauf im stationären Handel
|
Kaufanbahnung: Information im stationären Handel vor einem Kauf im Internet
|
|||
|
Ins-gesamt
|
Bei demselben Händler
|
Ins-gesamt
|
Bei demselben Händler
|
||
| CDs/ Tonträger |
25,0 %
|
44,0 %
|
6,0 %
|
21,6 %
|
3,1 %
|
| Video-kassetten/ DVDs |
nicht erhoben
|
37,5 %
|
9,4 %
|
16,9 %
|
0,0 %
|
| Gesamt über alle Produkt-gruppen |
37,3 %
|
26,5 %
|
8,8 %
|
22,7 %
|
3,1 %
|
Quelle:
- van Baal, Sebastian / Hudetz, Kai: Multi-Channel-Effekte im Handel, Köln, 2004, S. 59.
Die Bereitschaft, für Internetinhalte zu bezahlen, wächst beständig. Es wurden 1000 regelmäßige Nutzer von Onlinediensten aus dem Panel Panopia im Untersuchungszeitraum zwischen dem 19. Dezember 2002 und 10. Januar 2003 befragt. Bereits 66 Prozent der regelmäßigen Internetnutzer können sich vorstellen, für bestimmte Online-Inhalte Geld zu bezahlen. Am höchsten ist die Zahlungsbereitschaft bei Online-Spielen bzw. Spieleplattformen (37%), gefolgt von Musikdiensten (35%), Videodiensten (31%) und Informationsdiensten (31%).
Im Bereich der Musik sind die wichtigsten Voraussetzungen eine gute Klangqualität der Musiktitel, gefolgt von einer einfachen Bedienbarkeit und einem unkomplizierten Abrechnungsverfahren. Der optimale Preis für einen Musiktitel liegt nach Ansicht der relevanten Zielgruppe bei 70 Cent. Wichtig ist den Kunden die Möglichkeit, komplette Alben und Bildmaterial wie z.B. das CD-Cover herunterzuladen zu können. Hinsichtlich eines Abrechnungsmodells würden 58% eine Abrechnung je Titel bevorzugen. 27% präferieren ein Abomodell mit einer unbegrenzten Anzahl an Downloads und 11% bzw. 4% ein Abo mit 50 bzw. 100 Downloads pro Monat. Als gewünschte Musikrichtungen dominieren mit 91% bzw. 84% Pop- und Rockmusik.
Insgesamt 31% der Befragten wären dazu bereit, für einen Video- und Kinodienst zu bezahlen, wobei eine gute Bild- und Tonqualität sowie eine einfache Bedienbarkeit gewünscht werden. Insgesamt 72% der potenziellen Nutzer würden eine Abrechnung je Film einem Abomodell vorziehen. Auf die Frage, ob ein solcher Dienst eher Video- oder aktuelle Kinofilme anbieten sollte, sprechen sich 68% für Kinofilme aus. Die bevorzugten Film-Genres sind Komödien (91%) und Actionfilme (85%). Der Optimalpreis liegt bei 3 € je Film.
Im Bereich der Informationsinhalte liegen mit 37% aktuelle Nachrichten und Nachrichtenarchive, gefolgt von Wirtschaftsinformationen und Wirtschaftsarchiven mit 33%. Als wichtigste Aspekte für die Nutzung solcher Dienste werden eine hohe Aktualität der Informationen (89%), eine einfache Bedienbarkeit der Dienste (77%) sowie ein niedriger Preis für den Abruf der Informationen (74%) erachtet. Bei den Abrechnungsmodellen zeigt sich eine leichte Tendenz zu Gunsten eines monatlichen Abos. 56% der Befragten bevorzugen ein monatliches Abo gegenüber 44%, die sich für eine Abrechnung pro Artikel aussprechen. Der optimale Preis pro Artikel liegt je nach Nachrichtengattung zwischen 50 Cent (bei Nachrichten und Sportnews) und 70 Cent (bei Wirtschaftsinformationen).
Quelle:
- smart research Pressemeldung vom 03.02.03.