Empirische Daten und Prognosen zum weiteren Großhandel im Internet
Chemikalien und Kunststoffe sind mit einem geschätzten Umsatzvolumen von 1,7 Mrd. US$ weltweit die meist gehandelten Produkte. Laut European E-Business Market Watch 2002 ist die Chemieindustrie in der EU einer der bedeutendsten Wirtschaftssektoren. Deutschland spielt in der Branche mit fast 500.000 Angestellten europaweit die wichtigste Rolle. Viele Bereiche in der chemischen Industrie bieten sich für E-Business geradezu an: Die Produkte sind oft eindeutig beschreibbare Standardprodukte, die massenhaft erzeugt und mit entsprechend geringen Margen verkauft werden. Dennoch war die Branche lange zurückhaltend. Der Verband der Chemischen Industrie eruierte in einer Branchenbefragung 2001, dass zwar nahezu 90% der deutschen Unternehmen über E-Mail Anschluss und Homepage verfügten, aber nur eine Minderheit über Bestell- oder Zahlungssysteme. Geradezu konträr entgegengesetzt waren die Zahlen der Anbieter: 6000 Marktplätze soll es im E-Hype Jahr 2000 gegeben haben. Diese immense Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage existiert inzwischen nicht mehr. Die Zahl der Anbieter ist auf etwa 100 geschrumpft.
Eine wesentliche Rolle spielt der Beschaffungsbereich. Im strategischen Rohstoffgeschäft, wo langfristige Lieferverträge die Rohstoffverfügbarkeit und damit die Produktion der Unternehmen sichern, haben sich Transaktionsplattformen wie elemica, ChemConnect, Omnexus und Trade-Ranger etabliert, die neben der technischen Verbindung zwischen einkaufenden und verkaufenden Unternehmen vor allem die Sicherheit der Nutzung bei Bestellvorgängen gewährleisten. Die Beschaffung von nicht-strategischem Material hingegen ist gekennzeichnet durch hochgradig standardisierte Produkte, eine hohe Zahl an Prozessschritten und ein im Vergleich zum Rohstoffgeschäft geringeres Transaktionsvolumen. Daher entstehen bei der Beschaffung von C-Artikeln in der Regel unverhältnismäßig hohe Prozesskosten. Um diese zu senken, können manche Prozessschritte sinnvoll elektronisch unterstützt werden, für andere bietet sich ein Outsourcing an. Auf diese Weise können auch kleine und mittelständische Unternehmen ihren Beschaffungsprozess straffen und die Potenziale des E-Procurements ausschöpfen.
(Quelle: Beschaffung aktuell, 5/2003, S. 60)
Autor: Duong, 20.03.2003
