Erkenntnis - Buchhandel
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Entwicklungstendenzen im B2C-Online-Buchhandel

Inhaltsverzeichnis

Neue Shoppingkonzepte als Überlebensgrundlage

Abbildung neuer Shoppingkonzepte

Nicht nur die großen Online-Buchhändler wie Amazon suchen nach neuen Möglichkeiten, um ihre Umsätze anzukurbeln und einer sich anbahnenden Stagnation der Wachstumsraten entgegenzuwirken, sondern auch kleinere Mitbewerber wie buch.de sehen in der Ausweitung des Produktportfolios eine Chance. Doch dieser Schritt ist strapaziös und risikoreich. Mit dem aggressiven Pricing des Vorzeige-Händlers Amazon können die kleinen Online-Händler nicht mithalten; "Amazon bietet die Top-Seller verschiedener Kategorien teilweise zum Einstandspreis an, ein Preis, den wir nicht mal als Einkaufspreis erreichen", heißt es. Mit zahlreichen Rabattaktionen kurbelt Amazon das neue Geschäft auf Kosten der Marge an.

Viele haben diesen Kampf schon aufgegeben und konzentrieren sich auf die technische Aufrüstung. Doch auch auf diesem Segment lässt Amazon der Konkurrenz kaum eine Möglichkeit gleich- geschweige denn vorbeizuziehen. Sowohl beim Gebrauchtbücher-Markt als auch bei der Analyse des Kundenverhaltens (Data Mining) und der Volltextsuche hängen die Mitbewerber Amazon hinterher. Grund dafür ist vor allem, dass Amazon beispielsweise im Jahr 2007 224 Mio. Euro in den Ausbau der technischen Komponente investierte. Diese Summe entspricht bei weltbild.de dem Jahresumsatz.

Neue Shopping-Konzepte und die Implementierung von Web 2.0-Funktionen sind vor dem Hintergrund der weiter fallenden Wachstumskurven so wichtig wie nie. Dennoch fällt es dem Großteil der Onliner schwer, aus der Technik wahre Kundenbindung zu erzielen. Die Aussichten sind verführerisch, die Umsetzung dagegen ist komplex. E-Commerce-Experte Dr. Kai Hudetz vom E-Commerce-Center Handel nennt folgende Barrieren:

 

  • Die Pflege von Websites wird immer aufwendiger.
  • Zunehmende Schwierigkeiten bei der Erfolgsmessung.
  • Vermehrte Interaktion mit den Nutzern bringt einen erhöhten Koordinationsaufwand mit sich.
  • Die ökonomische Tragfähigkeit ist schwer vorherzusagen.

Nichtsdestotrotz ist die Integration von Web 2.0-Anwendungen und -Elementen für den erfolgreichen Handel im Internet unumgänglich. Ein wichtiges Element ist der Aufbau von Communities, welche zum einen für einen regen Austausch unter den Kunden selbst und zum anderen als Informationsquelle für die Händler sorgen sollen. Funktionen wie diese, in Verbindung mit der Optimierung der Benutzerfreundlichkeit der Shops, sollen der Branche zu neuem Aufwind verhelfen. Voraussetzung ist, dass die Shops nicht stehen bleiben und auch in Zukunft neue Trends, wie beispielsweise den in Japan schon alltäglichen "Mobile Commerce" nicht verschlafen. Nach Einschätzung von Experten kaufen in Japan schon 70 % aller Handybesitzer auf auf diesem Weg ein.

Quelle: buchreport.magazin März 2009 S. 42-50

E-Books: Die Digitalisierung des Buchgeschäfts

Eine Branche vor dem Umbruch

 

Das Internet hat sich in den vergangenen Jahren sehr positiv auf den Buchhandel ausgewirkt. Die Mehrheit der Händler hat den Vertriebskanal Internet mittlerweile erfolgreich ins Unternehmenskonzept integriert und profitiert vom Zusatzgeschäft. Im Jahr 2007 lag der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels geschätzte Internet-Umsatz bei etwa 850 Millionen Euro, was einen Anteil von knapp neun Prozent am Gesamtumsatz der Branche ausmacht und einer Steigerung von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Neuste Ergebnisse von Forrester Research belegen, dass Bücher die am häufigsten nachgefragten Produkte deutscher Internetnutzer sind. 41 Prozent aller befragten Online-Shopper haben innerhalb der letzten drei Monate Bücher im Internet erstanden. Deutschland ist damit nach Amerika der zweit größte Markt für Amazon. Der Löwenanteil von 54 Prozent geht jedoch weiterhin an den Buchhandel, gefolgt vom direkten Bezug über die Verlage mit 18 Prozent.

 

Acht Jahre nach dem ersten Versuch den Buchhandel stärker zu Digitalisieren, sieht die Branche sich erneut mit einer grundlegenden Änderung konfrontiert: Aus klassischen Büchern werden E‐Books - dank neuer ausgereifter Lesegeräte, deren Displays digitale Texte wie gedruckt erscheinen lassen, steht der Buchhandel vor der Herausforderung eines neu zu erschließenden Massenmarktes.

 

Was sind eigentlich E-Books?

E-Books

E-Books sind Texte in elektronischer Form, die von E-Book-Readern, auch elektronische Lesegeräte genannt, dargestellt werden. Dabei kommt die sogenannte E-Ink-Technik zur Anwendung und unterscheidet die E-Book-Reader heute deutlich von den Vorläufertypen in den Jahren 2001 und 2002. Texte können jetzt auch bei schlechten Lichtverhältnissen ohne die blendende Hintergrundbeleuchtung dargestellt werden und ermöglichen einen angenehmen Lesekomfort. Zudem verbrauchen sie wenig Strom, so dass sie ohne Aufladung bis zu einer Woche lang laufen. Das Lesen von Texten wird durch klassische Funktionen wie Vor- und Zurückblättern, Vergrößern von Texten oder das Setzen von Markierungen deutlich vereinfacht und verhelfen dem E-Book endlich zu Marktreife.

 

Amazon bietet in den USA bereits einen Bestand von über 240.000 Büchern an, die via Mobilnetz auf das Lesegerät "Kindle" oder mit Hilfe einer speziellen Software auch auf das ebenso exklusive "iPhone" übertragen werden können. Allein in den USA wurden im vierten Quartal 2008 durch E-Books insgesamt 16,8 Mio. Dollar eingenommen. Im Vergleichszeitraum 2007 waren es erst 8 Millionen Dollar. Zahlreiche Unternehmen haben bereits umfassende Maßnahmen eingeleitet, um die Etablierung des E-Books schnellstmöglich mit voran zu treiben und ganz vorne dabei zu sein. Doch während Amazon auf ein eigenes Dateiformat setzt, arbeiten die meisten anderen Anbieter mit dem offenen Standard "Epub", den nicht nur E-Books, sondern auch Smartphones benutzerfreundlich darstellen.

 

Die großen Player des Buchhandels machen deutlich, wohin der nächste Trend im elektronischen Handel geht. Ein Jahrzehnt nachdem die Musikindustrie im Zuge der Digitalisierung vollständig umgekrempelt wurde, sieht sich nun der Buchhandel mit einer ähnlichen Situation konfrontiert.

 

 

Handel mit digitalen Büchern

Der zunehmende Vertrieb von digitalen Büchern hat sowohl für den Online-Handel als auch für die Realwirtschaft schwerwiegende Konsequenzen. Zum einen können digitale Inhalte kostenlos und ohne spürbaren Qualitätsverlust dupliziert werden und zum anderen müssen sich Buchhändler ernsthafte Gedanken darüber machen, was sie in Zukunft anbieten können. Auf die Frage ob die Branche dafür schon gewappnet ist, antwortet der Unternehmensberater Leander Wattig: "Teilsweise. Künftig geht es weniger um den Vertrieb von Büchern, als vielmehr um das Finden und Verbinden von Menschen mit gemeinsamen Interessen. Gerade viele „kleine" Buchhändler haben das schon immer getan". Im Wettbewerb mit Amazon werden nicht nur die Buchhändler sondern auch die Verlage vor der Aufgabe stehen, sich auf bestimmte Zielgruppen bzw. Communities zu konzentrieren und die Infrastruktur von Amazon für das eigene Geschäft zu nutzen anstelle zu konkurrieren, denn die meisten werden mit dem Riesen nicht mithalten können. Dieser hat schon sehr früh erkannt, dass das Modell eines klassischen Online-Buchhändlers möglicherweise nicht zukunftssicher ist.

 

Erobern E-Books den deutschen Buchhandel?

 

Deutsche Buchhändler sollten sich also rechtzeitig für das digitale Buchgeschäft wappnen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels präsentierte jüngst eine Erweiterung des Büchersuchportals www.libreka.de als Ver- und Kaufmaschine für E-Books. Aber auch Größhändler schalten erste Portale für Partnerbuchhandlungen wie bspw. www.buchkatalog.de oder www.ciando.de. Zahlreiche Beiträge in den Medien berichten über verschiedenste Geschäftsideen zur Integration von E-Books in das unternehmerische Gesamtkonzept und es stellt sich die Frage, wie der einzelnen Buchhändler sich erfolgreich an dieser Entwicklung beteiligen kann.

 

Welche Chancen und Risiken bringt die Digtalisierung des Buches mit sich?

 

Unter dem Begriff "Wohin führt die Digitalisierung in der Buchbranche?" wurde auf der Frankfurter Buchmesse eine Umfrage unter circa tausend Fachleuten der Buchbranche aus rund 30 Ländern durchgeführt.

 

Herausferderugn für den Buchhandel

Die Meinungen zum Thema E-Books gehen weit auseinander: Während 40 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten, dass der Absatz von digitalen Inhalten den traditioneller Bücher bereits im Jahr 2018 überflügeln wird, sind ein Drittel der Branchenprofis der Überzeugung, dass diese Situation niemals eintreten wird. 60 Prozent der Fachleute erwarten, dass auch in fünf Jahren herkömmliche Bücher nach wie vor marktbeherrschend sind. Nur sieben Prozent halten es für möglich, dass E-Books bis zum Jahr 2013 zu einer Haupteinkommensquelle werden könnten.

 

Gefragt nach den digitalen Herausforderungen der Zukunft, sahen die Experten in vielen Bereichen großen Gesprächsbedarf wie die folgende Abbildung zeigt: Insbesondere die Themenbereiche Copyright-Probleme, Regelungen für das Management von digitalen Rechten (DRM), und Standardformate wie EPUB sähen die Befragten gerne bald möglichst geklärt. Lediglich das geäußerte Interesse an neuen Kooperationen und Geschäftsbeziehungen verdeutlicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt, dass mit der Digitalisierung des Buches nicht nur Risiken, sondern auch Chancen verbunden sind. Gerade für die Vermarktung bisher unbekannter Autoren öffnen sich beispielsweise neue Möglichkeiten, um rentable Nischen zu schaffen und zu nutzen.

 

Was sagen die Leser?

 

Darauf freuen sich auch die Konsumenten. Endlich stehen dem Einkauf ausgefallener Bücher unbekannter Autoren keine tagelangen Wartezeiten mehr gegenüber und der Reiserucksack kann endlich wieder mit Kleidung statt mit unzähligen Büchern gefüllt werden. Im Rahmen einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa haben 2,2 Millionen Deutsche die Absicht geäußert sich im Jahr 2009 ein digitales Lesegerät zu kaufen. Ein besonders großes Potenzial wird hierbei für Fachliteratur erwartet, da in der wissenschaftlichen Arbeit elektronische Bücher nicht nur wegen des Preises sondern auch wegen der Suchfunktion überlegen sind. Insbesondere die 24- bis 29-Jährigen scheinen bereits jetzt von E-Books begeistert zu sein.


Heißt "Print-Version" zukünftig selbst ausdrucken?


Die Digitalisierung des Buches und die damit verbundene strukturelle Änderung des Marktes erfordert eine professionelle Konzipierung innovativer Geschäftsideen. So verlangt die Integration von E‐Books im Angebot zunächst eine völlig neue Preisgestaltung und Produktionskette. Bevor aus einem verfassten Text ein E‐Book wird, ist eine Vielzahl von technischen, organisatorischen und juristischen Hürden zu überwinden. Die Dateien müssen in das sogenannte EPUB‐Format konvertiert, Honorare ausgehandelt und neue Vertriebsstrukturen ausgearbeitet werden. Zudem bleibt abzuwarten, ob die rechtliche Preisbindung des Buches auch weiter fortbestehen wird.

 

Kurzfristig erscheint es daher unwahrscheinlich, dass das steigende Angebot elektronischer Literatur dem beliebten Buch den Rang ablaufen wird. Dennoch sollte dieser Trend und der bisherigen Erfolg von E-Books in den USA nicht außer Acht gelassen werden. Neben den Kunden, die ein ständig wachsendes Angebot an elektronischen Büchern verlangen, sind Großunternehmen wie Amazon und Thalia die treibende Kraft, die eine Digitalisierung des Buchhandels weiter vorantreiben werden.

Entwicklungstendenz

Der Einstieg des Buchhandels ins Online-Geschäft gehört seit Gründung der ersten Portale im Jahr 1995 zu den Erfolgsgeschichten des E-Commerce. Eindrucksvolle Zahlen dokumentieren das rasante Wachstum: Der erzielte Umsatz stieg in Deutschland von 13 Millionen Euro im Jahr 1997 auf 633 Millionen Euro im Jahr 2005, während der Gesamtumsatz in der Buchbranche seit Jahren stagniert oder, getragen von Kassenschlagern wie Harry Potter, nur schwach und punktuell steigt. Mittlerweile werden mehr als vier Prozent des gesamten Buchmarktumsatzes über die Online-Sparte umgesetzt.

Marktanteile der verschiedenen Vertriebswege
(Ein Klick auf das Diagramm öffnet ein neues Fenster mit einer vergrößerten Darstellung.)

Der Online-Handel als spezielle Form des Versandhandels hat durch die starke Verbreitung des Internets und die technischen Möglichkeiten des E-Commerce vielfältige Geschäftsmodelle und Unternehmensstrategien entstehen lassen. Neben den 'reinen' Online-Händlern, als dessen bekanntester Vertreter Amazon.de zu nennen ist, existiert eine große Bandbreite unternehmerischer Modelle zwischen Multi-Channel-Strategien und Unternehmenskooperationen. Multi-Channel-Strategien beschreiben dabei die Nutzung verschiedener Absatzwege und sind oft aus dem stationärem Buchhandel oder dem Versandhandel entstanden. Doch es gibt auch Beispiele für die umgekehrte Richtung. So hat der Weltbild-Verlag das Image von Jokers.de genutzt, um erfolgreich mit dieser Marke eine stationäre Buchhandelskette zu eröffnen. Bekannte und erfolgreiche Beispiele für Unternehmenskooperationen sind zum einem Libri.de, unter dessen Portal sich über 1.000 Buchhandlungen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen haben, und zum anderen das Zentralverzeichnis antiquarischer Bücher.

Die ersten Bücherportale ABC Bücherdienst und Amazon entstanden im Jahr 1995 und zogen – nicht zuletzt durch allzu positive Wachstumsprognosen – viele Nachahmer an. Die meisten schafften es jedoch auch nach Jahren nicht in die Rentabilität, und als 2001 die Phase der Konsolidierung im Online-Markt begann, wurden viele Anbieter von Konkurrenten übernommen. So zum Beispiel bol.de durch buch.de. Viele der kleineren Start-ups verschwanden ganz von der Bildfläche.

Somit ist der heutige Markt durch eine hohe Konzentration geprägt. Die Nachfrage wird weitgehend vom Marktführer Amazon, dem Weltbild-Verlag, der mehrere Buch-Portale betreibt, und buch.de abgedeckt. Neben den Großen, die ihr Angebot weit über die Bereiche Bücher und Medien ausgedehnt haben, gibt es allerdings eine Vielzahl kleinerer Anbieter, deren Erfolg eher in der Besetzung einer Nische und in der Abdeckung spezieller Kundenwünsche begründet ist.

Obwohl der Markt weitgehend konsolidiert ist, gelingt es immer wieder Unternehmen, sich mit Kreativität und strategischen Partnerschaften erfolgreich zu positionieren. Dabei müssen sich sowohl reine Online-Anbieter als auch Händler mit einer stationären Buchhandlung verschiedenen Einstiegsproblemen widmen. Um eine professionelle E-Commerce-Plattform aufzubauen, sind Investitionen nötig, deren Erfolg zumeist als überaus ungewiss eingeschätzt wird. Auch eine starke Kundenbindung ist bei der Vielzahl von kleineren Anbietern und der schwer zu realisierenden persönlichen Beziehung zwischen Kunde und Anbieter nur mit viel Aufwand zu erreichen. Denn einerseits muss ein auf eine Zielgruppe abgestimmtes Buchprogramm von dieser wahrgenommen werden und andererseits müssen die Besucher der Website und Erst-Käufer als Stammkunden gewonnen werden. Als unabdingbare Instrumente dafür gelten eine ständig aktualisierte Homepage mit nutzbringenden Inhalten wie bspw. Lesetipps und weitergehenden Informationen und ein Newsletter, der die Kunden über Neuigkeiten informiert. Viele Anbieter setzen im Rahmen ihrer Multi-Channel-Aktivitäten auch erfolgreich auf einen gedruckten Katalog, den sie an ihren Kundenstamm verschicken.

Aus der Not, als einzelne Buchhandlung all diesen Erfordernissen nur schwer gleichzeitig gerecht werden zu können, haben sich Kooperationen und Partnerschaften zur Nutzung von Synergien ergeben. So setzen die Betreiber von Kiddinx aus Berlin beim Vertrieb ihrer Artikel von Benjamin Blümchen und Co. auf eine Kooperation mit buch.de. Diese stellt das E-Commerce-System bereit, während sich Kiddinx vollständig auf die Inhalte und das Marketing konzentrieren kann. Einen Schritt weiter geht libri.de. Dieses Buchportal sichert sich seine Sonderstellung im Markt durch ein großes englischsprachiges Buchsortiment, das auch Bestseller enthält, die noch nicht in deutscher Sprache erschienen sind. Die angeschlossenen Buchhandlungen profitieren einerseits durch die redaktionelle Arbeit auf dem Buchportal (Pflege des Buchprogramms, Newsletter, Rezensionen), andererseits werden sie durch den Anschluss an das E-Commerce-System von der Organisation des Versands entlastet. libri.de finanziert sich wiederum durch Provisionen an jedem verkauften Buch.

Kooperationen ermöglichen nicht nur mittelständischen Betrieben mit einem gewissen Kapital, sondern auch Kleinstbetrieben einen erfolgreichen Einstieg in den Online-Markt. So hat zum Beispiel die Betreiberin von buecherkinder ihren Schwerpunkt auf ungewöhnlich illustrierte und seltene Kinderbücher gelegt, die sie von ihrer Zielgruppe, die aus Kindern zwischen 8 und 15 Jahren besteht, rezensieren lässt. Sie konzentriert sich vollständig auf die Pflege ihres Programms und ihrer Kundenbeziehungen und kooperiert beim Vertrieb mit einem großen Barsortimenter, der wiederum pro verkauftem Buch eine Provision einhält. Da sie so weder Lagerhaltung noch eine eigene IT-Plattform benötigt, war ihr Einstieg nur mit einem geringen finanziellem Risiko behaftet.

Auch für die nächsten Jahre prognostizieren Experten ein Anhalten des dynamischen Wachstums des Online-Segments, wenn sich das Tempo auch verringern wird. Die Bedeutung dieser Sparte hängt stark von den weiteren Entwicklungen im Buchmarkt allgemein und vom Wandel der Konsumgewohnheiten ab.

Neuere Entwicklungen wie die Volltextsuche, die von Amazon angeboten wird, oder das 'Books-on-Demand'-Konzept werden in der Branche eher mit Skepsis betrachtet. Nach Angaben von Amazon konnte das Unternehmen durch das Zurverfügungstellen völlig unbekannter Bücher den Umsatz mit diesen digitalisierten Büchern in den USA um sieben Prozent steigern. Doch sind die Kosten für die Digitalisierung immens und die Gefahr des Raubkopierens durch das Bereitstellen ungesicherter Texte auf der Homepage ist hoch. Beim 'Books-on-Demand’-Prinzip wiederum werden Bücher als Masterdatei auf einem Server gespeichert und erst auf Bestellung in entsprechender Menge und gewünschter Form gedruckt. Dieses Verfahren bietet kleinen Autoren und Verfassern wissenschaftlicher Texte die Möglichkeit, ein Buch auch in kleiner Auflage ohne großes finanzielles Risiko zu veröffentlichen. Jedoch scheint das Marktpotenzial mit dem Marktführer Books on Demand in diesem Segment weitestgehend abgeschöpft zu sein.

Besonders hoffnungsvoll für die Zukunft des Buchmarkts entwickelt sich der Bereich der Hörbücher. Dieser stellt zurzeit das Wachstumssegment der Branche dar, in dem schon mehr als fünf Prozent der Belletristik-Umsätze erwirtschaftet werden. Im Hinblick auf die wachsende Bedeutung im Online-Segment könnten die Ergebnisse einer Umfrage aufschlussreich sein, die 2005 im Auftrag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels durchgeführt wurde. Dieser Umfrage zufolge sind 30 Prozent der Konsumenten generell bereit, Audiobooks kostenpflichtig als MP3-Datei zu erwerben. Auch bei anderen digitalen Medien wie E-Books wird der Anteil langfristig steigen. Zwar lassen sich digitale Medien schon heute ideal in die Online-Portale integrieren und sie werden teilweise schon als Serviceangebot eingesetzt. Doch große kommerzielle Erfolge blieben bisher aus. Die Akzeptanz dieser kostenpflichtigen Angebote wird stark von technischen Lösungen abhängen, die einerseits den illegalen Vertrieb verhindern und andererseits benutzerfreundlich sind.

Generell lässt sich vermuten, dass mit einer weiteren Verbreitung von Laptops, Handheld-Computern und Breitband-Anschlüssen die Bereitschaft zum Online-Shopping und die Nachfrage nach digitalen Medien steigen wird. Dem Online-Shopping-Survey von Enigma-GfK zufolge kauften mehr als 25,2 Millionen Bundesbürger zwischen 14 und 69 Jahren im Jahr 2005 online ein, wodurch sich ein Zuwachs von zwei Millionen Konsumenten im Vergleich zu 2004 ergibt. Spitzenreiter bei den Einkaufstouren im Internet sind und bleiben Bücher, was ein positives Licht auf die Zukunftsaussichten der Online-Anbieter wirft.

Quellen:

  • Arbeitskreis Hörbuchverlage: Das Hörbuch geht online... Verbraucherumfrage zum Hörbuch-Download, Januar 2005, unter: www.boersenverein.de
  • Bachhausen, Ursula: Lesetipps von Bücherkindern, in: BuchMarkt, Ausgabe März 2006, S. 196-197.
  • Baier, Eckart: Wachstum per Mausklick, in: börsenblatt, Ausgabe 20/2006, S. 12-15.
  • Enigma-GfK: Online Shopping Survey 2005, unter: www.gfk.com
  • o. V.: Buch und Buchhandel in Zahlen Extra, in: börsenblatt, Ausgabe 28/2006, S. 41-43.
  • o. V.: Online-Buchhandel legt 10 Prozent zu, in: faz.net vom 20.10.2005, unter: www.faz.net
  • Riehm, Ulrich: Online-Buchhandel revisited – Workshop-Dokumentation, Stuttgart: Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden Württemberg 2003 (Arbeitsberichte der TA-Akademie, Nr. 238).

Geschichte des Online-Journalismus

In 2004 kann auf zehn Jahre Online-Journalismus zurückgeblickt werden. Immer wieder neue Meilensteine, Hoffnungen und Heilserwartungen, von denen die meisten schon ein Jahr später hoffnungslos veraltet, grandios geplatzt oder immer noch unerfüllt waren, resümieren Experten im Internetportal www.onlinejournalismus.de. Die ersten zehn Jahre des Journalismus im WWW hätten danach in dieser Hinsicht mehr als genug zu bieten, heißt es.

Im Folgenden ein Überblick über wesentliche Entwicklungen aus den ersten zehn Jahren Online-Journalismus:

  • 1994
    Die ersten traditionellen Medien wagen sich ins World Wide Web. Am 25. Oktober geht das Nachrichtenmagazin Der Spiegel online - noch einen Tag vor dem Time Magazine.

  • 1995
    Die ersten Tageszeitungen mit Internetauftritt sind im Frühjahr 1995 die taz und die Schweriner Volkszeitung. Das reine Online-Magazin salon.com geht an den Start.

  • 1996
    Am 1. August bietet die ARD erstmals ihre Nachrichtensendungen tagesschau, tagesthemen, nachtmagazin und wochenspiegel im Internet als Text und Video an.

  • 1997
    Das ZDF und MSNBC beginnen eine Partnerschaft.

  • 1998
    Erstmals hat das WWW eine Bedeutung für die Bundestagswahl. Auslöser der Lewinsky-Affäre ist ein im Drudge Report verbreitetes Gerücht; der Untersuchungsbericht des Sonderermittlers wird im WWW veröffentlicht und rege abgerufen.

  • 1999
    Portale setzen zunehmend auf so genannten Content. Nach einer Studie der Katholischen Universität Eichstätt gibt es rund 400 Online-Medien in Deutschland.

  • 2000
    30 Prozent der deutschen Bevölkerung nutzen das Internet. Die Nachrichtenportale von Der Spiegel und der Süddeutschen Zeitung greifen auf Parlamentskorrespondenten zurück. Das Angebot der Netzeitung, einem reinen Online-Nachrichtenmedium, und die crossmedial angelegte Website der Financial Times Deutschland starten.

  • 2001
    Zu den Terroranschlägen vom 11. September sind über das Internet Breaking News abrufbar. Erstmals wird der Grimme Online Award verliehen. Der European Journalism Award geht an Telepolis. FAZ.net geht online, nachdem sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung lange Zeit gegen das Internet als Medium gesträubt hatte. Das ZDF und der Provider T-Online vereinbaren eine Zusammenarbeit (heute.t-online.de).

  • 2002
    Der so genannte Dotcom-Crash führt zu einschneidenden Einsparungen und Entlassungen, die für zahlreiche Angebote das Ende bedeuten. Tomorrow Focus - eine Fusion von Tomorrow Internet und Focus Digital aus 2001 - beginnt eine Partnerschaft mit MSN.

  • 2003
    Sogenannte Weblogs, die sowohl bei den Nutzern als auch bei den Medien zunehmend an Popularität gewinnen, dokumentieren den Krieg im Irak und den beginnenden Wahlkampf in den USA. Google bietet seinen automatischen Nachrichtenüberblick erstmals auch auf Deutsch an.

  • 2004
    Spiegel online feiert zehnjähriges Jubiläum. Die Netzeitung kündigt ihre Newssuche an, die auch andere Quellen erschließen soll.


(Quelle: Stegers, Fiete: Zehn Jahre Online Journalismus. In: politik-digital - www.politik-digital.de, 25.10.2004, Abruf am 26.10.2004.)