Erfolgreiche Ansätze bei Zahlungsverfahren und Zahlungssystemen
Die Umsätze im deutschen Online-Handel steigen seit Jahren kontinuierlich. Aktuelle Umsatzprognosen sagen für 2014 ein jährliches Umsatzwachstum von 9 Prozent im deutschen E-Commerce voraus. Im Jahr 2014 sollen bereits 114 Milliarden Euro im westeuropäischen Online-Handel ausgegeben werden, im Vergleich dazu betrugen 2009 die Ausgaben noch 68 Milliarden Euro. Für diese Umsatzentwicklung sind einerseits größere Warenkörbe und andererseits mehr Online-Shopper verantwortlich.
Dem E-Commerce-Forschungscenter Ibi Research zu Folge brechen jedoch mehr als drei Viertel (79 Prozent) der Kunden ihren Online-Einkauf ab, wenn die gewünschten Zahlungsverfahren nicht zur Verfügung stehen. Dieser Wert verdeutlicht, dass durch die optimale Wahl der angebotenen Bezahlverfahren die Kaufabbrüche erheblich reduziert werden können.
Aktuelle Studien zeigen, dass es bei dem Angebot von Kauf auf Rechnung 81 Prozent weniger Kaufabbrüche gibt. Bei dem Lastschriftverfahren werden schätzungsweise 63 Prozent und bei Kreditkarten 60 Prozent weniger Käufe abgebrochen. Die Bezahlart Nachnahme führt immerhin noch zu einer Senkung der Kaufabbrüche um 19 Prozent. Bei dem Einsatz von E-Payment-Bezahlarten kann im Schnitt von einer Senkung in Höhe von 43 Prozent ausgegangen werden.
Die Ergebnisse der aktuellen IZH5-Studie zeigen, dass zwar weiterhin die traditionellen Zahlungsverfahren wie Überweisung und Lastschrift dominieren, doch zeigt der Vergleich mit Ergebnissen der letzten Befragungswellen in 2005 und 2007 ein deutliches Plus bei alternativen Verfahren wie E-Payment-Lösungen. E-Payment-Anbieter handeln als virtuelle Mittler zwischen Kunde und Händler und leiten die Zahlung anschließend an den Händler weiter. Wie im Folgenden beschrieben wird, birgt der Einsatz eines solchen Mittlers jedoch nicht nur Chancen, sondern auch gewisse Risiken.
Faktoren wie Bequemlichkeit, Zuverlässigkeit und gefühlte Sicherheit sprechen für den Einsatz von E-Payment-Lösungen. Kunden fühlen sich beim Online-Einkauf beispielsweise sicher, wenn sie vertrauliche Daten, wie Konto- oder Kreditkartennummer, nicht unbekannten Händler geben müssen. Bei der Bezahlung durch ein E-Payment-System muss der Kunde sich in der Regel nur mit dem Benutzername und Kennwort anmelden.
Die aktuelle Studie des ECC-Handel belegt, dass es durch die Verwendung von dem E-Payment-Anbieter ClickandBuy zu einem Vertrauensvorteil kommt, der sich in einer Conversion-Rate von 51,3 Prozent widerspiegelt. Dieser hohe Wert ist vor allem durch eine hohe Bekanntheit der Marke auszumachen. Mit schätzungsweise weltweit 13 Millionen Nutzern hatte ClickandBuy 2009 ein Transaktionsvolumen von mehr als 1 Milliarde Euro. Der E-Payment-Anbieter Giropay hat mehr als 2 Millionen Nutzer und hatte 2009 ein Transaktionsvolumen von 289,5 Millionen Euro. Die Conversion-Rate liegt bei Giropay bei ca. 15,4 Prozent. Weiche Faktoren, wie das Vertrauen in das Bezahlverfahren, spielen heutzutage eine große Rolle für die Kunden. Dieser Vorteil kann beispielsweise auch bei internationalen Kunden ausgenutzt werden, die mit den Leistungen der führenden E-Payment-Anbietern vertraut sind.
Eine weitere Chance, die für den Einsatz von Internet-Zahlungsverfahren spricht, ist eine Reduzierung der Gesamtkosten. Diese ist möglich, da die E-Payment-Anbieter die Zahlungshistorie ihrer bisherigen Kunden kennen. Durch diese Daten kann das Zahlungsausfallrisiko beispielsweise reduziert werden. Bei dem Einsatz von E-Payment-Systemen kann es jedoch auch zu Nachteilen kommen.
Die Payment-Kosten setzten sich nicht nur aus den reinen Transaktionskosten der Zahlungsanbieter zusammen, sondern auch aus dem Verwaltungsaufwand. Mahn- und Inkassoverfahren können sich beispielsweise schnell auf 75 Euro pro Bearbeitungsfall belaufen. Wie der Tabelle zu entnehmen ist, unterscheiden sich Konditionen wie ideale Höhe der Einzeltransaktionen, idealer monatlicher Umsatz und Händler-Gebühr je nach E-Payment-Anbieter. Neben den Transaktionskosten und dem Verwaltungsaufwand kann es des Weiteren zur Kannibalisierung von günstigeren Bezahlverfahren oder zu technischen Problemen in der Umsetzung kommen.
Die Analysten des Beratungsunternehmens Mücke und Sturm gehen in der Studie "Payment matters!" vom einem künftigen Marktanteil von modernen E-Payment-Bezahlverfahren in Höhe von 35 Prozent aus. Ein höherer Marktanteil kann wiederum zu einem gestiegenen Bekanntheitsgrad und damit zu einer Steigerung des Vertrauens führen. Aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass die aktuelle Quote in Höhe von 43 Prozent in der Senkung der Kaufabbrüche noch zunehmen wird.
Bei der Zusammensetzung des Angebots an Bezahlverfahren sollte ein Gleichgewicht geschaffen werden. Zu wenig Bezahlarten führen zu Umsatzeinbußen, da viele Käufe abgebrochen werden. Für den Fall, dass zu viele Bezahlarten angeboten werden, besteht die Gefahr, dass die Gesamtkosten zu hoch ausfallen und die Gewinnmarge aufgezehrt wird. Es ist eine durchaus komplexe Optimierungsaufgabe, die richtige Mischung zu finden. Bei der Wahl der Zahlverfahren sollte zudem ein Blick auf das jeweilige Kundensegment geworfen werden. Mit der richtigen Wahl des Payment-Angebots kann es zu einer Umsatzsteigerung und Verbesserung der Conversion Rate in ihrem Online-Shop kommen, ohne dass sie dafür ihre Produkt- oder Preispolitik ändern müssten.
Quellen:
- Der Internet-Zahlungsverkehr aus Sicht der Händler: Ergebnisse der Umfrage IZH5, Sonja Rodenkirchen, Malte Krüger, Jens-Werner Hinrichs.
- Internet World Business, 05/10.
- Mücke und Sturm, Payment matters!.
Autoren:
- Sammar Keddo/ Sonja Rodenkirchen, 17.05.2010
Das Ziel eines jeden Online-Shops sollte sein, dem Kunden vom ersten Besuch des Shops bis zur Warenauslieferung einen reibungslosen und komfortablen Ablauf zu garantieren. Ist dies nicht der Fall, strafen die Kunden dies mit dem Kaufabbruch ab, die Konkurrenz ist schließlich nur einen Klick entfernt. Von vielen Branchenkennern oft thematisiert und dennoch von Online-Händlern häufig unterschätzt, ist die effiziente Gestaltung des Zahlungsprozesses. Dieser ist ein Schlüsselfaktor, will man die Kaufabbruchrate im eigenen Shop möglichst gering halten. Es gilt das Vertrauen der Kunden zu erlangen, denn im Distanzhandel ist dieses seit jeher von besonders wichtiger Bedeutung. Ebenso vertrauensbildend wirken Markennamen, so haben es Amazon, eBay und Co leichter als weniger bekannte Händler. Als Möglichkeit, das Vertrauen der Kunden auch ohne großen Namen in die jeweiligen Online-Shops zu stärken, werden bisher besonders Gütesiegel und ein optimaler Payment-Mix als Instrumente zur Vertrauensbildung eingesetzt. Der optimale Payment-Mix beschreibt eine Gradwanderung: Einerseits soll der Einsatz verschiedener Zahlarten verhindern, dass Kunden den Kauf vorzeitig abbrechen und die Zahl der Bestellungen maximieren, andererseits sollen Zahlungsausfälle minimiert werden. Als Leitlinie gilt kurz gesagt: Ehrliche Kunden nicht verschrecken, Betrüger nicht anlocken. Durch die effiziente Allokation der Zahlarten auf die Zielgruppen der Online-Shops kann diese Problemstellung gelöst werden.

Ist der Warenkorb voll, geht es an den Bezahlvorgang. Doch der Online-Shop liefert die sorgsam ausgesuchte Ware ausschließlich gegen Vorkasse. Der E-Commerce Leitfaden hat Mitte 2008 genau dieses Szenario untersucht. Das eindeutige Ergebnis, 79 Prozent der Befragten antworteten „Ich verlasse den Webshop und suche nach einem anderen Anbieter". Selbst wenn es sich um Artikel im Wert von nur 20 Euro handelt, würden 73 Prozent der Befragten den Shop verlassen. Bieten Shops jedoch alle fünf in der Grafik genannten Zahlungsarten an, so können 100 Prozent der potentiellen Kunden gewonnen werden. Dies soll keinesfalls eine Empfehlung sein, blind die genannten Zahlarten im eigenen Shop zu adaptieren. Die Gefahr des möglichen Zahlungsausfalls und die Kosten der verschieden Zahlungsarten müssen im Hinblick auf die jeweiligen Zielgruppen einer individuellen Kosten-Nutzen-Kalkulation unterzogen werden. Nicht für jeden Shop-Betreiber macht es Sinn, jegliche Zahlart anzubieten. Fakt ist, dass durch das Anbieten von mehreren Zahlungsarten die Umsatzchance erhöht wird und das Vertrauen der Kunden in den Online-Shop durch anbieten von Vorkasse als alleinige Zahlungsart signifikant geschwächt wird.
Neben der Kundenakzeptanz bestimmen die Kosten, ob ein Zahlungsverfahren für einen Online-Shop geeignet ist. Diese Kosten teilen sich in Handling- und Ausfallkosten auf. Beachtet man diese Kosten bei der Analyse alternativer Zahlungsverfahren, können auf den ersten Blick attraktive Alternativen - beispielsweise bei detaillierter Betrachtung der Handlingskosten - an Attraktivität einzubüßen. So wird von vielen Händlern die Vorkasse zu Recht als sehr ausfallsicher eingestuft, doch werden die Handlingkosten oft unterschätzt. Die von den Kunden bestellte Ware muss reserviert bleiben, während der Händler auf die Überweisung wartet. Eingehende Zahlungen müssen in vielen Fällen per Hand mit der Bestellung abgeglichen werden, bevor schließlich die Lieferung erfolgen kann. Unterschätzt wird auch, dass bei der Vorkasse Zahlungsausfälle auftreten können, wenn Kunden „per Nicht-Zahlung" von ihrem Kauf zurücktreten. Als Gegenbeispiel wird die Zahlung per Kreditkarte von vielen Händlern als teuer eingestuft. Hierbei sind die Handlingskosten, abgesehen von den fälligen Gebühren, jedoch geringer als bei Vorkasse. Zudem ist die Ausfallsicherheit sehr hoch, wenn diese beispielsweise mit Risikomaßnahmen wie 3D-Secure (Siehe Praxisbeispiel: 3D-Secure in der Praxis) kombiniert werden. Das von den Banken geforderte Disagio für ein Kreditkarten-Clearing beträgt je nach Umsatz und Risiko des Shops zwischen drei und fünf Prozent. Händler lassen sich von den Kosten abschrecken, doch die niedrige Zahlungsausfallwahrscheinlichkeit macht die Kreditkarte zu einem der sichersten Zahlungsarten überhaupt.
Quelle: Leitfaden für Shop-Einsteiger; shopanbieter.de, 2009
Laut einer Studie des Ossnabrücker Inkassounternehmen Mediafinanz ziehen etwa sechs bis zehn Prozent aller Onlineeinkäufe Zahlungsstörungen nach sich. Interessant für Shop-Betreiber ist die Abhängigkeit der Ausfallquote von den Produktkategorien: So ist die Elektronikbranche besonders häufig von Betrugsfällen betroffen, während Kategorien mit primär weiblicher Kundschaft, wie Mode und Kosmetik, eine geringere Ausfallquote haben. Fast jede zehnte Rechnung wird in der Elektronikbranche nicht fristgerecht bezahlt. Insbesondere für kleine Unternehmen heißt dies, Zahlungsverfahren mit besonders hoher Betrugsrate (wie z.B. Lastschriftbestellung und Rechnung) bedacht einzusetzen. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Risikomamangement (Siehe Risikomanagement im E-Commerce) ist für Online-Shops seit jeher von Bedeutung. Aufgrund der Online zur Verfügung stehenden Daten, kann durch die Erstellung von Nutzerprofilen das Risiko gut prognostiziert und signifikant eigeschränkt werden. Kundenprofile werden zwecks Verbesserung der Marketingmaßnahmen von nahezu jedem Online-Shops erstellt, doch nur wenige Unternehmen nutzen diese zur Verfügung stehenden Daten zur Erstellung von "Schuldnerprofilen".
Den richtigen Payment-Mix für das eigene Unternehmen zu finden, stellt eine ständige Gradwanderung dar. Welche Zahlungsverfahren Unternehmen einsetzten sollten, ist Abhängig von der eigenen Zielgruppe, Branche, Produktgruppe und von den mit den Zahlungsverfahren verbundenen Kosten. Eine ständige Analyse des Zahlungsverhaltens der eigenen Kunden zwecks Risikomamangement hilft, die Trade-Off-Entscheidung zwischen den von Kunden beliebten und den für Händler sicheren Zahlungsverfahren zu treffen. Um Zahlungsausfälle zu analysieren, sollten Online-Shops die durch den Online-Kauf zu Verfügung stehenden Daten sorgfältig nutzen: Sie können Profile potenzieller Schuldner erstellen und darauf basierend das Angebot der Zahlungsverfahren anpassen. Zur Sicherung des Zahlungseingangs ist alternativ eine häufig genutzte Lösung, dass risikoreiche Zahlungsverfahren kundenindividuell freigeschaltet werden - abhängig von der Anzahl der Einkäufe. Erst treue Kunden kommen dann in den Genuss, Ware auf Rechnung oder per Lastschrift zu bestellen. In diesem Fall bleibt jedoch das Risiko bestehen, dass potenzielle Kunden erst gar nicht zu treuen Kunden werden.
Quellen:
- Leitfaden für Shop-Einsteiger; shopanbieter.de, 2009.
- Die Landkarte der Schuldner, Internet World Business, Mai 2009.
- ibi research (Erfolgsfaktor Payment 2008) / E-Commerce-Leitfaden 2009
Autoren:
Durch eingeschränkte Zahlungsmöglichkeiten sowie nicht verfügbare Sprachen schließen die meisten Händler internationale Kunden aus. Dabei besitzen Reseller durchaus das Potential, im Ausland erfolgreich zu sein. Zur Grundausrüstung eines international aufgestellten Shops gehören mindestens - meist Englisch - neben der des Landes, in dem der Shop angesiedelt ist. Zudem wäre eine klare Aufstellung der für die Auslandslieferungen anfallenden Versandkosten, verbunden mit einem Hinweis auf eventuell anfallende Zölle oder sonstige Einfuhrgebühren, wünschenswert. Mit den angebotenen Zahlungsmöglichkeiten steht und fällt jedoch ihr Absatz ins Ausland:
- Kreditkarte
Die Kreditkarte ist zwar die teuerste Lösung der Zahlungsabwicklung, jedoch im internationalen Umfeld das für den Käufer einfachste und damit das wichtigste Zahlungsverfahren. Shop-Betreiber benötigen einen externen Dienstleister (Acquirer), der die Zahlungen abwickelt. Der Acquirer berechnet zwischen drei und sechs Prozent Provision des abgerechneten Umsatzes für sich, das lohnt sich meist nur für größere Shops. Entscheidend für den Preis ist außerdem, welche Kreditkarten akzeptiert werden. Aus Kostengründen empfiehlt es sich, zu Beginn nur Visa und Mastercard zu akzeptieren, die beide nur drei bis vier Prozent Provision berechnen. Acquirer für Kreditkartenzahlungen sind bspw. ConCardis, B+S und Citycorp.
- Zahlung per Vorkasse
ist im internationalen Umfeld nur begrenzt anwendbar, aber innerhalb der EU die günstigste Möglichkeit für den Online-Händler, an sein Geld zu kommen. Hier entstehen auch keine Kosten für die Abwicklung der Zahlung. Bei Käufern ist diese Zahlungsart dagegen nicht beliebt, da der Kunde zum einen in Vorleistung gehen muss und zum anderen sich die Lieferung so lange verzögert, bis beim Verkäufer das Geld angekommen ist. Andererseits muss der Händler die Ware bis zum Zahlungseingang vorhalten, dies erhöht eventuell die Kosten der Lagerhaltung. Für die Überweisung aus EU-Ländern sollte unbedingt der BIC (Bank Identifier Code) und die IBAN (International Bank Account Number) angegeben werden. Zugeschickte Zahlungsbelege sollten nicht als Zahlungsnachweis akzeptiert werden, sondern es sollte bis zum Zahlungseingang mit dem Verschicken der Ware abgewartet werden.
- Zahlung per Nachnahme
ist bedeutend besser beim Kunden akzeptiert, allerdings auch teurer und mit höheren Risiken verbunden. Denn bei Verweigerung der Annahme der Bestellung durch den Kunden bekommt der Händler zwar seine Ware zurück, bleibt jedoch auf den Kosten für Porto und Geldübermittlung sitzen. Zudem kann die Überweisung vom Ausland aufs eigene Konto je nach Land bis zu drei Wochen dauern. Insbesondere für Neukunden ist diese Zahlungsart natürlich empfehlenswert, allerdings sollten die Kunden auf die damit verbundenen und von ihnen zu tragenden Kosten im Voraus informiert werden.
- Zahlung per Rechnung
sollte nur Stammkunden mit guter Zahlungsmoral angeboten werden, denn laut Pago-Studie bezahlen 12,5 Prozent der Schuldner ihre Rechnungen nicht. Zum Verlust der Ware kommen noch Kosten für Verwaltung, Mahnungen, Prozesse und Rechtsbeistand. Dagegen ist die Möglichkeit, per Rechnung zu zahlen, aber auch ein probates Mittel zur Kundenbindung.
- eBay & PayPal
eBay bietet seit Ende 2004 auch deutschen Händlern die Möglichkeit, ihre Waren via PayPal zu verkaufen und abzurechnen. Paypal bietet zwei Kontotypen an, die Nutzung des Basiskontos ist weitgehend kostenlos, die Nutzung des Premium-Kontos ist an Provisionen geknüpft, bietet aber auch die Möglichkeit, Kreditkartenzahlungen anzunehmen, und ist daher besonders für Powerseller interessant. Die Gebühren sind zwar relativ hoch, bewegen sich aber noch deutlich unter den Gebühren für normale Acquirer-Dienstleistungen.
Quelle:
- IW internet world, 12/2004, S. 36-38.
Bei Sofortzahlungsverfahren im Internet wie z.B. mit der ec-Karte gibt der Kunde dem Händler eine umfassende Zahlungsgarantie. Im Gegenzug muss der Händler dazu verpflichtet werden, eine ebenso umfassende Rückzahlungsgarantie zu gewährleisten, die dem Kunden im Falle einer Auflösung des Vertrages garantiert, dass er sein Geld zurück bekommt. Oftmals scheuen Kunden aus Kostengründen den Gang zum Gericht, wenn ein Händler den Rechnungsbetrag nicht zurückzahlt, oder der Händler ist mit dem Geld des Kunden bereits über alle Berge. Die Widerrufs- und Rückgaberegelungen des Fernabsatzgesetzes können in derartigen Fällen Probleme bei der praktischen Durchsetzung der Rückzahlung nicht verhindern.
Aus diesen Gründen wurde vom Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit dem nordrhein-westfälischen TÜV ein Vertrauenssiegel für Online-Händler entwickelt, das anhand verschiedener Kriterien prüft, ob ein Händler ausreichend Kunden- und Rückzahlungsschutz gewährleistet. So wird u.a. garantiert, dass bei Vertragsauflösung eine Rückzahlung innerhalb von 14 Tagen erfolgt. Dieses Vertrauenssiegel ist bei der Vielzahl und Vielfalt der Online-Händler ein wichtiges Signal für den Kunden, dass er dem Händler vertrauen kann.
Quelle:
- Ketterer, Karl-Heinz/Stroborn, Karsten: Handbuch e-payment - Zahlungsverkehr im Internet: Systeme, Trends, Perspektiven, Fachverlag Deutscher Wirtschaftsdienst, Köln, 2002, S. 38f. und S. 98f (2003)
Bei einer Befragung von Berlecon Research gab fast die Hälfte der Online-Händler an, schon mehrmals schlechte Erfahrungen mit nicht bezahlten Rechungen, falschen Kontonummern oder ungedeckten Konten gemacht zu haben. Eine andere Studie, bei der Experian 800 Unternehmen, die das Internet als Vertriebsweg nutzen, befragte, kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten Online-Händler nach wie vor ohne effektive Online-Schutzmechanismen arbeiten. Betrugsprävention steht nur bei wenigen Unternehmen auf der Tagesordnung. So gab fast die Hälfte der befragten Unternehmen an, dass sie keine externen Datenquellen nutzen, um die Adressangaben ihrer Kunden zu verifizieren. Darüber hinaus kommt die Experian-Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Online-Betrugsfälle meist viel zu spät bemerkt werden.
Mittlerweile stehen eine Reihe von Systemen zur vollautomatischen Authentifizierung von Karteninhabern bzw. für eine Adress- oder Bonitätsprüfung zur Verfügung. Wie unterscheiden sich diese Verfahren des Risiko-Managements und wo bietet sich ihr Einsatz an?
Adressprüfung:
Der einfachste und auch kostengünstigste Weg, die Anzahl von Scherzbestellungen bzw. Lieferretouren aufgrund von gewollten oder ungewollten Tippfehlern zu minimieren, ist der Einsatz von Adressprüfungsverfahren. Vor allem bei Web-Angeboten, die sich an ein weit gestreutes Publikum wenden, kommt es immer wieder vor, dass Test-Bestellungen an fiktive Adressen ausgelöst werden. Wenn Liefer-, Rechnungs-, Wohn- bzw. Geschäftsadresse übereinstimmen, sinkt das Verlustrisiko des Händlers, da Forderungen leichter einzutreiben sind und Wohnungswechsel eher unwahrscheinlich sind. Problematisch sind hingegen Aufträge, die z.B. an Hoteladressen geliefert werden, da Kundeninformationen falsch sein können, die Zahlung gegen Rechung ist in diesem Fall eher ungeeignet.
Bonitätsprüfungen und Scoring:
Der überwiegende Teil der Online-Kunden bezahlt am liebsten per Rechnung. Wird diese Zahlungsmethode nicht angeboten, folgt nicht selten der Weg zur Konkurrenz mit der gewünschten Zahlungs-Option. 72 Prozent aller Online-Käufer haben bereits im Internet auf Rechnung bestellt. Danach folgt mit 47 Prozent die Bestellung per Lastschrift. Die beiden beliebtesten Zahlungsvarianten beinhalten jedoch auch einige Risiken. Lastschriften können ohne größere Umstände widerrufen werden und die Zahlungsmoral bei Lieferung auf Rechung lässt oft zu wünschen übrig. Doch auch der ehrliche Kunde besteht oft auf das Prinzip: Lieferung gegen Rechnung. Wie lässt sich die Ausfallquote minimieren, ohne dabei auf das Angebot der beliebten Zahlungsmethoden zu verzichten? Bonitätsprüfungen versprechen hier Hilfe. Bei ihnen werden meist die Datenbanken der größeren Wirtschaftsauskunftsdienste wie etwa Schufa oder Creditreform zu Rate gezogen. Es wird dann dort abgefragt, ob über den Geschäftspartner Negativinformationen (z.B. läuft gegen die entsprechende Person ein Mahnverfahren oder hat die Firma einen Insolvenzantrag gestellt?) zum Zahlungsverhalten vorliegen. Da die Kosten für Bonitätsabfragen in der Regel im niedrigen einstelligen Euro-Bereich liegen, ist dies jedoch ein recht kostspieliges Vorgehen, das sich erst ab Bestellsummen von über 100 DM lohnt. Als günstiger erweisen sich hier Scoringverfahren, bei denen der Kunde in so genannte Risikoklassen eingestuft und bewertet wird. Informationen zum Wohnumfeld, zur Wohnlage sowie der wahrscheinlichen Kreditwürdigkeit helfen dabei, das Risiko von Zahlungsausfällen zu verringern.
Dienstleister als Lösung?
Warum sich selbst mit falschen Adressen oder säumigen Kunden herumschlagen? Dies fragen sich zunehmend mehr eTailer und beschreiten den Weg des Outsourcings der gesamten Zahlungsabwicklung. Mittlerweile tummeln sich eine Vielzahl von Unternehmen am Markt, die darum buhlen, die vollständige Zahlungsabwicklung zu übernehmen. Die Leistungspakte stellen sich dabei recht unterschiedlich dar. Von der Unterstützung der eigenen Zahlungsaktivitäten bis hin zur Gesamtabwicklung ist nahezu alles möglich, jedoch nicht wirklich alles nötig. So erteilt Berlecon Research den Ratschlag, dass Händler genau kalkulieren sollten, welche Preise welchen eingesparten Prozesskosten gegenüber stehen. Letztendlich sollte jeder Online-Händler, nicht zuletzt aufgrund der bereits gemachten Erfahrungen, selbst am besten einschätzen können, welcher Grad an Sicherheit zu welchem Preis für das eigene Geschäft angemessen erscheint.
Während Experten wie Andreas Stefanis, Marketingleiter bei Pago, davon ausgehen, dass der Anteil an Zahlungsausfällen bei Online-Bestellungen teilweise bei bis zu 30 Prozent liegt, sollte das Ziel eines jeden Unternehmens die Begrenzung der Zahlungsausfälle auf maximal 1,5 bis 3 Prozent sein.
Quelle:
- ECIN: Robben, Matthias: Bonus durch Bonitätsprüfung & Co.; Ketterer, Karl-Heinz/Stroborn, Karsten: Handbuch e-payment - Zahlungsverkehr im Internet: Systeme, Trends, Perspektiven, Fachverlag Deutscher Wirtschaftsdienst, Köln, 2002, S. 310f
Unternehmen können in vielerlei Hinsicht von einer elektronischen Abwicklung der Zahlungsvorgänge profitieren:
- Höhere Effizienz:
Dort, wo E-Payment in bestehende Prozesse eingebunden wird, führt dies zu einer höheren Effizienz der Geschäftsabläufe. Durch eine durchgängig elektronisch abgewickelte Transaktion können zudem viele Fehlerquellen beseitigt werden. Das Tempo spielt aber auch für viele Konsumenten eine große Rolle. Dauert der Zahlungsvorgang zu lange, besteht die Gefahr, dass sie per Mausklick den nächsten Händler aufsuchen. - Niedrige Transaktionskosten:
Die Transaktionskosten einer elektronischen Zahlung liegen meist um ein Vielfaches niedriger als bei der Verwendung von Rechnungen oder Nachnahmen. Hier geht es vor allem um die administrativen Kosten. Zudem wird durch eine (nahezu) zeitgleiche Abwicklung von Lieferung und Bezahlung weniger Kapital gebunden. - Weniger Zahlungsausfälle:
Traditionelle Zahlungssysteme, die durchaus zur Bezahlung im Internet angewendet werden können, sind mit einer relativ hohen Gefahr von Zahlungsausfällen entweder durch Bonitäts- und Plausibilitätsprüfungen oder durch Vorauskasse um ein Vielfaches zu senken, evtl. sogar ganz zu vermeiden. - Höhere Umsätze:
Einfache E-Payment-Konzepte erleichtern E-Shopping und erhöhen dadurch den Umsatz. Bei Unternehmen, die verschiedene Bezahlarten anbieten, können Kunden immer diejenige Zahlungsmethode wählen, die ihnen am angenehmsten und sichersten erscheint. Bezahlkomfort und Bezahlsicherheit werden zum wichtigsten Element der Kundenbindung. Dazu gehört auch, dass ein Unternehmen, das global arbeitet und weltweit erreichbar sein will, alle gängigen Währungen akzeptiert. Gerade auch darum sollten sich universelle E-Payment-Angebote dadurch auszeichnen, dass sie einen Wechselkurs-Umrechner anbieten, da man von einer internationalen Klientel ausgehen kann.
Quelle:
- e-f@cts, 04/2003, S. 3.