Erfolgreiche Umsetzung der Kundenbindung
Conversion - Vom Shop-Besucher zum
Neukunden
Wie bewege ich neue Besucher zu einem Erstkauf? Dieser wichtigen
Frage der Conversion von Website-Besuchern sehen sich
Online-Händler gegenüber, die zwar einen erfolgreichen
und möglicherweise sogar vielbesuchten Internet-Auftritt
erstellt haben, aber trotzdem nur niedrige Kundenzahlen
erreichen.
Durchschnittlich können nur etwa 7 % der Besucher eines
Online-Shops als Erstkunden gewonnen werden (Quelle: McKinsey &
Co., 2001). Ein möglicher Grund für diese recht geringe
Quote liegt darin, dass immer noch viele Internet-Nutzer dem
Online-Kauf gegenüber skeptisch stehen, z. B.
wegen Unsicherheiten hinsichtlich der Zahlungsabwicklung oder des
Datenschutzes. Darum gehören zur eigentlichen Zielgruppe eines
Online-Shops nur die Online-Shopper, zu denen etwa 50 % der
Internet-Nutzer zählen.
Nur wenn ein Shop positiver als die Konkurrenz, die auch aus dem
stationären Handel stammen kann, wahrgenommen wird,
entscheidet sich ein Kunde für den Online-Einkauf.
Gegenüber dem stationären Handel sehen Online-Shopper die
Vorteile vor allem in folgenden Punkten, die gleichzeitig
Ansatzpunkte für eine Profilierung darstellen:
1. Ladenöffnungszeiten: Eine 24-stündige
Erreichbarkeit des Online-Shops bedeutet noch nicht, dass ein Kunde
bei Problemen auch den Kundenservice (online oder per Telefon) rund
um die Uhr erreichen kann. Möglicherweise empfiehlt sich hier
der Rückgriff auf ein professionelles Call Center.
2. Bequemlichkeit: Hilfreich kann es sein, wenn
der Online-Händler versucht, alle Einkaufsschritte aus der
Perspektive des Kunden nachzuvollziehen und zu prüfen, ob
wirklich ein stressfreier und bequemer Einkauf ermöglicht
wird. Entscheidend kann es sein, dass der Kunde die
gewünschten Produkte möglichst schnell findet. Dazu
bedarf es übersichtlicher Seitengestaltung und einer
leistungsfähigen Suchfunktion. Auch das Vorhandensein
unterschiedlicher Zahlungsmöglichkeiten sowie Lieferservices
(z. B. Express) kann den entscheidenden Vorteil verschaffen.
3. Produktvielfalt: Prinzipiell könnte die
Produktvielfalt in einem Online-Shop unbegrenzt sein. Allerdings
ist zu beachten, dass ein sehr breites und tiefes Sortiment oftmals
lange Lieferfristen zur Folge hat.
4. Preisgünstigkeit: Für viele
Online-Shopper ist Preisgünstigkeit ein zentrales Kriterium.
Laut einer Untersuchung des E-Commerce-Center Handel sind nur 6 %
der befragten Konsumenten bereit, höhere Preise als in einem
stationären Geschäft hinzunehmen. Im Gegenteil erwarten
50 % sogar, dass die Preise niedriger ausfallen.
Quelle: Dach, Christian: Konsumenten gewinnen und binden im
Internet, in: Global Company (Hrsg.): E-Business & M-Business,
Köln 2001, S. 57-63.
Virtual Communities zur Unterstützung des
E-CRM
Die Implementierung einer eigenen Virtual Community durch ein
Unternehmen kann das E-CRM in allen Phasen des
Kundenbeziehungsprozesses nachhaltig verbessern. In einer
Virtual Community kommen Nutzer mit ähnlichen
Interessen und Bedürfnissen zusammen, um sich mit dem
Ziel der Gemeinschaftsbildung und des Gedankenaustausches online zu
treffen.
Dabei steht ein zentrales Thema, der sogenannte Themenfokus, im
gemeinsamen Mittelpunkt. Zu diesem werden eine Vielzahl von
Informationen geboten. Zusätzlich gibt es zahlreiche
Interaktionsmöglichkeiten, z. B. eigene Erfahrungen und Wissen
über E-Mail oder Newsgroups einfließen zu lassen. Daraus
entwickelt sich ein Netzwerk aus persönlichen Beziehungen, das
die Mitglieder an andere Nutzer und damit an die Community
bindet.
Durch die Tatsache, dass die Mitglieder einer Virtual Community
ähnliche Interessen und Präferenzen vorweisen, ist es
möglich, die Kaufkraft in homogene Zielgruppen zu
bündeln. Eine effiziente Identifikation potenzieller Kunden im
Rahmen des Kontaktprozesses wird somit erleichtert und
Streuverluste minimiert.
Durch das Entstehen einer Community werden bei den Mitgliedern in
der Regel erhebliche Vertrauenspotenziale
aufgebaut, die schließlich auch auf den Anbieter
übertragen werden können. Für das Unternehmen bieten
sich Möglichkeiten, mit relativ wenig Aufwand
Rückschlüsse auf Interessen und Präferenzen der
Nutzer zu ziehen. Marketingbotschaften können so vielfach
spezifischer und individualisierter ausgestaltet werden.
Schließlich ergeben sich auch Möglichkeiten für
Mund-zu-Mund-Propaganda sowie
Cross-Selling-Potenziale innerhalb der Community. Durch
geäußerte Kritik erhält das Unternehmen die
Möglichkeit, Schwachstellen im eigenen Leistungsangebot
ausfindig zu machen und kundengerecht auszubessern.
Quelle: Wirtz, Bernd K.: Kundenbindung durch E-Customer
Relationship Management, in: Bruhn, M./Homburg, C. (Hrsg.):
Handbuch Kundenbindungsmanagement, 4. Aufl., Wiesbaden 2003, S.
379-381.
Ursachen und Konsequenzen für die
Kundenbindung
Erfolgreiche Kundenbindung ist auf faktische und
psychologische Ursachen zurückzuführen. Bei
einer psychologischen Bindung empfindet der Kunde
eine Verbundenheit mit dem Unternehmen. Damit Kunden
zufrieden mit dem Angebot sind und darüber zu
Stammkunden werden, ist das gesamte Leistungsspektrum des
Unternehmens auf seine Kundenorientierung hin zu
überprüfen. Dabei spielt E-Commerce eine große
Rolle, um individuelle Kundenpräferenzen zu
berücksichtigen. Beim One-to-One Marketing werden
Informationen über den einzelnen Kunden gespeichert und
Angebote daraufhin auf seine Wünsche, Kaufgewohnheiten und
Vorlieben abgestimmt. Damit der Kunde Informationen über sich
preisgibt, ist ein großes Vertrauen zu dem
Unternehmen notwendig. Bedenken bezüglich der Verwendung
persönlicher Daten und der Übermittlung von Zahlungsdaten
sind dabei durch die große räumliche Distanz im
E-Commerce besonders ausgeprägt. Mit dem Anbieten von
Zahlungsarten, die aus Sicht der Kunden sicher sind, wie zum
Beispiel der Rechnung, kann ein Unternehmen mögliche
Sicherheitsbedenken umgehen. Allerdings wird auch die Bezahlung mit
Kreditkarte von immer mehr Internet-Nutzern als sicher angesehen
und mindert für Unternehmen das Risiko des Zahlungsausfalls.
Auf das sowieso gesetzlich vorgeschriebene 14-tägige
Rücktrittsrecht sollte ein Unternehmen explizit eingehen, um
mögliche Zweifel des Kunden an der Qualität des Produktes
im Vorfeld auszuräumen. Schließlich können
unbekannte Online-Shops mit einem Gütesiegel von einer meist
unabhängigen Institution, wie zum Beispiel
EuroHandelsinstitut, Gerling oder Tüv, signalisieren, dass
bestimmte Standards bei der Online-Transaktion eingehalten
werden.
Wenn sich ein Unternehmen durch ein solches aktives
Beziehungsmanagement die Loyalität des Kunden erarbeitet hat,
ist dieser nicht mehr so empfänglich für
Konkurrenzangebote. Bei einem Wechsel verspürt er Kosten in
Form einer endenden Beziehung zu dem Unternehmen, die ihm wichtig
ist. Während psychologische Bindungen "immateriell" sind,
können faktische Bindungen auch materielle
Kosten verursachen, die den Kunden möglicherweise von einem
Wechsel abhalten. Neben der vertraglichen Bindung
setzen Unternehmen dabei vor allem auf die ökonomische
Kundenbindung. Durch Kundenkarten erfährt der Kunde
Vergünstigungen, auf die er bei einem Wechsel zu einem anderen
Anbieter verzichten müsste. Progressive Rabattstaffelungen,
Prämien für gesammelte Einkaufspunkte oder
Sonderaktionen, wie E-Coupons versüßen dem Kunden
längst auch im Internet den Einkauf. Ökonomische
Bindungsmaßnahmen im E-Commerce können dabei
vielfältig sein: Netzwerke mit anderen Online-Unternehmen oder
Verknüpfungen über unterschiedliche Kanäle haben
aber immer die gleiche Zielsetzung: Den Wechsel zum
Konkurrenten aus Sicht des Kunden zu erschweren.
Erwünschter Nebeneffekt dabei ist, dass durch ein großes
Netwerk gleichzeitig neue Kunden gewonnen und wiederum an das
Unternehmen gebunden werden können.
Konzept des eCRM
Mit dem Management von Kundenbeziehungen auf elektronischem Wege
können eine Vielzahl von (attraktiven) Kunden im Internet
individuell betreut werden. Elektronische Medien sollten dabei in
die Analyse, Planung und Steuerung von Online- und
Offline-Aktivitäten miteinbezogen werden. Electronic Customer
Relationshipmanagement (eCRM) bedeutet daher für den
E-Commerce die Möglichkeit, eine stärkere
Kundenorientierung zu verwirklichen. Kundenbindung
setzt dabei an unterschiedlichen Stellen des Unternehmens an,
weshalb ein integrativer Ansatz des eCRM
geboten ist. Informationen über den Kunden sollen aus allen
Bereichen des Unternehmens zusammengeführt werden und in einer
individuellen Kundenausrichtung münden. Die Kundenbindung
über das Internet umfasst die Sortiments-, Preis-, und
Kommunikationspolitik und stellt besondere Anforderungen an
die Website-Gestaltung (Front End-Politik).
Instrumente der Online-Kundenbindung
Um Zusatzkäufe schnell und kundengerecht anzuregen, werden
Produkte aus dem Sortiment begleitend zum Kauf angeboten. Bei
diesen Verbundangeboten kann es sich um
(sach-)verwandte Produkte, Produkte, die von anderen Käufern
mit ähnlichem Kaufverhalten häufig bestellt werden,
Mengenrabattstaffelungen und viele weitere Varianten handeln. Mit
exklusiven Produktangeboten können treue
Kunden und attraktive Kundengruppen eng an das Unternehmen gebunden
werden. Innovationen und hochwertige Produktvarianten, die im
offenen Handel nicht erhältlich sind, steigern dabei die
Kundenloyalität. Schließlich können im E-Commerce
auch Massenprodukte individuell variiert werden,
so dass der Kunde ein Produkt in der gewünschten Kombination
von auswählbaren Elementen erhält.
Während Rabattsysteme auf Preisvorteile durch
häufige Wiederkäufe setzt, belohnen
Prämiensysteme den treuen Kunden mit
Geschenken. E-Coupons sind Gutscheine, die oft
auch auf anderen Kanälen, wie dem stationären Handel,
eingelöst werden können.
Newsletter und andere Informationen, die mit
Erlaubnis des Kunden zugesandt werden (Permission
Marketing), geben ständige Kontakt-Impulse und sollen
den häufigen Besuch der Website des Anbieters anregen. Um mit
seinem Angebot nicht zwischen lauter Spam-Mails unterzugehen, sind
die Botschaften möglichst persönlich zu halten und
tatsächlich nur Informationen an den Adressaten zu senden, die
ihn wirklich interessieren. Im Idealfall fühlt sich der Kunde
auch beim E-Commerce so individuell beraten wie beim
Face-to-Face-Kontakt. Bei dieser One-to-one
Kommunikation ist auf ein Gleichgewicht zwischen
persönlicher Betreuung und Rationalisierungspotential durch
vorgefertigte Antwort-Vorlagen etc. zu achten. Virales und
kooperatives Marketing setzen auf die kostengünstige
Verbreitung von Informationen im Internet. Während virales
Marketing Botschaften des Unternehmens so interessant darbietet,
dass sie im Sinne einer Mund-zu-Mund-Propaganda von Empfänger
an Empfänger weiter versandt werden, handelt es sich beim
kooperativen Marketing um Zweckgemeinschaften mehrerer nicht
miteinander konkurrierender Unternehmen. Obwohl es auch einige
Kundenkarten gibt, die nur für den
Online-Einsatz gedacht sind, vereinen die meisten mehrere
Kanäle gleichzeitig. Zusätzlich Services, wie
Kreditkartenfunktion etc. sollen den Zusatznutzen für den
Kunden weiter steigern.
Auch mit der Website-Gestaltung können Kunden
enger an das Unternehmen gebunden werden. Individuelle
Ansprache des Kunden und das Angebot von
personalisierten Inhalten tragen mit dazu bei,
dass sich der Kunde mit dem Unternehmen verbunden fühlt. In
Virtuellen Communities kann er Gleichgesinnte
finden und die Internet-Präsenz des Anbiters zum festen
Treffpunkt für soziale Kontakte machen. Mit Gewinnspielen,
Preisausschreiben und anderen Online-Events im
Internet können außerdem bereits bestehende Kunden
geködert werden, häufiger die Website zu besuchen.
Quellen:
Eggert, Andreas/Fassott, Georg: Elektronisches
Kundenbeziehungsmanagement (eCRM), in: Eggert, Andreas/Fassott,
Georg (Hrsg.): Electronic Customer Relationship Management,
Stuttgart 2001, S.1-11.
Fassott, Gregor: eCRM-Instrumente: Ein beziehungsorientierter
Überblick, in: Eggert, Andreas/Fassott, Georg (Hrsg.):
Electronic Customer Relationship Management, Stuttgart 2001,
S.145-151.
Dach, Christian: Kunden gewinnen und binden im Internet, in: Global
Company(Hrsg.): E-Business & M-Business, Köln 2001,
S.49-67.
Hudetz, Kai/Duscha, Andreas/Wilke, Kai: Kundenbindung über das
Internet: Ergebnisse einer empirischen Studie, in:
E-Commerce-Center Handel (Hrsg.): Ausgewählte Studien des ECC
Handel, Bd. 9, Köln 2004, S.15.
