Ergebnisse des RFID-Projektes von IfH Köln und VLB Berlin
Das Institut für Handelsforschung an der Universität zu Köln (IfH) und die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin (VLB) führten gemeinschaftlich ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördertes Forschungsprojekt durch. Inhaltlich ging es in diesem Projekt um den Einsatz der Radiofrequenztechnologie zu Identifikationszwecken (RFID) zur Optimierung der Prozesse in der Produktions-, Distributions- und Lagerlogistik. Im Fokus standen dabei die Nutzenpotenziale für kleinere und mittlere Unternehmen der Konsumgüterbranche, insbesondere für den Einzelhandel.
Wichtiger Bestandteil des Projektes war ein Feldversuch, in dem überprüft wurde, inwiefern die aus der Theorie abgeleiteten Thesen auch praktisch umsetzbar sind und ob die prognostizierten Einsparpotenziale erreichbar erscheinen. Für diesen Versuch konnten die Privatbrauerei Gaffel Becker & Co. sowie drei Einzelhändler, die der Rewe-Gruppe angeschlossen sind, als Projektpartner gewonnen werden.
Hier finden Sie eine Übersicht der im Folgenden dargestellten Abschnitte:
- Projektziele,
- Beschreibung des Projektes,
- Technische Details zum Feldversuch,
- Projektpartner,
- Informationsmaterialien und Downloads.
Projektziele
Viele große Handelsunternehmen und Hersteller von Konsumgütern befassen sich zur Zeit mit dem Einsatz von RFID zur Optimierung ihrer Prozesse. Warum war also gerade dieses Projekt notwendig, und wo lagen die Ziele des Projektes? Die folgende Auflistung soll einen Überblick geben:
- Optimierung der Wertschöpfungskette (Supply Chain),
- Nutzen und Möglichkeiten für ECR im Mittelstand,
- Sinnvoller Einsatz bei welchen Warengruppen,
- Vergleich verschiedener Systeme,
- Erarbeitung eines Kriterienkataloges für RFID-Projekte,
- Wirtschaftlichkeit: Kosten-Nutzen-Potenziale,
- Optimierung der Qualitätssicherung.
Neben den sieben genannten Zielen wurde erwartet, dass im Verlauf des Projektes eine Vielzahl von praktischen Erkenntnissen und Erfahrungen gesammelt werden kann. Da die Anwendung von RFID in der Konsumgüterbranche noch recht jung ist, war es äußerst wichtig, mehr über technische Möglichkeiten und Grenzen zu erfahren, um nicht in eine zu große Euphorie oder eine Art Hype zu verfallen.
Neben den technischen und wirtschaftlichen Überlegungen stehen auch Fragen des Datenschutzes für Unternehmen und Verbraucher im Mittelpunkt des Interesses. Hier sollte in Workshops aufgeklärt und diskutiert werden.
Beschreibung des Projektes
Die Studie sollte umfassend klären, welche Implikationen diese neue Technologie für Hersteller- und Handelsunternehmen der Konsumgüterbranche und speziell für den mittelständischen Einzelhandel mit sich bringen.
Um konkrete Aussagen zu formulieren und Ergebnisse präsentieren zu können, wurden folgende Schritte im Rahmen einer Studie bearbeitet.
- Einführung und Technologie-Beschreibung von RFID,
- Analyse der Einsatzmöglichkeiten von RFID in konsumgüterorientierten Unternehmen,
- Feldversuch entlang der Wertschöpfungskette,
- Übertragung der aus dem Feldversuch gewonnenen Erkenntnisse,
- Fazit.
Der Feldversuch stellte einen wesentlichen Teil des gesamten Projektes dar. Um die technischen Eigenschaften von RFID besser einschätzen und beurteilen zu können, wurden exemplarisch Bierkästen mit Transpondern ausgerüstet und an verschiedenen Punkten der Supply Chain (insbesondere in Lebensmitteleinzelhandel) erfasst. Aus den Daten des Feldversuches ließen sich Rückschlüsse auf Kosten-Nutzen-Potenziale der RFID-Technologie, auch für andere Warengruppen, ableiten.

Abbildung: Szenario des Feldversuches
(Brauerei / Lebensmitteleinzelhandel)

Abbildung: Aufbau eines idealtypischen Ladenlokals im LEH
Technische Details zum Feldversuch
Die Transponder
Für den Feldversuch kommt ein Transpondersystem zum Einsatz, welches bei einer Frequenz von 13,56 MHz arbeitet. Die Transponder entsprechen dem ISO 15693 Standard und arbeiten mit einem Philips i-Code Chip. Da es sich bei den Getränkekästen um Mehrweggebinde handelt, werden die Transponder fest am Kasten angebracht, um jedem Kasten eine individuelle Kennzeichnung zu geben.
Lesegeräte und Antennen
Um die Kästen an den Prozesspunkten zu erfassen, kommen so genannte Long-Range-Reader der Firma Scemtec zum Einsatz. Die Antennen wurden je nach Anwendung in ihrer Bauform speziell angepasst. Die maximale Reichweite des Systems liegt bei ca. 1,5 Metern (Gateantenne). Die Umgebungsbedingungen und das Handling der Kästen ist an den einzelnen Prozesspunkten so unterschiedlich, dass keine Standardantenne verwendet werden kann.
Datenerfassung
Die Umlaufdaten werden über eine Software in mehreren dezentralen Datenbanken gespeichert (stand alone PCs). Dabei arbeitet das System zur Transpondererfassung unabhängig von Warenwirtschaftssystemen oder Lagerverwaltungssystemen. Lediglich in der Brauerei ist eine Anbindung an das Steuerungssystem der Abfülllinie notwendig. Die Daten der einzelnen Prozesspunkte können dann so ausgewertet werden, dass sich ein geschlossener Kreislauf für die Getränkekästen ergibt.
An dieser Stelle wird noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nur Daten aus den Getränkekästen, aber keinerlei Daten der Konsumenten erfasst werden. Das System dient der Optimierung der Mehrweglogistik, nicht der Analyse des Konsumenten.
Weitere Informationen zur Transpondertechnik allgemein finden Sie auch auf den Seiten des VLB-Transpondertechnikums.
Projektpartner
Für die Durchführung des Feldversuches konnten folgende Unternehmen als Projektpartner gewonnen werden:
Lieferanten bzw. Systemintegratoren für die Software und Hardware des Feldversuches sind die Firmen
- DTE Automation, Herford,
- TBN Identifikation und Netzwerke, Hilden,
- Schreiner Logidata, Hückelhoven.
Informationsmaterialien und Downloads
An dieser Stelle haben wir für Sie einige ausgewählte Informationsmaterialien des Projektes, wie z. B. die Management Summary der Ergebnisse, zur Verfügung gestellt.
Berichtsband RFID - Management Summary.pdf
Adobe Acrobat Dokument [252.4 KB]
rfid-projekt_Pressemitteilung_270404.pdf
Adobe Acrobat Dokument [90.4 KB]
(Quelle: IfH Köln, VLB Berlin, Februar 2006)
