Praxisbeispiel - Buchhandel
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Financial Times Deutschland - Keine Angst vorm Internet

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Als das Internet kam, gingen die Anzeigenkunden. Ins Internet. Dem schauten große und kleine Verlage machtlos zu, und weil sie hofften, einen Teil der verlorengegangenen Anzeigen-Einnahmen zurückgewinnen zu können, errichteten sie Websites, auf denen Inhalte ihrer Zeitungen waren. Meistens kostenlos. Während dies für einige der Zeitungen zusätzlich einen Auflagenrückgang bedeutete, nahm die Financial Times Deutschland das Internet als Chance wahr, da sie als Newcomer auf dem deutschen Zeitungsmarkt mit der Website auf ihr neues Angebot aufmerksam machen konnte. Nach erfolgreichem Markteintritt soll nun auch online Geld verdient werden. Dazu bietet die Zeitung neben frei zugänglichen Inhalten sogenannte 'Premium-Inhalte'.

  • Mit der 'Zeitung zum Herunterladen' bekommt der Leser wie gewohnt seine Financial Times Deutschland zu Gesicht. Nicht in Papierform, dafür aber mit der gleichen Optik und von überall und jederzeit auf den Rechner abrufbar. Bereits ab drei Uhr morgens ist die aktuelle Ausgabe als PDF-file herunterladbar. Unentschlossene können vorher einen Blick in das Inhaltsverzeichnis mit allen wichtigen Themen des Tages werfen. Während der Service für Abonnenten kostenlos ist, zahlen andere Kunden den gleichen Preis wie am Kiosk.

  • Im 'Print-Archiv' sind alle erschienenen Artikel per Suchmaske oder nach Tagesausgabe einzeln abrufbar. Die Preise sind dabei gestaffelt - ein einzelner Artikel kostet 79 Cent, der Leser kann aber auch eine ganze Zeitungsseite für 1,29 Euro oder zum Beispiel den kompletten Wirtschaftsteil des Tages herunterladen. Sonderbeilagen mit thematisch zusammenhängenden Reportagen und Länderreports der englischen Financial Times sind gebündelt abrufbar. Für 7,90 Euro kann ein Online-Abo für einen Monat mit Zugang zu allen Inhalten erworben werden.

  • Abonnenten als zuverlässige Umsatzquellen dürfen nicht nur das Print-Archiv kostenlos nutzen, sie können online ihre Daten selbst verwalten und zum Beispiel die Zeitung an den Urlaubsort bestellen oder in Partner-Hotels ausdrucken lassen. Da ein Großteil der Premium-Inhalte für sie kostenlos ist, erhalten sie durch das Online-Angebot einen Zusatznutzen, der sie eng an das Verlagsprodukt binden soll.

  • Unter dem Motto 'One-Brand-All-Media' vereint die Financial Times Deutschland neben dem Print- und Internet-Angebot auch neueste Medien. Artikel werden speziell für Personal Digital Assistants (PDA) und Handheld-Computer grafisch aufbereitet und können selbstständig oder nach Nachrichtenrubriken heruntergeladen werden. Vom Handy aus können Börsennachrichten, Kursinformationen und einzelne Unternehmenswerte abgerufen werden. Business News werden als Kurznachrichten per SMS versendet und können als Hörbeitrag vertieft werden. So sind wichtige Beiträge akustisch abrufbar und können sogar beim Autofahren über die Fernsprechanlage angehört werden. Auch für WAP und I-Mode hält die Financial Times Deutschland eigene Angebote bereit. Neben diesen kostenpflichtigen Services gibt es für Abonnenten die Möglichkeit, wichtige Ereignisse umsonst per SMS zu erhalten.

  • Für Radiosender produziert die Financial Times Deutschland Wirtschaftsnachrichten, Hörfunkbeiträge, Interviews und Korrespondentenberichte. Diese Beiträge können von Radio-Sendern als mp3-Dateien aus einer Datenbank ausgesucht werden.

  • In Zusammenarbeit mit externen Partner werden zudem zusätzliche Informationen und Beratungsdienstleistungen offeriert. So können sich Leser von dem Anbieter aspect online Versicherungen und Geldanlagen empfehlen lassen oder in Datenbanken, wie Munzinger oder creditreform recherchieren. Berufsberatungservices werden durch Personalmarkt bereitgestellt.

  • Mit Unterstützung des Dienstleisters Newspaper Direct kann als Gast in internationalen Hotels die aktuelle Ausgabe gegen eine Gebühr aus dem Internet heruntergeladen werden.

  • Mit den kostenpflichtigen Online-Tools wie Gehaltsanalyse und Gehaltsreport können Führungskräfte und Entscheider das eigene Profil oder das von Bewerbern analysieren lassen. Dabei kann das Einkommen überprüft werden und im Markt verglichen werden, um sich so für Gehaltsverhandlungen zu rüsten.


(Quellen:

  • www.ftd.de Stand 02/2004
  • E-Business aktuell, Daniel Amor, Edition 2004, S.314f.)