Freunde finden leicht gemacht - Soziale Netzwerke
Die früher aufgestellte Behauptung, Computer würden einsam machen, lässt sich nicht mehr ohne weiteres aufrechterhalten. Vielmehr trifft man heute seine Freunde mit Hilfe sozialer Netzwerke im Internet. Dabei können die Nutzer sozialer Netzwerke nicht nur bestehende Freunde treffen, sondern auch neue hinzugewinnen. Sie können Inhalte in das World Wide Web (WWW) stellen, um sich zu präsentieren bzw. im Netz wahrgenommen zu werden. Es existiert eine Vielzahl sozialer Netzwerke, die an unterschiedliche Zielgruppen und Nutzerzielsetzungen adressiert sind.
StudiVZ ist mit mittlerweile fünf Millionen Mitgliedern derzeit das beliebteste soziale Netzwerk in Deutschland. Es richtet sich vor allem an Studenten, die mindestens angeben müssen an welcher Hochschule sie studieren. Dies wird jedoch nicht überprüft, so dass letztlich jeder Internetnutzer mitmachen kann. Außer der Hochschule können Nutzer auch Geburtstag, Adresse, Telefonnummer, politische Gesinnung oder Musikgeschmack angeben und ob sie Lerngruppen oder Gleichgesinnte suchen. Die Nutzer des StudiVZ können sich Gruppen anschließen und Fotogalerien eröffnen. Im Bereich Privatsphäre entscheiden sie, wer ihr vollständiges Profil sehen darf, ob auf Fotos verlinkt werden darf oder zeigen möchte dass sie online sind.
Das Online-Netzwerk Xing widmet sich dem Aufbau geschäftlicher Kontakte. Xing ist kostenlos, allerdings stehen dann nicht alle Features zur Verfügung. Für ca. 6 Euro im Monat kann die Mitgliederliste nach Interessen, Firmen und Jobangeboten durchsucht werden. Erst mit dieser "Premium-Mitgliedschaft" kann ein Anwender systemintern Nachrichten an seine Kontakte verschicken. Xing bietet mit marketplace einen Stellenmarkt an, auf dem Arbeitgeber Anzeigen aufgeben können, die pro Klick bezahlt werden. Für den Aufruf einer Anzeige fallen Kosten in Höhe von 0,49 Euro an. Xing-Nutzer treffen sich auch außerhalb des Internets. So laden beispielsweise Mitglieder und Gruppen immer wieder zum Business Lunch oder zu Aktivitäten, wie z. B. Klettern im Hochseilgarten, ein. Daran wird deutlich, dass Xing sich auf Kunden konzentriert, die geschäftlich Kontakte knüpfen wollen.
Bei lokalisten.de geht es vor allem darum, den Freundeskreis in der eigenen Stadt auszubauen und zu zeigen wie man seine Freizeit gestaltet. Die Nutzer können ihren Freundeskreis erweitern, Nachrichten versenden, Fotoalben anlegen, ein eigenes Weblog schreiben oder auch Videos präsentieren. Ein Eventkalender und der Marktplatz für Klein- und Wohnungsanzeigen, die nur Termine und Angebote aus der Umgebung anzeigen, verdeutlichen den regionalen Bezug.
MySpace ist mit über 200 Mio. Mitgliedern derzeit das größte soziale Netzwerk der Welt und insbesondere ein Netzwerk für Musiker. Viele Bands und Künstler haben hier eine eigene Seite und können ihr Album promoten oder Musik zum Probehören hoch laden. Mittlerweile erfreut sich das Netzwerk bei Nutzern jeden Alters großer Beliebtheit, unabhängig von der Schulbildung, dem Beruf oder dem Hobby. Bei MySpace geht es häufig nicht um die eigene Person, sondern um gemeinsame Interessen. So gibt es beispielsweise Fanclubs, die eine Seite über ihre Lieblingsband oder -stars pflegen. Aufgrund der Einbindung in den Newscorp-Konzern ist das Portal bisher eines der wenigen, das wirtschaftlichen Erfolg vorweisen kann. Google zahlt 900 Mio. Dollar für die exklusive Suchfunktion und entsprechende Werbevermarktung auf MySpace.com. Außerdem verdient Newscorp Geld durch cross-mediale Vermarktung.
Facebook ist mit mehr als 65 Millionen aktiven Mitgliedern weltweit, die Nummer 2 hinter MySpace und liegt auf Platz 5 der meistbesuchten Webseiten weltweit. In Deutschland zählt das Facebook-Netzwerk 388.000 Mitglieder. Facebook unterscheidet sich von anderen Netzwerken darin, dass sich das Portal im Mai dieses Jahres für Drittanbieter öffnete. Nutzer können Anwendungen anderer Anbieter in ihr Profil integrieren. So lassen sich beispielsweise mit einem Photoshop-Express-Plug-in Facebook-Fotos online mit Photoshop Express bearbeiten und speichern. Bilder müssen dann nicht mehr heruntergeladen bearbeitet und wieder hochgeladen werden. Die Plattform finanziert sich durch Online Werbung und den Verkauf von Pictogrammen (Icons) an Nutzer. Die Werbebanner und Links werden von Microsoft vermarktet.
Wer-kennt-wen.de ist nach eigenen Angaben eine der am stärksten wachsenden Social Networks in Deutschland. Offiziell gestartet am 3. Oktober 2006 zählt die Community mittlerweile 3,5 Millionen Mitglieder. Mit 3,15 Milliarden Page-Impressions und 98 Millionen Visits überholt die Plattform, an der RTL Interactive mit 49 % beiteiligt ist, die meisten Konkurrenten. Wer-kennt-wen.de bietet die Möglichkeit andere Nutzer zu finden, die in der Nähe wohnen, die gleichen Interessen haben oder z. B. die gleichen Bücher lesen. Die Nutzer können erfahren, wen andere Leute kennen, was sie mögen und was sie machen. Sie können eigene Bildergalerien einstellen oder einen eigenen Blog einrichten oder sich die Route zu anderen bekannten Nutzern anzeigen lassen.
Online-Nutzungsdaten von sozialen Netzwerken in Deutschland - Juli 2008
Dies sind nur einige wenige Beispiele für soziale Netzwerke. Weitere Netzwerke richten sich beispielsweise an Schüler (u. a. schülerVZ, spickmich.de), Senioren (Platinnetz, senVZ), Soldaten (Meine-Bundeswehr.de), Feuerwehrleute (FWnetz) sowie Sportler und Sportfans (u. a. kletterVZ, meinFussballclub.de).
Der Eintritt in die Welt der sozialen Netzwerke ist für die Nutzer nicht ganz ohne Risiko. So können Einträge in Netzwerken durchaus Karriereaussichten beeinflussen. Arbeitgeber haben dank dieser Plattformen die Möglichkeit, private Details von Bewerbern einzusehen, die diese z. B. in Bewerbungsgesprächen nicht äußern. Auch mahnen Datenschützer zur Vorsicht bei der Einstellung von Daten. Namen, E-Mail-Adressen und Geburtsdaten könnten leicht von Dritten ausspioniert und weiterverwendet werden.
- Qualitativ schlechte Fotografien
- Lücken oder Rechtschreibfehler im Profil ("Dimplom-Kaufmann")
- Peinliche Gästebucheinträge (z.B. "Am Wochenende können wir uns besaufen!")
- Sämtliche persönliche Vorlieben werden durch die Gruppenzugehörigkeit offenbart
- Freischalten von Kontakten ohne Überprüfung (z.B. viele Versicherungsmakler in den Kontakten)
- Die Kontakte bewegen sich auf einer ganz anderen Hierarchie-Ebene (z.B.: kennt der Rechnungswesenleiter nur Arbeitslose)
- Keine oder sehr wenige Kontakte (evtl. Einzelkämpfer?)
- Der Lebenslauf beinhaltet Jobs, die besser nicht öffentlich gemacht werden sollten
- Qualifikationen und Erfahrungen werden nicht ausreichend thematisiert
Wer aus der Welt einiger sozialen Netzwerke aussteigen möchte, aber nicht die so erworbenen Freunde verlieren möchte, kann z. B. auf ausgeloggt.net wichtige Kontakte hinterlegen. So können beispielsweise Adressangaben auf einer persönlichen Seite bei ausgeloggt.net hinterlassen werden. Freunde finden dann dort die aktuelle Telefonnummer und die E-Mail-Adresse des "Ausgeloggten".
Die Zahl der sozialen Netzwerke ist sehr umfangreich und deckt viele Interessensgebiet ab. Ständig gehen neue Netzwerke online und besetzen bislang nicht abgedeckte Nischen. Daher kann davon ausgegangen werden, dass eine Konsolidierung des Marktes für Netzwerke noch nicht stattgefunden. Es bleibt also spannend.




