Praxisbeispiel - Textilhandel
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Gestaltungsmöglichkeiten mobiler Apps im Textilhandel

Seit Beginn des kommerziellen Verkaufs von Mobiltelefonen Anfang der achtziger Jahre, haben sich die Endgeräte rasant weiterentwickelt. Moderne Smartphones verfügen über große und hochauflösende Bildschirme und können auf Grund schneller Datenverbindungen wie 3G, komplexe mobile Anwendungen nutzen.

In den vergangenen Jahren haben immer mehr Branchen das große Potenzial des Mobile-Commerce-Marktes erkannt. Insbesondere die Textilbranche hat das Smartphone als weiteren Vertriebskanal für sich entdeckt. Die Inhalte und Funktionen der Apps unterscheiden sich jedoch oftmals zwischen den Textilhändlern.

Die Zara-App im Überblick

Abbildung der Zara Shopping App

Das Unternehmen Zara bietet seinen Kunden zwei kostenlose Apps an. Eine Version ist speziell für die Geräte iPhone, iPad und iPod touch konzipiert, die andere Version ist hingegen für das mobile Betriebssystem Android ausgelegt. Somit können nicht nur Apple-Nutzer, sondern auch ein Großteil der Samsung- und HTC-Nutzer die App verwenden.

Abbildung der Zara App für Apple und Android

Das Menü der Zara-App ist in vier verschiedene Rubriken unterteilt. In der Rubrik Produkte lässt sich die Kleidung in Damen- und Herren-Mode einteilen. Darüber hinaus können sich die App-Nutzer die neuste Ware auf ihrem Endgerät anzeigen lassen. Die Kleidung kann markiert und anschließend in der Rubrik Einkaufswagen bezahlt werden. Somit kann die Ware direkt über das mobile Endgerät eingekauft werden. Nach dem Kauf können sich die Nutzer in der Rubrik Profil den entsprechenden Bestellstatus der eingekauften Produkte ansehen. Die App listet die Produktnummer, den Preis und den Versandstatus ab.

Abbildungen der Zara App

 

Die App kann darüber hinaus durch die Rubrik Shops dazu verwendet werden, sich stationäre Ladengeschäfte in der Nähe des aktuellen Standorts anzeigen zu lassen. Hierzu greift die App bspw. auf die GPS-Daten des Endgeräts zurück und führt eine automatische Lokalisierung durch.

 

Ein wesentlicher Kritikpunkt an der mobilen Strategie von Zara ist, dass die App über die stationäre Website nicht zu finden ist. Nutzer müssen zunächst auf die Plattform iTunes gehen, um sich von dort aus die App auf ihr Endgerät zu laden. Besser wäre es, die App direkt im Shop zu bewerben und zu iTunes zu verlinken. Darüber hinaus werden die Produkte nicht ausführlich genug in der App beschrieben, so fehlen bspw. die Materialangaben zu den Textilien.

Die Promod-App im Überblick

Im Gegensatz zu Zara bewirbt Promod die App aktiv auf der eigenen Website. Die App ist grundsätzlich ähnlich aufgebaut, wie die von Zara, bietet jedoch noch zusätzliche Funktionen an. Die Rubrik Keylooks soll die App-Nutzer bspw. für neue Kleidungskombinationen inspirieren und zum Kauf neuer Produkte anregen.

 

Die App von Promod zeichnet sich im Vergleich zur Konkurrenz insbesondere durch die anschauliche und benutzerfreundliche Produktdarstellung aus. Die App-Nutzer können sich bspw. im unteren Bildrand die Textilien auch aus anderen Perspektiven anzeigen lassen. Indem sie mit ihrem Finger auf das minimierte Foto tippen, wird die Abbildung automatisch vergrößert. Gleichzeitig erhalten sie in dieser Rubrik zusätzliche Informationen zu Rabatten und die empfohlene Pflegeanleitung für die Textilien.

Der Einsatz der App ist jedoch nicht nur zu Hause nützlich, denn Kunden, die im stationären Ladengeschäft ein Kleidungsstück nicht mehr finden, können im Laden über das mobile Internet überprüfen, ob die Ware noch online verfügbar ist.

G-Star RAW-App im Überblick

Die App des Textilherstellers G-Star RAW bietet im Gegensatz zu Zara und Promod keinen eigenen Mobile-Store an. Der Fokus der App liegt nicht unmittelbar auf dem Verkauf der Produkte, sondern vielmehr auf der Mode und dem Lifestyle.

Neben der aktuellen Kollektion für Frauen und Männer, können sich die App-Nutzer Videos über Mode-Shows auf ihrem Smartphone anzeigen lassen. Die Videos lassen sich aus einer Liste verschiedener Laufstegshows auswählen und in voller Bildschirmauflösung ansehen. Des Weiteren bietet das Unternehmen ein eigenes Magazin an, das ebenfalls kostenfrei als App verfügbar ist. Das Magazin kann ergänzend zur App genutzt werden und bietet mehr Inhalt.

Abbildung des RAW Magazins

Die Kosten für eine App

Die Kosten für die Entwicklung einer App hängen in erster Linie von deren Komplexität ab. Eine einfache App kostet durchschnittlich 16.500 Euro, eine normale App durchschnittlich 23.000 Euro und eine komplexe App durchschnittlich 79.000 Euro. (iBusiness Honorarleitfaden 2010).

Textilhändler benötigen mindestens eine durchschnittliche App, wenn Sie einen eigenen Mobile-Shop anbieten möchten. Für sie sind im Folgenden die Kosten einzeln aufgelistet.

Zusammenfassung

Apps bieten den Unternehmen eine gute Möglichkeit, Kunden auf die eigene Mobile- oder Online-Website zu leiten. Eine aktuelle Studie des ECC Handel zeigt, dass 5,0 Prozent der Käufe in Online-Shops und 8,2 Prozent der Käufe in stationären Geschäftsstellen eine Informationssuche über das Smartphone vorausgeht.

Die Unternehmen müssen sich entscheiden, ob sie durch die App ihre eigenen Produkte vermarkten wollen, oder den Fokus auf Mode und Lifestyle legen wollen. Während der eigene Mobile-Shop unmittelbar zu weiteren Käufen führen kann, bietet der zweite App-Typ den Vorteil, die Kundenbeziehung zu stärken. Beide Wege haben somit ihre Vor- und Nachteile. Unternehmen sollten daher abwägen, welcher App-Typ am besten in die eigene Marketingstrategie passt.

Quellen:

  • http://www.appadvisors.de/2011/07/04/was-ap-entwicklung-in-deutschland-kostet/
  • iBusiness Honorarleitfaden 2010
  • ECC Handel (2010): Von Multi-Channel zu Cross-Channel - Konsumentenverhalten im Wandel