Grundlegende Einteilungen der Internetnutzer
Zwei Drittel der deutschen Bevölkerung integrieren im Jahr 2010 die digitalen Welt in Ihren Alltag. Doch wer macht was und wie oft im Internet. Alter und Geschlecht üben einen großen Einfluss auf die Nutzungsgewohnheiten aus. Darüber hinaus unterscheiden sich verschiedene Nutzertypen jedoch auch bezüglich ihrer Kompetenz, ihres Wissens, der Nutzungsvielfalt und -intensität und ihrer Einstellungen. Der folgende Beitrag vermittelt eine Übersicht über die wichtigsten Internetnutzer und zentrale Charakteristika Ihres Internetnutzungsverhaltens.
Anhand ihres Alters können Internetnutzer in Digital Natives, Digital Immigrants und Silver Surfer unterteilt werden.
Unter Digital Natives werden Personen verstanden, die zu einer Zeit geboren wurden, als digitale Technologien wie bspw. Computer, Internet und Mobiltelefone bereits exisiterten und die mit dieser Technologie aufgewachsen sind. Dies sind im Wesentlichen die nach 1980 Geborenen.
Als Digital Immigrants werden dagegen Personen bezeichnet, die vor dieser Zeit geboren wurden und somit ohne digitale Technologie aufgewachsen sind und diese erst später adaptiert haben.
Unter Silver Surfern versteht man Personen über 50 Jahren, die sich im Internet bewegen.
Für die junge Generation (14 - 29Jährige) spielen im Vergleich zur gesamten Bevölkerung insbesondere die interaktiven Anwendungen wie Instant Messaging, Gesprächsforen und Chats, Online-Communities, Spiele sowie Audio- und Videopodcasts eine überdurchschnittlich große Rolle. Zu den am häufigsten genutzten Anwendungen der jungen Generation zählen Suchmaschinen, E-Mails, Suche bestimmter Angebote, nicht zielgerichtetes Surfen und die Nutzung von Instant Messaging, Chats und Online-Communities.
Die Technikkompetenz der Silver Surfer ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Beim Umgang mit E-Mails, Suchmaschinen und der zielgerichteten Informationssuche bestehen kaum Unterschiede zwischen den Silver Surfern und der jüngeren Generation. Von Angeboten, die eine aktivere Betätigung oder gar eine Interaktion verlangen wie bspw. Multi-Media-Anwendungen oder Online-Communities, macht die ältere Generation jedoch kaum Gebrauch. Für aktuelle Informationen, Unterhaltung und Entspannung werden nach wie vor die klassischen Medien genutzt, während das Internet in erster Linie zur Kommunikation und Informationssuche verwendet wird.
Quelle:
- Van Eimeren, B., Frees, B.: Der Internetnutzer 2009 - multimedial und total vernetzt? Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2009, unter http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/fileadmin/Online09/Eimeren1_7_09.pdf, abgerufen am 19.03.10
Autor:
- Maria Klees, 19.03.2010
Sie stellen mit 35 Prozent der Gesamtbevölkerung die größte und auch älteste Gruppe (Durchschnittsalter 62,4 Jahre).
Die Digitalen Außenseiter sind überwiegend weiblich (66 %) und verfügen größtenteils über eine geringe formale Bildung. Drei Viertel von ihnen sind nicht berufstätig. Sie verfügen über ein unterdurchschnittliches Haushaltseinkommen und leben zumeist in Ein- oder Zwei-Personen-Haushalten. Sie zeichnen sich durch die geringste Computer- und Internetnutzung aus - nur ein Viertel von ihnen verfügt über einen Computer und einen Drucker und nur 14 Prozent haben einen privaten Internetzugang. Daher sind kaum Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien vorhanden. Nur jeder Fünfte von Ihnen fühlt sich in der Lage, zielgerichtet im Internet zu suchen oder einen Brief am Computer zu schreiben. Digitale Außenseiter haben von allen Gruppen auch die negativste Einstellung zu digitalen Themen.
Der durchschnittliche Gelegenheitsnutzer ist 41,9 Jahre alt, hat eine einfache bis mittlere formale Bildung, verfügt über ein durchschnittliches Haushaltseinkommen und lebt überwiegend in Partnerschaften oder Familien. Frauen sind in dieser Gruppe leicht überrepräsentiert. An der digitalen Welt nehmen sie nur begrenzt teil. Fast alle Gelegenheitsnutzer besitzen einen PC oder ein Notebook, das sie - ebenso wie das Internet - in erster Linie für private Zwecke nutzen. Die Nutzungsdauer bewegt sich auf einem recht geringen Niveau.
Basiskompetenzen wie die Suche im Internet und einfache Textverarbeitung sind fast vollständig vorhanden und die Gelegenheitsnutzer sind mit den Basisbegriffen der digitalen Welt größtenteils vertraut. Insbesondere zum Thema Sicherheit fehlen ihnen jedoch noch Kenntnisse. Sie nutzen das Internet vor allem zum Versenden und Empfangen von E-Mails sowie zur Recherche und zum Preisvergleich. Obwohl sie die Vorteile des Internets erkennen, bevorzugen sie eher klassische Medien.
Das Durchschnittsalter der Berufsnutzer liegt bei 42,2 Jahren. In dieser Gruppe findet sich der höchste Anteil an Berufstätigen (85 %) und es besteht ein leichter Männerüberhang. Berufsnutzer verfügen hauptsächlich über eine mittlere und formale Bildung und ein überdurchschnittliches Haushaltseinkommen. Sie leben überwiegend in Partnerschaften oder Familien. An ihrem Arbeitsplatz besitzen sie eine gute digitale Infrastruktur und nutzen vor allem dort das Internet. Die private Nutzung bleibt dagegen sogar leicht hinter der der Gelegenheitsnutzer zurück. Berufsnutzer beschränken sich vor allem auf nützliche Anwendungen wie E-Mail oder Textverarbeitung. Ihre Kompetenzen gehen im Bereich der Textverarbeitung über die der Gelegenheitsnutzer hinaus. Außerdem beherrschen sie administrative Tätigkeiten wie bspw. die Installation neuer Software. Bezüglich ihrer Einstellung zu digitalen Medien ähneln sie den Gelegenheitsnutzern.
Die mit 35,9 Jahren verhältnismäßig junge Gruppe hat sowohl den höchsten Männer- (78 %) als auch den höchsten Schüleranteil (13 %). Trendnutzer verfügen über eine mittlere formale Bildung sowie ein überdurchschnittliches Haushaltseinkommen und sie sind - abgesehen von dem hohen Schüleranteil - größtenteils berufstätig. Auch sie leben überwiegend in Partnerschaften oder Familien. Die Trendnutzer besitzen in der Regel viele verschiedene digitale Geräte, während sich ein Trend zum Zweitcomputer abzeichnet. Fast alle Trendnutzer verfügen über einen privaten Internetzugang, der Großteil sogar über einen Breitbandanschluss. Sie zeichnen sich durch umfassende Kompetenzen aus und nutzen insbesondere Web 2.0 Anwendungen. Ca. zwei Drittel von ihnen haben schon einmal eine eigene Website erstellt. Sie sehen in der Nutzung des Internets große Vorteile für sich und sind von der Vielfalt, die die digitalen Medien bieten, begeistert.
Der durchschnittliche Digitale Profi ist 36,1 Jahre alt, überwiegend männlich, hat eine hohe formale Bildung, ist berufstätig (81 %) und verfügt über ein stark überdurchschnittliches Haushaltseinkommen. Er besitzt sowohl zu Hause als auch auf der Arbeit eine sehr gute digitale Infrastruktur und hat daher umfangreiche Kompetenzen im Umgang mit Computern und Internet. Dabei sind vor allem professionelle Fähigkeiten, wie bspw. Makroprogrammierung oder Tabellenkalkulation gut entwickelt und auch Fachbegriffe aus der digitalen Welt sind ihm nicht fremd. Für die Trendnutzer stehen nützliche Anwendungen wie Online-Shopping, Recherche von Preisen oder das Lesen von Nachrichten im Vordergrund. Im Gegensatz zu den Trendnutzern und der digitalen Avantgarde nutzen sie das Internet nur selten zur Selbstdarstellung oder Zerstreuung.
Die jüngste Gruppe (Durchschnittsalter 30,5 Jahre) ist gleichzeitig auch die kleinste. Sie setzt sich überwiegend aus berufstätigen Männern mit hoher formaler Bildung und einem leicht unterdurchschnittlichen Einkommen zusammen. Die Mitglieder der digitalen Avantgarde nennen eine äußerst umfangreiche digitale Infrastruktur ihr Eigen und ein ausgesprochen großer Anteil verfügt über einen mobilen Internetzugang. Sie zeichnen sich durch eine überdurchschnittlich hohe geschäftliche Nutzung des Internets aus. Die digitale Avantgarde verfügt über sehr hohe Kompetenzen, die sie sich vermutlich eher durch „Trial and Error" als durch das Lesen von Handbüchern angeeignet haben. Ihr Wissensstand ist nicht ganz so hoch wie der der digitalen Profis. Täglich verbringen sie im Durchschnitt elf Stunden am Computer und auch die Nutzungsvielfalt ist in dieser Gruppe am höchsten. Sowohl die Arbeit als auch das Freizeitverhalten sind stark durch die digitalen Medien geprägt. Mehr als alle anderen Gruppen nutzt die Digitale Avantgarde digitale Musik, Videos und Spiele.
Quellen:
- Initiative D21: Digitale Gesellschaft - Die digitale Gesellschaft in Deutschland - Sechs Nutzertypen im Vergleich, unter http://www.internetworld.de/Nachrichten/Zahlen-Studien/Studie-zur-digitalen-Gesellschaft-Mehrheit-der-Deutschen-profitiert-nicht-vom-Web, abgerufen am 19.03.10
- Mehrheit der Deutschen profitiert nicht vom Web in: Internet World Business unter http://www.internetworld.de/Nachrichten/Zahlen-Studien/Studie-zur-digitalen-Gesellschaft-Mehrheit-der-Deutschen-profitiert-nicht-vom-Web, abgerufen am 19.03.10
Autor:
- Maria Klees, 19.03.2010
Neben dem Alter spielen auch geschlechtsspezifische Nutzungsmuster eine Rolle. Männer sind nach wie vor häufiger und länger im Internet und nutzen mehr und zeitaufwendigere Anwendungen als Frauen. Männer sind deutlich mehr als Frauen an Mediendateien im Netz interessiert. Sie nutzen das Internet öfter zum Radio hören und Fernsehen. Außerdem laden sie häufiger Dateien herunter und nutzen das Angebot von Online-Spielen intensiv. Dies liegt aber nicht an mangelnder Internetkompetenz oder technischer Infrastruktur bei den Frauen - diese ist gerade bei jungen Frauen gut ausgebaut, sondern vielmehr pflegen Männer und Frauen einen unterschiedlichen Umgang mit digitalen Medien. So zeigen sich Jungen und Männer deutlich technik-affiner. Sie probieren eher neue technische Entwicklungen aus und eignen sich den Umgang mit diesen an.
Quelle:
- Van Eimeren, B., Frees, B.: Der Internetnutzer 2009 - multimedial und total vernetzt? Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2009, unter http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/fileadmin/Online09/Eimeren1_7_09.pdf, abgerufen am 19.03.10
Autor:
- Maria Klees, 19.03.2010
