Grundlegende Instrumente bei Shop-Systemen
Das Open-Source-Projekt osCommerce gilt als eine der besten Lösungen für den Einstieg ins E-Business. Es generiert einen Online-Shop mit fast allen notwendigen Funktionen und zeichnet sich durch eine geringe Einarbeitungszeit in das Administrationswerkzeug und einen Anschaffungspreis von Null Euro aus.
Schwachpunkt von osCommerce ist das Design. Das Design wirkt schnell dröge und langweilig. Erfahrene Surfer erkennen den Billig-Shop und könnten auf mangelnde Seriosität des Anbieters schließen. Bei einer solchen Business-Lösung ist gerade deshalb ein gekonntes Customizing wichtig.
Solche Anpassungen können über einen Template-Anbieter wie TemplateMonster erfolgen. Dieser hält einige osCommerce-Templates vor, die aber leider nicht viel besser sind als das Original-Layout und noch an die eigene Corporate Identity angepasst werden müssen. Bei anderen Anbietern sieht die Situation ähnlich aus. Die einzig erfolgversprechende Lösung ist die Beauftragung eines osCommerce-Designers, der einen Shop wunschgemäß erstellt. Diese individuelle Lösung ist jedoch mit höheren Kosten verbunden.
Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von XT-Commerce. Es handelt sich hierbei um eine angepasste Variante des Open-Source-Projekts osCommerce, dass in der Grundversion ebenfalls kostenlos erhältlich ist. Die Entwickler legten bei den Veränderungen des Shop-Systems Wert auf die Trennung von Content und Layout. Die Designs werden nur aus Template-Ordnern heraus erzeugt. Sie lassen sich dabei deutlich einfacher und flexibler anpassen als bei osCommerce. Auch Flash-Filme lassen sich mühelos einbinden.
Wer bereits über einen osCommerce-Shop verfügt, wird sich jedoch schwer tun, auf ein neues System umzusteigen. Er wird eher versuchen aus der vorhandenen Installation das Letzte herauszuholen. Ein Erster Schritt zur Anpassung eines osCommerce-Shops ist eine Low-Level-Anpassung. Es werden die integrierten Grafiken und Farben verändert, wobei das Layout des Shops zunächst unangetastet bleibt. Im nächsten Schritt, der erweiterten Anpassung, kann dann die Farbgebung geändert werden. Außer durch Farbveränderungen kann der osCommerce-Shop durch eine Änderung des Gesamt-Layouts verbessert werden.
Keinesfalls kann auf den dynamischen Katalog verzichtet werden. Dieser wird über das Content Management von osCommerce befüllt und sollte in seiner Integrität beibehalten werden. Hier zeigt sich die Grenze der Bearbeitbarkeit des Shops mit einfachen Webdesign-Mitteln. Das dynamische Handling der Daten lässt sich nicht problemlos ersetzen.
(Quelle: Puscher, Frank: Neues Kleid für osCommerce, in: internet world, (2005), Heft 9, S 48ff)
Die Kundenzahl im Internet ist weiter stark steigend. Im Jahr 2004 haben Konsumenten 5,3 Milliarden Euro für Waren im Netz ausgegeben. Kleine und mittlere Handelsunternehmen haben die Chancen ebenso erkannt und arbeiten fast alle (98 Prozent laut Studie des E-Commerce-Center Handel) mit dem Medium Internet. Zunehmend wagen sich auch kleinere Händler an den elektronischen Vertriebskanal heran. Obwohl der Schritt gut überlegt sein muss, denn auch das Internet ist nicht kostenlos, gibt es mittlerweile preisgünstige Varianten des Internetvertriebs.
Wenn die Fragen der Sicherheit, des Rechts und des Kundenpotetials geklärt sind, kann es an die Realisierung eines Webshops gehen. Hierbei gibt es mittlerweile verschiedene Komplettlösungen, für die sich auch Technikmuffel begeistern können. Die Firma Schlund+Partner verwaltet 3200 Online Shops in seinem Karlsruher Rechenzentrum. Das Angebot der Firma reicht von der Bereitstellung eines Servers bis hin zur vollständigen ASP Lösung. Gerade kleinere Unternehmen können sich keine eigenen technischen Kapazitäten erlauben und bauen daher auf die Komplettlösung eines Expertenunternehmens. Beim Application Service Providing wird dem Kunden die benötigte Software gegen einen monatlichen Beitrag zur Verfügung gestellt. Wartung, Aktualisierung und Sicherheitsupdates fallen in den Aufgabenbereich des Dienstleisters. Außerdem übernimmt Schlund+Partner das Investitionsrisiko. Das ASP-Paket ist ab 39,- Euro pro Monat zu haben.
Die Firma bietet darüber hinaus weitere Dienstleistungen rund um den Webshop an: Von der Domainbeschaffung über Verwaltung und Sicherung bis zur Shop-Software ist alles im Programm. Dabei kann der Kunde immer genau kalkulieren, was der Webshop monatlich kostet und wie er ihn ausgestalten will. Falls die reine Funktionalität nicht ausreichen sollte und darüber hinaus besondere Wünsche bezüglich der Corporate Identity des Kunden bestehen, sind professionelle Designer für Sie da.
Die Architektur der Shop-Software ist ohne Probleme mit neuen Schnittstellen zu verknüpfen. Neuerungen und Erweiterungen werden von Schlund+Partner implementiert. Auch hierfür muss der Kunde seine Konzentration nicht vom Kerngeschäft abwenden und profitiert vom Erfolg des elektronsichen Vertriebskanals, ohne gleich zum Web-Experten werden zu müssen.
(Quelle: Vgl. Sybille Wilhelm: Geschäft außer Haus, in: Der Handel, Das Wirtschftsmagazin für Handelsmanagement, 10/2004, S. 62-65.)
Der Begriff Shop-System bezeichnet ein Softwarepaket, mit dessen Hilfe Güter im Internet präsentiert, angeboten und auch vom Kunden bestellt werden können. Es lassen sich Systeme unterscheiden, die entweder im eigenen Unternehmen entwickelt oder von einem Dienstleister gekauft oder gemietet werden. Oft stellen auch Webspace Provider ihren Kunden innerhalb ihres Dienstleistungsangebotes fertige Module zur Verfügung, die auch ohne Programmierkenntnisse und nach vordefinierten Schemata an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können.
Browser-basierter Online-Template Service
Dies ist eine relativ preiswerte Lösung für kleine Unternehmen, die nicht unbedingt die volle Kontrolle über jede einzelne Facette der technischen und funktionalen Möglichkeiten einer Homepage brauchen. Diese Lösung ist einfach in der Bedienung und alle Aufgaben können innerhalb des Webbrowsers bearbeitet werden. Somit können Veränderungen von überall durchgeführt werden und die Installation einer speziellen Entwicklungsumgebung ist nicht erforderlich. Veränderungen können zügig und ohne technisches Wissen durchgeführt werden, ein separater Webhost ist nicht erforderlich, da der Webshop bei dem Anbieter der Templates gehostet wird.
Die Nachteile einer solchen Lösung liegen in der eingeschränkten Flexibilität hinsichtlich Struktur und Layout und der daraus resultierenden Gleichheit der Internetpräsenz gegenüber anderen Shops, die ebenfalls mit dem System erstellt wurden. Darüber hinaus läuft der Erstellungsprozess langsamer als mit einer Offline-Software ab, weil der Webbrowser jede Veränderung direkt zum entfernten Webserver übertragen muss.
Die Kosten für die Nutzung des Template-Systems bestehen meistens aus einer monatlichen Grundgebühr plus zusätzlichen (aufwandsabhängigen) Gebühren, für z.B. Kreditkartentransaktionen.
Anbieter von Template-Lösungen sind in Deutschland z.B. avendo, webmart, 1&1 Online
e-Commerce-Software-Pakete
Offline arbeitende Shop-Erstellungs-Software variert sowohl hinsichtlich des Komforts der Entwicklungsumgebung als auch hinsichtlich der Funktionen des damit erstellten Shops. Sie ist meistens leistungsfähiger und flexibler als Template-Lösungen, bietet mehr Einfluss auf Layout und Struktur des Shops und funktioniert mit praktisch jedem Dienstanbieter oder Webserver. Zu den Nachteilen dieser Lösung zählt die höhere Komplexität im Vergleich zu Template-Lösungen, die Software muss auf dem Computer installiert werden, und für eine erfolgreiche Nutzung des Tools werden technisches Wissen und Programmierkenntnisse vorausgesetzt.
Um aus den hunderten von angebotenen Softwarepaketen die richtige Software auszuwählen, sollte insbesondere auf die serverseitigen Systemvoraussetzungen geachtet werden, d.h. ob der Webhoster die speziellen Funktionen bzw. Sprachen (z.B. ASP, PHP und MySQL) überhaupt auf seinen Webservern unterstützt. Gemäß dem Funktionsumfang der Software variiert auch der Preis von 200 Euro bis mehrere Tausend Euro. Monatliche Kosten fallen vor allem für den Webhoster und für regelmäßige Software-Updates an. Bevor man eine solche Software kauft, sollte sie im Rahmen einer Demo-Version auf ihre Eignung hinsichtlich der spezifischen Bedürfnisse des Shop-Betreibers überprüft werden.
Anbieter von e-Commerce Software-Paketen sind in Deutschland z.B. Openshop, Openstore von Leitbild Media, MK Internet Service GmbH
Die wichtigsten Leistungsmerkmale eines Shop-Systems beziehen sich auf
- die Möglichkeit, nach Produkten oder Produktkategorien zu suchen,
- das Anlegen und Aktualisieren eines Warenkorbs,
- die Berechnung von Versandkosten,
- die Auswahl einer Zahlungsmethode und
- das automatische Versenden einer Auftragsbestätigung.
Quellen:
- Die Begriffe des eCommerce, 2001
- Carroll, Jim; Broadhead, Rick: Selling Online. 2001.
