Ideenschmiede 2.0: Einsatz von Wikis in Unternehmen
Seit seiner Einführung im Januar 2001 entwickelte sich das Projekt Wikipedia rasant zu einer der erfolgreichsten Wissensdatenbanken des Internets. Durch das interaktive Konzept, welches es jedem Benutzer ermöglicht, Beiträge zu erstellen, zu bearbeiten und zu kommentieren, wuchs der Umfang des Projektes innerhalb weniger Jahre auf über 10 Millionen Artikel (heise online). Die Wikipedia-Gemeinschaft umfasst mittlerweile viele Tausend aktive Nutzer, die auf freiwilliger und vor allem unentgeltlicher Basis Ihr Wissen mit der ganzen Welt teilen.
Diese Erfolgsgeschichte verdeutlicht auf beeindruckende Weise das Potenzial von Wikis (interaktiven „Lexika"), welches auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) für sich ausnutzen können: Nämlich als interne Wissensdatenbank, an der sich jeder Mitarbeiter aktiv beteiligen kann, indem er das eigene Wissen, neue Ideen und Verbesserungsvorschläge allen anderen zugänglich macht.
Mögliche Einsatzgebiete könnten z. B. sein:
- Dokumentation von Arbeitsabläufen und Prozessen innerhalb des Unternehmens
- Austauschplattform für Projektgruppen
- Abwicklung des innerbetrieblichen Vorschlagwesens
- Koordination und Protokollierung von Besprechungen
- Vorstellung der Mitarbeiter
- FAQ-System, Lexika und Glossare
- Linksammlungen
- Globales Wissenslexikon aller unternehmensrelevanten Themengebiete Sammlung von Kontaktdaten
Abgrenzung von anderen Web-Anwendungen:
E-Mail:
Im Vergleich zur klassischen E-Mail ist die Verbreitung von Informationen anhand eines Wikis schneller, da alle Daten zentral gespeichert werden und von jedem Mitarbeiter abgerufen werden können. Zudem ist die Übersichtlichkeit und die Beständigkeit der Artikel im Vergleich zur E-Mail deutlich größer.
Statisches Intranet:
Zwar lassen sich auch beim klassischen Intranet Informationen zentral vorhalten, jedoch bedarf es hierbei einer Redaktion, die sich um die Pflege kümmert. Wikis hingegen funktionieren nach einem Selbstregulierungsmechanismus, da vermeintlich falsche Einträge von anderen Benutzern schnell korrigiert werden können.
Vorteile und Chancen:
Wikis ...
- ...können als einfache Content-Management-Systeme benutzt werden.
- ... sind oft als Open-Source-Produkte kostenlos erhältlich.
- ... sind meist leicht zu installieren.
- ... gewährleisten, dass wichtiges Know-How im Unternehmen bleibt.
- ... können die Arbeitsqualität erhöhen, da Arbeitsabläufe transparenter werden.
- ... schulen die IT-Kompetenz der Mitarbeiter, sowie eigenverantwortliches Arbeiten und Teamfähigkeit.
- ... wirken auf die Mitarbeiter motivierend, wenn sie merken, dass ihre Arbeit im Wiki Früchte trägt.
- ... sind flexibel einsetzbar (siehe Anwendungsgebiete).
- ... ermöglichen das gezielte Suchen nach Informationen an einem zentralen Ort.
Kurzumfrage zum Thema Wikis in Unternehmen, Universität zu Köln 2006, Tim Bartel
Nachteile und Risiken:
Wikis ...
- ... erfordern ein Mindestmaß an die Technik (vorhandenes Intranet, SQL Datenbanken).
- ... benötigen zur individuellen Anpassung (Layout des Wikis, Funktionen) weiterführende IT-Kenntnisse.
- ... können aufgrund der gewöhnungsbedürftigen Syntax auf Akzeptanzprobleme stoßen.
- ... verlangen anfangs eine gewisse Mehrarbeit von allen Mitarbeitern.
- ... können bei mangelnder Pflege unübersichtlich werden.
- ... ermöglichen nur das Suchen nach Informationen in einer Quelle. Es besteht das Risiko andere Informationsquellen zu vergessen.
Kurzumfrage zum Thema Wikis in Unternehmen, Universität zu Köln 2006, Tim Bartel
Synaxon AG:
Die Synaxon AG in Bielefeld gehört mit ihren 140 Mitarbeitern zu den mittelständischen Unternehmen und behauptet von sich, DAS größte Firmenwiki Deutschlands aufgebaut zu haben.
Vorstandssprecher Frank Roeber erkannte früh, dass es seinem Unternehmen wie vielen erging: Die Mitarbeiter hatten oft gute Ideen, brachten diese jedoch nicht zur Sprache, da sie vom großen Verwaltungsapparat eingeschüchtert waren. Alles blieb beim Alten - und das führte unweigerlich zu Frust bei den Mitarbeitern.
Um diesem Problem vorzubeugen führte Roebers ein Firmen-Wiki ein: Sein erklärtes Ziel war es, Wissen möglichst schnell dorthin zu transportieren, wo es gebraucht wird. Jeder sollte die Möglichkeit bekommen, sich mit eigenen Vorschlägen in das Unternehmen einzubringen und etwas zu verändern: Mit großem Erfolg! Im Mai 2008 verkündete das Unternehmen in seinem Blog den 25 Millionsten Pageview und die 100.000. Seitenbearbeitung.
Nach Frank Weber, IT-Leiter, hätten die Synaxon Mitarbeiter seit der Einführung des Wikis mehr als die Hälfte der Regeln geändert und diese hätten sich alle als sinnvoll erwiesen.
Weitere Einzelheiten zur Nutzung des Wikis in der Synaxon AG finden Sie auf folgenden Seiten:
- "Die Gläserne Firma" - Ein Artikel über das Wiki der Synaxon AG auf brandeins.de
- Internetblog der Synaxon AG
Andere Unternehmen:
Etwas größere Verbreitung finden Firmen-Wikis derzeit bei Großunternehmen. So gaben z. B. DHL, Web.de SAP, Walt Disney, Yahoo! und die British Telecom den Einsatz eines internen Wikis bekannt.
Wiki-Software:
Es gibt neben den kommerziellen Produkten eine Vielzahl kostenloser Open-Source-Wikis.
Das bekannteste ist vermutlich MediaWiki, das ursprünglich für die Wikipedia entwickelt wurde.
Ein weiteres ist twiki, welches in vielen Großunternehmen zum Einsatz kommt. Von Hause aus bringt es einen beachtlichen Funktionsumfang mit: So steht zum Beispiel ein "What you see is what you get"-Editor (WYSIWYG) zur Verfügung, der es ermöglicht, Texte über eine vertraute Oberfläche zu formatieren und zu bearbeiten. Zudem gibt es eine Zugriffskontrolle, mit der man Inhalte vor unbefugter Einsicht schützen kann (z. B. ein Bereich im Wiki nur für Führungspersonen)
Eine ausführliche Vorstellung von 15 kostenlosen Open-Source-Wikis finden Sie auf folgender Website:
http://t3n.yeebase.com/15-kostenlose-open-source-wikis-uberblick-236844/
Empfehlenswert ist zudem die Website wikimatrix.com (englischsprachig). Dort kann man über ein interaktives Tool die mitgelieferten Funktionen verschiedener Wikis miteinander vergleichen.
Abschließend lässt sich sagen, dass Wikis für viele kleine und mittelständische Unternehmen eine gute Ergänzung zu den bisherigen Informationsquellen darstellen können, da sie mit verhältnismäßig geringen Kosten und wenig Aufwand eine gute Wirkung erzielen können.
Nichtsdestotrotz erfordern Wikis auch regelmäßige Wartung und Pflege, sowie eine rege Beteiligung von den Mitarbeitern. Ansonsten kann der gewünschte Effekt ins Gegenteil umschlagen: Bis hin ins Chaos!
Weitere Informationen zu den oben dargestellten Themen finden Sie in den verwendeten Informationsquellen:


