Wer auf der Suche nach einem geeigneten Online-Shopsystem ist, hat die Qual der Wahl: Zahlreiche sehr unterschiedliche Angebote tummeln sich derzeit allein auf dem deutschen Markt. Ein Überblick über prinzipielle Möglichkeiten, Entwicklungen und Trends.
Der Handel über das Internet konnte in den letzten Jahren große Zuwachsraten verzeichnen, und auch aktuelle Zahlen führen vor Augen, dass der E-Commerce in Deutschland weiter boomt. So haben etwa nach der GfK-Studie WebScope 2008 die Verbraucher in Deutschland 2008 online mehr als 13,6 Milliarden Euro für Waren ausgegeben. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg der Umsatz damit um 19 Prozent. Immer mehr Menschen kaufen immer häufiger im Internet ein. Damit bleibt das Internet weiterhin der Vertriebskanal mit der höchsten Wachstumsdynamik. Die Zahl der Online-Shopper wächst weiter.
Kraut und Rüben?
Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass der Bedarf an Online-Shopsystemen in den letzten Jahren zugenommen hat und weiter zunimmt. "Shopanbieter sprießen wie die Pilze aus dem Boden", resümierte jüngst etwa ein Nutzer von e-commerce-blog.de und veröffentlichte eine Liste mit 82 deutschen Shopsystemen. Jedoch: "90 % gehören in die Kategorie Kraut und Rüben, es gibt ein schmales Mittelfeld, und nach oben wird die Luft immer dünner", lautet das Urteil des Blog-Nutzers, der den Versuch unternommen hatte, die verschiedenen Angebote unter die Lupe zu nehmen. Kein leichtes Unterfangen: Allein in Deutschland existieren zahlreiche Angebote - in der Tat unterschiedlich in Anspruch, Qualität und Ausstattung -, die die potenziellen Shop-Betreiber regelrecht vor die Qual der Wahl stellen. Hier den Überblick zu behalten und aussagekräftige Vergleiche anzustellen, ist angesichts zum Teil sehr unterschiedlicher und insgesamt vielfältiger Ausstattungen und Leistungen der Angebote eine Herausforderung. Wer sich mit dem Gedanken trägt, seine Waren oder Dienstleistungen online zu verkaufen, oder sein bestehendes Angebot entsprechend umzugestalten bzw. auszubauen plant, sollte sich zunächst die Größe seines Produkt-Sortiments und dessen geplante oder zu erwartende Größe in den Folgejahren sowie die eigenen Ansprüche an ein Shop-System vor Augen führen. Hier gilt es, frühzeitig abzuwägen, denn: Es ist nicht sinnvoll, für ein Sortiment von beispielsweise zwanzig Produkten ein hochkomplexes und allzu kostenintensives Shop-System anzuschaffen; in einem solchen Fall könnte schon eine kleinere Lösung mit begrenzten Möglichkeiten ausreichen - zumal schon "kleine Lösungen" mitunter einiges zu bieten haben.

Doch nicht nur, was die Wahl eines der zahlreichen Anbieter von Shopsystem-Software betrifft, muss der potenzielle Shop-Betreiber eine Entscheidung treffen. Er muss sich zunächst auch Gedanken darüber machen, ob er eine geeignete und passende Lösung kaufen, mieten oder - evtl. auf der Grundlage einer Open-Source-Anwendung - selbst erstellen bzw. erstellen lassen will. Folgende prinzipielle Shopsystem-Lösungen können unterschieden werden:
- Kauf-/Lizenzlösungen,
- Mietshops/ASP(Application Service Provider)-Lösungen,
- Open-Source-Lösungen.
Kauf-/Lizenzlösungen sind Systeme, die in der Regel als Komplettlösungen zu einem festen Lizenz-Preis erworben und in Betrieb genommen werden können. Im Vergleich zu Mietshop-Lösungen bestehen meist keine Restriktionen bezüglich der Artikel- und Besucher-Anzahl, ist der Grad an Abhängigkeit vom Shop-Hersteller deutlich geringer, dafür sind die Systemanforderungen höher. Wurde ein fester Lizenzpreis für die Shopsystem-Lösung entrichtet - eine einmalige, vergleichsweise hohe Investition -, fallen die sonstigen Kosten im laufenden Betrieb überschaubar aus. Um darüber hinaus eine effektive, lückenlose Bestellabwicklung zu erreichen, ermöglichen zahlreiche professionelle Kauf-Shopsysteme die Anbindung an das eigene Warenwirtschaftssystem, wenn ein solches nicht ohnehin bereits in die Komplettlösung integriert wurde. Zahlreiche Sonderfunktionen stehen - je nach oftmals modularem Produkt-Angebot - meist zur Verfügung, so etwa das Einbinden von Partnerprogrammen, Verkaufsförderungsaktionen (z. B. Cross-Promotions) oder verschiedenen Zahlungsmethoden. Bekannte Kaufshop-Lösungen in Deutschland sind beispielsweise smartstore (Preis: 0-999 Euro), GS ShopBuilder (79-1989 Euro), Cosmoshop (in der Betriebsart "stand-alone": 795-3325 Euro zzgl. Supportvertrag und Installationskosten; dieser Shop ist auch mietbar) oder OXID eShop (926-11.600 Euro; Stand jeweils: 09/2006).
Mietshops/ASP-Lösungen sind Systeme, die als meist ausgelagerte Varianten in Kooperation mit einem Service-Provider zur monatlichen Miete betrieben werden. Mietshops ermöglichen einen wenig riskanten Einstieg in den E-Commerce, erscheinen sie zunächst doch deutlich kostengünstiger als Kauflösungen (die monatlichen Kosten bewegen sich je nach Anbieter und Angebot zwischen ca. fünf und mehreren hundert Euro). Wer seinen Shop jedoch langfristig betreiben will, der kommt mitunter mit einer Kauflösung und dem einmal zu zahlenden Lizenzpreis insgesamt günstiger weg, zumal auch für Mietshops oft eine einmalige Einrichtungsgebühr fällig ist und Mindestvertragslaufzeiten gelten. Oftmals richtet sich die Höhe des monatlichen Mietpreises nach der Anzahl der im Shop angebotenen Produkte. Im Gegensatz zu gekauften Online-Shop-Lösungen, deren laufenden Betrieb die Shop-Betreiber selbst bewerkstelligen müssen, werden Mietshops von deren Anbietern unterhalten. Hinsichtlich der eigenen Unabhängigkeit muss der Shop-Betreiber daher in diesem Zusammenhang Einschränkungen hinnehmen, ebenso, was die einfache Anbindung an Warenwirtschaftssysteme betrifft, die hier oftmals nicht vorhanden ist. So bleibt dem Betreiber mitunter auch manuelle Arbeit bei der Bestellabwicklung, die umso schwieriger zu bewältigen ist, je mehr Produkte angeboten werden und je intensiver der Shop genutzt wird. Anbieter von Mietshop-Lösungen sind beispielsweise Cyberline/cybershop.de (Kosten: 69-389 Euro monatlich), strato.de (9,90-39,90 Euro monatlich), websale.de (49-699 Euro monatlich) und Team Centric/webmart.de (ca. 5-115 Euro monatlich; Stand jeweils: 09/2006).
Von Open-Source-Lösungen wird im Zusammenhang mit Online-Shopsystemen gesprochen, wenn kostenlose "freie" Software gemeint ist. Ziel der Open-Source-Bewegung ist es, Software (einschließlich ihres Quellcodes) jedermann frei zugänglich zu machen, um so u. a. durch die Möglichkeit der Einsicht in den Quellcode und die daraus resultierende unabhängige Kontrolle und Entwicklung zuverlässige und sichere Software zu schaffen. Die Software, die die Inbetriebnahme eines leistungsstarken Shopsystems ermöglicht und nach Belieben angepasst und erweitert werden kann, wozu allerdings zumindest grundlegende Programmierkenntnisse erforderlich sind, muss jedoch auf einem vom Shop-Betreiber ausgewählten Web-Server laufen und dort selbst eingerichtet werden (sieht sich der Betreiber nicht in der Lage, dies selbst zu tun, kann diese Arbeit auch an einen Dienstleister abgegeben werden). Der wesentliche Vorteil ist die Tatsache, dass es sich um lizenzfreie, kostenlose, aber dennoch leistungsstarke Software handelt, die - entsprechende Kompetenz im Bereich der Konfiguration vorausgesetzt - individuelle Anpassungen ermöglicht. Der Shop-Betreiber bleibt zudem von einem externen Anbieter unabhängig (es sei denn, er gibt die komplette Einrichtung und Wartung an einen Dienstleister ab), muss jedoch im Falle von Erweiterungsmaßnahmen einen vergleichsweise höheren Aufwand in Kauf nehmen. "Die Shop-Systeme der Open-Source-Szene sind so gut, dass der Einsatz eines proprietären Systems kaum noch lohnt", urteilte Anfang 2004 die Zeitschrift "internet pro". Eine solche Sichtweise wird allerdings auch kritisch gesehen - vor allem dann, wenn der Aufwand berücksichtigt wird, den die Einrichtung und die etwaige Anpassung eines Open-Source-Shops erfordert. Der potenzielle Shop-Betreiber muss abwägen: hier die (Kosten-)Freiheit hinsichtlich der Anpassungen und der Nutzung, dort der Arbeitsaufwand, der dabei anfällt. Beispiele für 30 Open-Source-Shopsysteme werden im Blog zu E-Commerce und Open Source dargestellt.
"E-Commerce on demand", "Full-Service-E-Commerce", integrative Unternehmensportale - Entwicklungen und Trends
Mit dem eigenen Shop online zu sein, reicht vielen Unternehmen heute nicht mehr. "Reine Verkaufssysteme sprechen allenfalls Schnäppchenjäger an", lautete im Frühjahr 2005 die Einschätzung des Magazins "Business&IT". Um die Kunden zu binden, werden inzwischen erweiterte Mittel genutzt: Im Sinne von ganzheitlichen Unternehmensportalen wird der Shop idealerweise in ein durchdachtes Gesamtkonzept integriert; Service-, Detail- und redaktionelle Angebote sollen dabei dem Informationsbedarf der meisten Online-Shopper entgegenkommen. Die Nachfrage nach derartigen einfach zu bedienenden Komplettsystemen, die zudem eine lückenlose Integration in das existierende Warenwirtschaftssystem ermöglichen, hat zugenommen; der Verschmelzung von redaktionellen Inhalten und Online-Shops kommt immer größere Bedeutung zu. Ein weiterer Trend wird unter der Bezeichnung "E-Commerce on demand" zusammengefasst. Gemeint ist damit die sukzessive Abkehr von der Vermarktung einer Shopsystem-Software als Produkt, hin zu einer umfassenden, individuell zugeschnittenen Shop-Lösung, die nutzungsbasiert auf Provisionsbasis abgerechnet wird. So soll die Flexibilität und Funktionalität einer vollständigen Shop-Anwendung mit der Effizienz eines On-demand-Services verbunden werden, sollen maßgeschneiderte Shop-Lösungen betrieben werden können, ohne Software zu kaufen. Ein weiteres Beispiel neuer Ansätze im Bereich von Shopsystemen bietet die Intershop Communications AG. Das Unternehmen bietet inzwischen in Kooperation mit Partnern nicht mehr nur die Lieferung der Shop-Software, sondern lagert, verpackt und verschickt die Ware auch. Den Zusammenschluss aller Dienstleistungen rund um den Online-Handel nennt Intershop "Full-Service-E-Commerce". Die Shop-Software soll somit zunehmend zum bequemen Zusatz-Service oder zum Teil eines anspruchsvolleren Gesamtkonzepts avancieren.
Entscheidung von zentraler Bedeutung
Für welche prinzipielle Lösung oder welches spezielle Produkt sich der potenzielle Shop-Betreiber auch entscheidet - die wichtigste Voraussetzung für erfolgreichen Handel bleibt die sorgfältige Planung einer Strategie. Denn bei mangelhafter Vorbereitung kann selbst ein prinzipiell leistungsstarkes Shopsystem einen Misserfolg mit sich bringen. Wer sich für eine klare Strategie entschieden hat, wird es zudem im Dschungel der Shopsystem-Lösungen und bei der Auswahl eines geeigneten Produkts leichter haben.
Quellen:
- Dolezalek, Silvan: "Stilmix zwischen alt und neu. Onlineshop-Trends 2006: Bewährte Strategien und neue Funktionalitäten", in: e-commerce Magazin 2/2006. [Auch als Online-Ressource:] www.e-commerce-magazin.de [Abruf am 26.09.2006].
- Kanitz, Stefan: "30 kostenfreie Open Source Shopsysteme", in: shopTags - Blog zu E-Commerce und Open Source, 29.04.2009. [Online-Ressource:] http://shoptags.de/30-kostenfreie-open-source-shopsysteme/ [Abruf am 05.05.2009].
- Lorenz, Björn: "Eher Portal als Webshop. Die Shop-Systeme der zweiten Generation sind weit mehr als einfach gestrickte originäre Webshops", in: Business&IT 4/2005; S. 32-35. [Auch als Online-Ressource:] www.cosmoshop.de [Abruf am 21.09.2006].
- Schäfer, Daniel: "82 deutsche Shopsysteme". In: e-commerce-blog.de, 31.08.2006. [Online-Ressource:] www.e-commerce-blog.de [Abruf am 21.09.2006].
- Schwichtenberg, L./D. Grollmann: "Kleiner Shop ganz groß! Ein Webshop muss kein Vermögen kosten, darf aber gern Funktionen wie ein Großer haben", in: Internet World 7/2005; S. 32-39.
- Wach, Elmar P./Pit Klein: "Sechs E-Shops durchleuchtet. Ob Adidas, Amazon oder Rudis Bierparadis: Shop-Systeme gehören zum Internet wie die Maus zum Computer", in: Internet World Business / [Online-Ressource:] www.internetworld.de [Abruf am 21.09.2006].
Weiterführende Informationen: