Mit der Ausrichtung ihres Angebots an individuellen Kundenbedürfnissen versuchen immer mehr Online-Shops, sich gegenüber dem Wettbewerb zu profilieren. „Mass Customization“ lautet das dahinterstehende theoretische Konzept mit dem Ziel, die Vorzüge von Massenproduktion und Maßanfertigung miteinander zu verbinden: individuelle Ansprüche sollen bedient werden, die Kosten im besten Fall aber denen bei Standardproduktion entsprechen. Das Internet bildet hierfür die ideale Grundlage, da die Transaktionskosten zwischen Hersteller und Kunde reduziert werden. Ein häufig genanntes Beispiel in diesem Zusammenhang ist die Firma Dell, die mit ihrem Konzept der Online-Konfiguration von PCs zeitweise zum weltgrößten Hersteller der Branche aufgestiegen ist. Mittlerweile finden sich ähnliche Angebote in zahlreichen Branchen.


Derselben Grundidee haben sich auch die Betreiber von www.inter-note.com, die im Handel mit klassischen Musiknoten neue Wege beschreiten, verschrieben. Zwar kann man schon länger Musiknoten im Internet bestellen, z.B. bei Amazon, aber inter-note verfolgt ein neues Geschäftsmodell. Der 2006 eröffnete Online-Shop bietet Kunden die Möglichkeit, Notenbände mit klassischer Musik individuell nach eigenen Wünschen zusammenzustellen. Dabei besteht Auswahl aus ca. 2.500 Werken von mehr als 70 Komponisten. Zudem verspricht der Anbieter, nicht im Repertoire vorhandene Noten auf Anfrage schnellstmöglich bereitzustellen.

Die Startseite von www.inter-note.com

Bei inter-note wurde an die Benutzerfreundlichkeit gedacht: Der Online-Shop ist klar strukturiert und bietet mehrere Suchmöglichkeiten, um das Auffinden der gewünschten Noten zu erleichtern. So kann der Kunde neben der freien Sucheingabe über die Auswahl nach

  • Komponist,
  • Instrument,
  • Gattung (Ballade, Sonate etc.),
  • Tonart,
  • Epoche sowie
  • Schwierigkeitsgrad

mit vielfältigen Mitteln gezielt gesuchte Stücke auffinden oder entsprechend seiner musikalischen Fähigkeiten und Interessen in dem Angebot stöbern. Hier kommt den Betreibern zu Gute, dass sie als hauptberufliche Musiker die Bedürfnisse der Zielgruppe bestens kennen und den Online-Shop daraufhin ausrichten konnten.


Ausgewählte Werke werden zunächst in den Warenkorb gelegt und können später in einer beliebigen Reihenfolge angeordnet werden. Dabei wird automatisch ein Inhaltsverzeichnis erstellt. Im nächsten Schritt kann das Deckblatt des fertigen Notenbands individuell gestaltet werden, z.B. indem ein Foto hochgeladen oder auch nur ein Titel vergeben wird. Der fertig gestaltete Notenband wird nach Abschluss des Bestellvorgangs online an die Druckerei und von dort gedruckt und gebunden per Post an den Kunden verschickt. Druckkosten entstehen für inter-note somit erst „on demand“, Lagerkosten sind zu vernachlässigen. Diese Preisvorteile gibt inter-note an die Kunden weiter, nach eigenen Angaben liegt das Preisniveau unter dem des Einzelhandels. Der Online-Shop bietet mit Lastschrift, PayPal sowie Kreditkarte ein zeitgemäßes (und nicht immer selbstverständliches) Portfolio an Zahlungsmöglichkeiten. Die Übertragung der Daten wird durch das SSL-Protokoll verschlüsselt und ist von einer Zertifizierungsstelle als sicher anerkannt.


Das junge Projekt offenbart auch noch Optimierungspotenziale: Das Angebot beschränkt sich bisher auf klassische Musik, eine Erweiterung um moderne Musik würde sicherlich ein wesentlich größeres Marktsegment ansprechen und die Erfolgsaussichten vergrößern. Aus Lizenzgründen wird derzeit aber darauf verzichtet. Zudem wäre es aus Kundensicht interessant, wenn neben der angebotenen Möglichkeit des Drucks und Versands auch ein direkter Download als PDF-Datei angeboten würde, so dass der Kunde sich die Noten selbst ausdrucken kann. So könnten Zeit und Versandkosten gespart werden. Wahrscheinlich wird auf diese Option ebenfalls aus Lizenzgründen und Angst vor Verbreitung in Tauschbörsen verzichtet. Immerhin: Jede Woche werden drei Werke zum kostenlosen Download angeboten.


Insgesamt entsteht ein rundes Bild. Den Betreibern von inter-note ist es gelungen, ihre interessante Geschäftidee und das Konzept der Individualisierung kundenfreundlich umzusetzen. Der Kunde erhält sein maßgeschneidertes Wunschprodukt und kann dabei noch sparen, da er nur die Musikstücke kauft, die er sucht und nicht direkt einen ganzen Band erwerben muss.


(P. Graune/S. van Baal, 02/2007)