JVA-Shop - Gefängnis-Produkte jetzt auch im Internet
http://www.jva-shop.nrw.deEinen neuen Weg aus dem Knast in die Welt da draußen - der alte Gefängnis-Traum wird jetzt zumindest für die dort gefertigten Produkte wahr. Mit einem Online-Shop erschließt die Justizvollzugsanstalt NRW einen neuen Vertriebsweg für Produkte, die hinter ihren Mauern von Strafgefangenen hergestellt werden. Arbeit hinter Gittern gehört schon seit jeher zum Strafvollzug. Insassen sollen so auf das Arbeitsleben nach ihrer Haftentlassung vorbereitet werden. Unter Anleitung von Handwerksmeistern schreinern, töpfern und schweißen die rund 18.000 Gefangenen in NRW - die Produktpalette reicht von Dekorationsartikeln, wie Tierfiguren aus Keramik und Holzschwertern (in den Ausführungen 'römisch', 'Säbel' und 'Krummsäbel') bis hin zu Gartengeräten und Grills. Das Hauptprodukt sind jedoch zum Teil aufwändig gestaltete Büromöbel, die zum Beispiel die elektronische Programmierung von individuellen Sitz- und Arbeitspositionen erlauben. Der einzige Großabnehmer war bislang der öffentliche Dienst. Dies soll mit der Internetpräsenz nun anders werden.
Unter www.jva-shop.nrw.de können die Gefängnis-Produkte auch außerhalb von Gefängnis-Basaren und Weihnachtsmärkten gekauft werden. Über ein Menü nach Produkt-Kategorien kann sich der Nutzer über Produktdetails informieren und anschließend per elektronischem Warenkorb bestellen. Büromöbel bekommt der Kunde innerhalb Nordrhein-Westfalens frei Haus geliefert. Bei Bestellungen aus einem anderen Bundesland muss jedoch eine gesonderte Transportvereinbarung getroffen werden. Genau zu lesen sind die Geschäftsbedingungen auch bezüglich der Lieferzeiten. So ist die Lieferung der Waren 'abhängig von der Auftragslage und den zur Verfügung stehenden Gefangenenarbeitskräften'. Wer sich von dem abgespeckten Kundenservice nicht abschrecken lässt, macht im Büromöbel-Angebot 'raumundform' durchaus interessante Entdeckungen. Ergonomisch gestaltete Freiformtische und Bildschirmarbeitsplätze mit individuell abrufbarer Höheneinstellung für mehrere Benutzer werden auf der Website unter dem Menü-Punkt 'Ergonomie' auch als Video-Clip präsentiert. Mit den gefertigten Produkten machte das Land NRW in 2004 einen Umsatz von 15 Millionen Euro. Unternehmen können ebenfalls auf die Arbeitskraft der Gefängnis-Insassen bauen: So kann die Produktion in bereitgestellten Räumen der JVA angeleitet werden. Auch Dienstleistungen der Häftlinge sind dadurch möglich.
Dass der Standort im Gefängnis kein Manko sein muss, beweist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das ausschließlich in Gefängnissen produzieren lässt. Die Messenger Transport Logistik GmbH vermarktet ihre Textilprodukte sogar offensiv als Marke: 'Haeftling - Jailwear since 1806' erinnert an die Slogans großer amerikanischer Jeans-Hersteller. An pfiffigen Werbesprüchen steht der Produzent von wetterfester Outdoor-Bekleidung den großen Vorbildern jedenfalls in nichts nach: So wird der Besucher auf der Website wenig dezent darauf aufmerksam gemacht, wo die Marke 'Haeftling' herkommt: 'Aus dem Knast. Handgefertigt und inspiriert von Inhaftierten. Für drinnen und jetzt auch für draußen.'
(Mai 2005)