Das Wachstum des E-Commerce hat sich wie in den Vorjahren auch im Jahr 2006 fortgesetzt. Einer aktuellen GfK-Studie zufolge gab es 2006 in Deutschland bereits 28,6 Millionen Online-Shopper, der online erwirtschaftete Umsatz lag mit über 15 Milliarden Euro um 18 Prozent höher als noch 2005 (mehr zu dieser Studie finden Sie unter www.gfk.com).


Ein großer Anteil des Umsatzes wird über Online-Marktplätze generiert, Marktführer in diesem Bereich und reichweitenstärkste Verkaufsplattform beim Online-Shopping insgesamt ist seit Jahren mit deutlichem Abstand Ebay. Ursprünglich als reiner Consumer-to-Consumer-Marktplatz konzipiert, hat sich Ebay längst auch im Business-to-Consumer-Bereich etabliert und bietet neben Auktionen auch Handel zu Festpreisen an. Neben dem Platzhirsch buhlen mittlerweile zahlreiche kleinere Plattformen mit alternativen Auktions- und Preismechanismen sowie anderen Gebührenstrukturen um die Gunst von Käufern und Verkäufern.

Verkaufsfenster für den iPod nano bei Gimahhot

So auch die Plattform Gimahhot, die seit dem offiziellen Start im Oktober 2006 eine Möglichkeit des Handels bietet, die es so im Internet bis dato noch nicht gab: anstatt einen Artikel zu ersteigern, kann der Kunde hier um den Preis für einen Artikel feilschen. (Der etwas ungewöhnliche Name entstammt laut den Betreibern von Gimahhot der altdeutschen Sprache des achten Jahrhunderts und bedeutet in etwa soviel wie „abgemacht“ – ein Ausspruch, der gemeinsam mit einem Handschlag den Abschluss eines Handels besiegelte.)


Anders als bei Ebay gibt es bei Gimahhot keinen C2C-Handel, sondern es wird ausschließlich originalverpackte Neuware von professionellen Händlern angeboten. Das Prinzip funktioniert folgendermaßen: für jedes Produkt gibt es nur ein Handelsfenster, hier stellen Händler ihr Angebot ein und geben die verfügbare Stückzahl des Artikels sowie den Preis an, den sie erzielen möchten.


Verbraucher können nun entweder den vorgeschlagenen Preis akzeptieren und das Produkt direkt kaufen oder aber versuchen, den Preis zu drücken, indem sie ein niedrigeres Gebot abgeben. Der Verkäufer wird hierüber per E-Mail informiert und hat die Möglichkeit, zu reagieren und seine Preisvorstellungen anzupassen. Der Prozess setzt sich fort, bis es zur Übereinstimmung - dem sogenannten Matching - kommt und der Handel perfekt ist. Das Prinzip von Gimahhot ähnelt somit dem einer klassischen Warenbörse, die Preise richten sich nach Angebot und Nachfrage. Über ein Chart kann die Preisentwicklung jedes einzelnen Produkts verfolgt werden.


Verkaufsfenster mit Darstellung der Preisentwicklung

 

Aus Kundensicht sind vor allem die Preisnachlässe interessant, die erzielt werden können. Diese schwanken von Produktgruppe zu Produktgruppe. Gerade in Bereichen, wo der Preiskampf im Internet ohnehin besonders ausgeprägt ist, wie z.B. bei Computer-Hardware, lassen sich tendenziell auch bei Gimahhot kaum Extra-Prozente herausschlagen. Bei Haushaltsgeräten sind es dagegen laut den Betreibern bis zu 15 Prozent. Zudem ist ein großzügiger Preisnachlass wahrscheinlicher, wenn der Kunde größere Mengen ordern möchte. Versandkosten sind direkt in den Preisangaben erhalten, das vermeidet Ärger über versteckte Kosten.

 

Für Händler ist insbesondere attraktiv, dass auch größere Mengen ohne großen Aufwand eingestellt und abgesetzt werden können: EAN-Artikelnummer, Preis und Anzahl ist alles, was angegeben werden muss, die Produktbeschreibung liefert Gimahhot automatisch aus einer Datenbank. Interessant für Händler, die sich über hohe Verkaufsgebühren ärgern: genau wie Ebay zum Start der deutschen Plattform im Jahr 1999 bietet Gimahhot derzeit den Service noch komplett kostenlos an. Allerdings sind Verkaufsprovisionen bereits angedacht, voraussichtlich ab Mitte 2007 ist damit zu rechnen.  

 

Derzeit nutzen bereits über 300 Händler die Plattform, darunter einige bekannte Online-Shops wie z.B. Atelco oder Pixmania.com. Der Handel erfolgt allerdings völlig anonym, der Käufer kann nicht einsehen, von welchem Händler die jeweiligen Angebote stammen. Somit haben bekanntere Händler keinen Vorteil gegenüber unbekannten, der Preis ist die einzige Entscheidungskomponente für den Käufer. Gründer und Geschäftsführer Jürgen Lankat, vorher als Börsenmakler tätig, begründet dies mit einem Vergleich zur Aktienbörse, auch dort interessiere den Käufer nicht, wer die Aktien verkauft, sondern nur zu welchem Preis. Da bei Gimahhot nur originalverpackte Markenprodukte gehandelt werden, sei das Prinzip ähnlich. Um trotz dieser Anonymität eine Vertrauensbasis und Sicherheit bieten zu können, erfolgt die Kaufabwicklung über ein Treuhandkonto: Nach Zahlungseingang durch den Käufer wird der Verkäufer zum Versand der Ware aufgefordert. Erst wenn der Käufer die Ware erhalten hat, wird das Geld an den Verkäufer weitergeleitet.

 

Fazit: Gimahhot bietet für Verbraucher und Händler mit einfacher Handhabung und einem innovativen Preismechanismus eine Alternative zu Ebay und anderen Portalen. Für den Verbraucher bleibt es vor allem eine Geschmacksfrage, ob er die Möglichkeit des Online-Feilschens nutzen möchte oder nicht. Für Händler scheint Gimahhot insbesondere als zusätzlicher Vertriebskanal interessant, um beispielsweise Auslaufmodelle in hoher Stückzahl zu vertreiben.

Allerdings: damit das Prinzip von Gimahhot zu einer marktgerechten Preisbildung führt, ist eine ausreichende Anzahl von Angeboten und Geboten notwendig, dies kann die noch sehr junge Plattform derzeit aber noch nicht bieten. Die Chancen für Gimahhot auf verstärkte Nutzung stehen aber nicht schlecht: insbesondere Preiserhöhungen bei Ebay, die bei vielen Händlern auf Unverständnis stoßen, könnten zum Erfolg von alternativen Marktplätzen wie Gimahhot beitragen.