Erkenntnis - Spielwarenhandel
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Online-Spielwarenhandel auf dem Vormarsch

Spielzeug wird immer häuiger online gekauft. Dies zeigt eine Umfrage der Verbrauchs- und Medienanalyse VuMA 2009. So gaben 7,4% der rund 7100 befragten Spielzeugkäufer an, ihre Ware im Internet erstanden zu haben. Damit rangiert der Online-Handel auf Platz 6, hinter dem Offline-Flohmarkt (12,2%) und alternativen Einkaufsstätten. Die Hauptbezugsquellen für Kunden bleiben jedoch die Spielwarenabteilung im Warenhaus (26,7%), das Fachgeschäft (23,4%) und Spielwarenmärkte, wie Toys'R'Us (19,0%).

Doch nicht nur der Kauf wird zunehmend online getätigt. Auch im Prozess der Kaufanbahnung holen Kunden gerne Informationen im Internet über die Produkte ein, schauen nach Zubehör oder vergleichen die Preise. Auf die Frage "Haben Sie Sich schon einmal über Spielzeug online informiert" antworten 13 % der Befragten mit "Ja". (Quelle: statista.org)

 

Der Trend wird auch durch eine gemeinsame Studie vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels e.V. und TNS Infratest bestätigt. Ein Vergleich zeigt, dass das Umsatzvolumen für Spielzeug im Versandhandel in den Jahren 2006 bis 2007 von 271 Mio. auf 356 Mio. Euro gestiegen ist. Mit einer Zunahme von 31% haben somit Spielwaren den höchsten Umsatzanstieg im Distanzhandel zu verzeichnen. Trotz dieser Entwicklung gehören Spielwaren eher zum hinteren Mittelfeld bei Käufen im Internet- und Versandhandel. Von den befragten Kunden gaben 1,8 % an, Spielwaren online oder im Katalog zu bestellen, während es 2006 noch 1,4% waren. Hauptsächlich werden nach wie vor Kleidung, Schuhe (41%), Medien (19%) sowie Unterhaltungselektronik und -technik (8%) online bestellt.

Quelle: BB-Jahresbericht 2006/2007

Der BB-Jahresbericht 2006/2007 spiegelt in weiten Teilen die Verbraucheransichten wider. So decken sich die Marktanteile der unterschiedlichen Absatzkanäle für Spielwaren weitgehend mit den Angaben der Konsumenten. So beträgt der Anteil der Fachgeschäfte am Spielwarenhandel 34,6%. Hier teilen sich hauptsächlich die Vedes Gruppe und idee+spiel mit jeweils knapp 40% den Markt. Ein Fünftel des Gesamtumsatzes wird vom SB-Handel erwirtschaftet, während die Kauf- und Warenhäuser sowie Fachmärkte einen Marktanteil von knapp 10% verzeichnen.

 

Zu den führenden Anbietern von Spielzeug im Versandhandel gehören Quelle sowie Otto Versand mit jeweils ca. 40% Marktanteil, auch wenn über den Versandhandel nur ca. 7% der Spielwaren vertrieben werden. Als große Online-Händler sind Amazon, eBay und mytoys.de zu nennen, an dem der Otto Versand zu knapp drei Vierteln beteiligt ist. 1999 als ein Online-Shop gegründet, verfolgt mytoys.de seit 2006 eine Multi-Channel-Politik durch die Eröffnung von mittlerweile sieben Filialen in deutschen Innenstädten. Im Geschäftsjahr 2007/2008 hat mytoys.de ein Umsatzwachstum von 40% auf über € 100 Millionen erzielt. Nach eigenen Angaben bietet das Unternehmen über 70.000 Produkte an, von klassischen Spielwaren über Babybedarf und Kinderkleidung hin zu Büchern, Schulbedarf und Sportartikeln. Zum Vergleich: eine Spielzeugsuche bei eBay ergibt ca. 450 000 Treffer (Abfrage im Februar 2009), von denen zwei Drittel von gewerblichen Anbietern verkauft werden. Beliebte Kategorien sind hierbei Brett- und Gesellschaftsspiele (ca. 68.000), LEGO (ca. 63.000) und Puppen (ca. 51.000).

Allerdings zeigt ein Blick in die Suchergebnisseiten im Internet, dass auch eine Vielzahl an mittleren und kleinen Anbietern im Spielwarensegment existiert. Dabei unterscheiden diese sich deutlich in Größe und Produktangebot. So offerieren die meisten kleinen Online-Händler das klassische Sortiment an bekannten Marken sowie Baby- und Kinderartikeln.

Besonderes Differenzierungspotential findet sich bei Online-Shops mit Spezialisierung auf besonders hochwertiges Spielzeug, Holzspielzeug oder pädagogisch wertvolle Spiele, wie es z. B. von weltderspielwaren.de oder presents4kids.de angeboten wird. Es findet sich auch mittelgroße Anbieter mit einer breiten Auswahl an Kategorien rund um das Kind von Spiel- und Babywaren über Lernmaterial, Bücher und Elektronikartikel, wie z. B. die Online-Shops kidoh.de oder spielzeughausen.de.

 

In der vom ECC Handel durchgeführten Studie "Internet im Handel 2008" sehen Spielwarenhändler eher geringfügige Probleme beim Handel mit Kunden über das Internet. So geben sie hauptsächlich einen hohen Zeitbedarf für die Planung und Umsetzung eines online verfügbaren Angebotes an sowie die Angst vor einem Preisverfall, der aus einer Preistransparenz und besseren Vergleichbarkeit der Produkte resultieren kann. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint es für die Händler schwieriger, eine enge und langfristige Kundenbindung aufzubauen. Diesem Problem können Händler jedoch entgegensteuern, indem sie einen Mehrwert zu ihrem Online-Angebot schaffen, wie z. B. einen besseren Kundenservice oder sich durch ein spezialisiertes Angebot differenzieren.

Fazit

Obwohl der Internethandel mit Spielwaren noch einen recht geringen Anteil am zugehörigen Gesamtumsatz ausmacht, ist es einer der am stärksten wachsenden Märkte im Distanzhandel. Neben den großen Anbietern aus dem Versandhandelssegment, wie Amazon, eBay und mytoys.de, findet sich eine Vielzahl an mittleren und kleineren Online-Spielwarenhändlern, die sich insbesondere durch differenzierte Produkte und ein spezifisches Sortiment hervorheben. So lässt sich festhalten, dass durchaus noch Potenzial für neue Mitspieler, die die Ergänzung ihres klassichen Offline-Geschäfts wagen, auf dem Online-Spielwarenmarkt vorhanden ist. Dieses gilt es durch die Besetzung von Marktnischen, wie z. B. Naturspielzeug, und die Generierung von Mehrwerten, wie sehr guten Service oder schnelle Lieferzeiten, zu nutzen.

Vortrag von Dr. Kai Hudetz auf der Spielwarenmesse in Nürnberg - als Video und kostenfreier Download

Alle Macht den Konsumenten? – Spielwarenhandel und Internet
Vortrag von Dr. Kai Hudetz auf der Spielwarenmesse in Nürnberg am 10.02.2009
Online-Handel 2009 Nürnberg.pdf
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