Probleme und Risiken bei der Vermarktung von Paid Content
Industrie forciert Digital Rights Management zur Durchsetzung des Urheberrechts
Um sich vor der ausufernden Menge an Raubkopien zu schützen, gehen Content-Anbieter zur Zeit verschiedene Wege. Sowohl wurden Hunderte von Nutzern umstrittener Tauschbörsen bereits verklagt als auch die Entwickler von P2P-Software wie Kazaa vor Gericht gebracht. Bei der rechtlichen Verfolgung der Raubkopierer findet die Musikindustrie auch Unterstützung in der Politik. Die USA haben bereits den Digital Millennium Copyright Act verabschiedet, und die EU hat eine Direktive zur Durchsetzung von Urheberrechts- und Patentansprüchen auf den Weg gebracht.
Neben der rechtlichen Unterstützung der Medienindustrie durch die Politik, wird sie auch von immer mehr Software- und Computerherstellern technisch unterstützt. Hewlett Packard bringt z. B. alle Consumer-Geräte mit einem Kopierschutz auf den Markt. In zwei neuen Plasma-Bildschirmen für digitales Fernsehen wird die sogenannte Broadcast Flag eingesetzt. Empfangene Programme können nicht auf DVD kopiert werden, wenn die Flagge gesetzt ist.
Daneben arbeitet die Industrie am Digital Right Management (DRM). Mit DRM können die Content-Anbieter entscheiden und kontrollieren, ob und wie oft ein Musikstück auf einen tragbaren MP3-Player kopiert oder auf CD gebrannt werden darf.
Problematisch ist dabei, dass jeder Anbieter sein eigenes System anbietet, welches mit den anderen nicht kompatibel ist. So setzt Apples Musikladen iTunes ein anderes DRM-System ein als Microsoft, IBM oder Real Networks. Auch sind diese System nicht sonderlich sicher, wie der norwegische Hacker Jon Lech Johansen zeigte, der mit einem 200 Codezeilen langen Programm den iTunes-Kopierschutz umging.
Einerseits werden die Nutzer durch die verschiedenen DRM-Formate verunsichert, andererseits fühlen sich die Content-Anbieter immer noch nicht genug geschützt. Deshalb haben die Mitglieder der Trusted Computing Group einen Sicherheitschip entwickelt, der absolut sicher sein soll.
Bei all diesen Verfahren wird der Kunde immer stärker von der Medienindustrie kontrolliert. Sie bestimmt, ob und wie oft der Kunde die Songs aus dem Internet-Musikladen kopieren darf. Daher wächst auch der Widerstand gegen diese Verfahren. Georg Greve, Präsident der Free Software Foundation Europe, meint etwa, dass der Computer seinen Besitzer durch Trusted Computing hintergehe. Wer ohne Trusted Computing auskommen will, wird dann in Zukunft keinen Zugang mehr zu den Medienangeboten der großen Konzerne haben. Damit bleibt dem Nutzer nur die Wahl zwischen Hollywood und der Freiheit.
(Quelle: o.V.: Hollywood oder Freiheit, in: WISU-Magazin, 06/04, S. 724)
