Beim Computer-Hersteller Dell beginnen Mitarbeiter schon 19 Minuten nach Eingang der Bestellung damit, den Wunsch-Rechner aus den einzelnen Bauteilen zu konfigurieren. Damit ist Dell ein beliebtes Vorzeigebeispiel in Sachen Supply Chain Management (SCM). Angekommen ist das Thema mittlerweile auch bei den Vorständen, die von Consultern erfahren haben, welche Einspar-Potenziale hinter SCM stecken. Während es Dell gelungen ist, die Prozesskette zu den Lieferanten ohne Medienbrüche zu knüpfen, sieht die Praxis andernorts meistens noch ganz anders aus. "Unternehmensintern müssen noch recht viele Hausaufgaben gemacht werden", weiß Andreas Beutel, Sales-Manager des Marktplatzbauers Commerce One.
So fehlen den proprietären Systemen die notwendigen Schnittstellen für die externe Vernetzung. Und auch die internen Prozesse sind nicht ausreichend automatisiert. Grund: Nur 48 Prozent der deutschen Großbetriebe verfügen über einen Supply Chain Manager.
Ins Schwitzen kommen die Logistikpartner der Marktplätze bisher nicht. Stinnes - exklusiver Dienstleister von zehn Marktplätzen - will noch keine Transaktionszahlen nennen.
Trotz der Kinderkrankheiten, mit denen sich Unternehmen beim Supply Chain Management noch herumschlagen, wird für viele bislang klassische Logistik-Dienstleister der neue Begriff des E-Logistik-Providers zunehmend real. Wenn es diesen Providern gelingt, Transparenz auf den Logistik-Märkten zu schaffen und sämtliche Prozesse elektronisch darzustellen, werden sie künftig die kompletten Beschaffungs- und Lieferketten der Unternehmen steuern.
(Quelle: eMarket 15/01, 12.04.2001, S. 30)
Die Berater-Unternehmen versprechen unglaubliche Einsparungsmöglichkeiten, so sagt eine Studie von Bain & Co. Einsparungen für deutsche Unternehmen von ca. 50 Mio EUR voraus.
Für mittelständische Firmenchefs ergibt sich ein Dilemma. Sie werden von den Großabnehmern in die Nutzung von Supply Chains gedrängt, doch das kostet Geld und unternehmerische Entscheidungsfreiheit.
Nach Meinung von IDS-Scheer kommt man mit wenigen Schritten aus dieser Situation heraus. Erstens müsse geprüft werden, ob die Firma nach Branche, Größe und Produktionsart überhaupt SCM-tauglich ist. Trifft dies zu, ist zu klären, welches Modell den größten Nutzen bringt. Sollte ein festes Netzwerk zwischen den Partnern geknüpft werden oder eher ein Internet-Portal mit einem entsprechenden Zugang für den Besteller. Zweitens ist auf die Konditionen zu achten, wenn man in Verhandlung mit Großabnehmern bzgl. SCM geht.
Mindestens 250 TDM kostet die Einbindung einen Zulieferer, wenn ihm der große Partner eine teure Software-Lösung aufzwingt. Bei größeren Firmen kann das schnell in Millionenbeträgen enden.
Doch die Einsparungspotenziale sind da. Zum einen werden die Lagerkosten reduziert. Die Planung ist genauer und somit kann die Termintreue immens erhöht werden. Wenn das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen stimmt, dann sollte einer SCM-Lösung nichts mehr im Wege stehen.
(Quelle: Impulse, 10/2001, S. 70-75)
