Trends & Hintergründe zum Handel über eBay
Verkäufer mit Top-BewertungenMit Wirkung zum 01.10.2009 hat eBay neue Mindeststandards für Powerseller vereinbart. Das bisherige Powerseller-Logo neben dem Mitgliedsnamen wird zukünftig durch das Gütesiegel "Verkäufer mit Top-Bewertungen" ersetzt und automatisch auf den Artikel- und Profilseiten platziert. Das neue Gütesiegel ist Ausdruck für ein hohes Serviceniveau und eine hohe Vertrauenswürdigkeit. Um sich für das neue Siegel zu qualifizieren, muss ein Mindestvolumen von 100 Transaktionen in den letzten zwölf Monaten aufgewiesen werden können. Zusätzlich müssen die neuen Mindeststandards eingehalten werden. Diese orientieren sich an der Anzahl der niedrigen detaillierten Bewertungen, bspw. in den Kategorien "Artikel wie beschrieben" und "Verpackungs- und Versandkosten". Eine Übersicht über die Qualifikationsbedingungen gibt folgende Darstellung:
Um unterschiedliche Transaktionsvolumina zu berücksichtigen, erfolgt ein Ausschluss als Verkäufer mit Topbewertungen erst, wenn sowohl die prozentuale als auch die absolute Grenze für die Anzahl an niedrigen Bewertungen in den Kategorien überschritten wird. Werden diese Grenzen jedoch eingehalten, profitieren die Verkäufer mit Top-Bewertungen von attraktiven und exklusiven Angeboten.
- Gebührenrabatte bis zu 30 Prozent,
- Besonders bevorzugte Platzierung in Suchergebnissen, die nach "Beliebteste Artikel" sortiert sind,
- Exklusive Buchung der Zusatzoption "Premium-Angebot in Kategorie und Suche",
- Das neue Gütesiegel "Verkäufer mit Top-Bewertungen".
Die Qualifikationsbedingungen gelten seit Oktober 2010, die neuen Rabatte für Powerseller gelten ab dem 16.01.2010. Die komplette Umstellung wird in einem Zeitraum von 5 Monaten vollzogen sein.
Die neue Regelung mit dem Fokus auf niedrigen detaillierten Bewertungen trifft auch private Verkäufer. Können die Mindeststandards nicht eingehalten werden, werden die eigenen Produkte bei der Angebotssuche weiter hinten platziert. Der Vorteil dieser Änderung liegt darin begründet, dass entgegen der bisherigen Qualifikation zum Power-Seller nicht nur der Umsatz, sondern die tatsächlichen detaillierten Bewertungen und damit die Vorbildlichkeit eines Verkäufers in den Fokus gerückt wird. Das absolute Kriterium der maximalen Anzahl an niedrigen Detailbewertungen führt dazu, dass auch kleinere Anbieter mit mindestens 100 Bewertungen oder mehr ausreichend berücksichtigt werden. Sie dürfen sich gemäß den Vorgaben 2 niedrige Bewertungen erlauben und können sich dennoch als Verkäufer mit Top-Bewertungen qualifizieren. Kritisch zu betrachten ist die weitere Zunahme der Abhängigkeit der Händler von den Käuferbewertungen. Uneinsichtige und erpresserische Käufer können weiterhin kleine Händler unter Druck setzen, um ihre Eigeninteressen zu verfolgen.
Neben der umfassenden Neuerung der Powerseller-Struktur hat eBay weitere Maßnahmen ins Leben gerufen, mit dem Ziel den Marktplatz kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Die Suchfunktion wird zukünftig mehr Relevanz und Qualität beinhalten. Dies wird neben der bevorzugten Listung der Angebote von Top-Verkäufern durch den Wegfall von Zusatzfunktionen, wie Rahmensetzung und Fettschrift, erreicht.
Diese können zukünftig einfacher überarbeitet werden. In einem Schritt ist es möglich, die Beschreibung von über 200 Artikeln simultan zu ändern, unabhängig vom Angebotszustand.
Das sensible Thema der Versandkosten wurde ebenfalls von eBay reformiert. In den beliebten Medienkategorien Bücher, CDs und DVDs muss der Erstversand kostenlos sein. Kostenpflichtige Express- und Auslandszustellungen sind weiterhin möglich. Laut eBay hat sich durch Tests in Großbritannien gezeigt, dass die Pflicht zum kostenlosen Erstversand positiv von den Kunden wahrgenommen wird und sich in häufigeren Käufen und einer höheren Preisbereitschaft niederschlägt. Diese Beobachtung gilt jedoch vorwiegend für gewerbliche Verkäufer und vernachlässigt die negative Anreizfunktion für private Verkäufer. Letztere verkaufen Bücher zumeist gebraucht mit einem Startpreis von einem Euro. Durch den Wegfall der Versandkosten besteht die Möglichkeit eines Verlustes des Verkäufers, trotz eines erfolgreichen Kaufabschlusses. Diese Tatsache kann zu einer sukzessiven Verdrängung privater Angebote in diesen Kategorien führen und eine Abwanderung von privaten Verkäufern zu anderen Plattformen bewirken.
Eine weitere Neuerung stellt die effizientere Gestaltung der E-Mail-Kommunikation zur Problemklärung von säumigen Käufern dar. Die Bearbeitungszeit von entsprechenden Anfragen wurde von 60 auf 30 Tage gekürzt.
Das ehemalige Kleinanzeigenportal Kijiji wurde umgewandelt in eBay Kleinanzeigen. Die Funktion des Portals bleibt jedoch erhalten und soll von der Angliederung an den Marktplatz profitieren. Im Fokus steht der persönliche Handel mit regionalen Produkten ohne aufwändige Artikelbeschreibungen. Durch die Möglichkeit, auf diesem Wege Schnäppchen zu finden, soll das neue Portal den Flohmarktcharakter von eBay betonen, welcher durch die hohe Anzahl an Festpreisangeboten zuletzt stark gelitten hat. Stellt diese Neuerung im Kern eine Verbesserung der Kleinanzeigenstruktur dar, verhilft auch sie dazu, private Angebote von der Hauptplattform abzuziehen und ins Kleinanzeigenportal zu integrieren.
Die Neuerungen tragen in ihrer Gesamtheit dazu bei, den Handel über eBay effizienter, schneller und sicherer zu machen. Die exklusiven Vorteile eines Verkäufers mit Top-Bewertungen stellen einen Anreiz für Powerseller dar, ihren Qualitäts- und Servicelevel kontinuierlich zu überprüfen und zu verbessern, um die restriktiven Vorgaben zu erfüllen. Auf der anderen Seite beeinträchtigen die Neuerungen private Anbieter und können zu einer weiteren Verdrängung privater durch gewerbliche Angebote führen. Unter Berücksichtigung der Doppel-Identität privater Verkäufer als Käufer über eBay, kann eine Abwanderung dem Portal wichtige Umsatztreiber entziehen und die negative Umsatzentwicklung von eBay bestätigen.
Quellen:
- Paßmann, Mike; Lemser, Tobias: Neue Mindeststandards beim Onlinemarktplatz Ebay, Die Welt, 19. Oktober 2009.
- Andreas Heid, 27.01.2010.
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Der Online-Handel in Deutschland ist gereift und kann mit guten Umsatzzahlen beeindrucken. Nach Prognosen des Hauptverbands des deutschen Einzelhandels (HDE) wird 2009 ein Umsatzvolumen im Online-Handel in Höhe von 21,9 Milliarden Euro realisiert werden können. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von 9,5 Prozent. (Siehe auch: Wachstumstrend im E-Commerce setzt sich durch) Demnach sind auf dem deutschen eBay-Marktplatz 150.000 gewerbliche Händler registriert und handeln jährlich mit Waren im Wert von mehr als 3 Milliarden Euro. Diese Zahlen sind bekannt, doch nun veröffentlicht eBay erstmals interessante Kennzahlen im „ Online-Business-Barometer". Der Online-Business-Barometer ist eine im Auftrag der eBay GmbH entstandene Studie, die einen Überblick über den deutschen Online-Handel gewährleisten soll und in Zukunft regelmäßig erscheinen wird. Das unabhängige Londoner Marktforschungsinstitut FreshMinds hat zu diesem Zweck 701 Online-Händler, die u.a. ihre Waren über eBay anbieten und damit einen jährlichen Mindestumsatz von 100.000 Euro realisieren, befragt und unter Verwendung von unternehmensinternen eBay-Daten ausgewertet. Die umfassende Studie legt den Fokus auf den Online-Handel und hebt die Bedeutung des aufstrebenden Wirtschaftssektors hervor.
Die Auswertung der Studie hat ergeben, dass die befragten Händler im Schnitt jährlich 412.000 Euro über eBay umsetzen. Insgesamt erzielen sie über den Online-Marktplatz 54 % ihres Umsatzes, 10% über andere Online-Marktplätze, 16 % über eigene Online-Shops und 17% über eigene Ladengeschäfte. Eine wichtige Erkenntnis ist laut Geschäftsführer der eBay GmbH Dr. Stephan Zoll, „dass Onlineverkauf und Einzelhandel nicht im Widerspruch stehen, denn über die Hälfte der befragten Onlinehändler betreibt zusätzlich ein oder mehrere Ladengeschäfte." 60% der Händler sind sogar davon überzeugt, dass ein stationäres Geschäft ergänzt um Online-Aktivitäten zukunftsfähiger ist, als ohne die zusätzliche Nutzung des Internet- Vertriebskanals. 63% der Händler haben ihre Umsatzerwartungen aus den letzten zwölf Monaten realisieren können und blicken somit optimistisch in die Zukunft. Die Hälfte rechnet auch im Jahr 2009 mit Umsatzerhöhungen.
Erwartungen für das 4. Quartal 2009
Ein Grund für die stabile Entwicklung der Umsätze in einer doch recht schwierigen wirtschaftlichen Situation könnte das organische Wachstum aus eigener Kraft sein. 86% der Unternehmen existieren bereits seit über 3 Jahren, 36% von ihnen sogar über 10 Jahre. Mehr als 80% betreiben auch seit mehr als 3 Jahren Handel über das Internet. Hervorschnellende Unternehmungen mit anfangs hohen Umsatzzahlen sind in der langen Frist nicht zu beobachten. Das Umsatzwachstum wird durch die bereits etablierten Händler generiert. Ein weiterer Grund ist sicherlich die Flexibilität der Online-Händler, die sich in der schnellen Anpassungsfähigkeit an geänderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen widerspiegelt. So, reduziert jeweils ein Viertel die Betriebskosten, passt das Sortiment an oder stellt Investitionen vorerst zurück.
Einen detaillierten Einblick gibt die Studie in die Exportgeschäfte der in Deutschland registrierten eBay-Händler. Insgesamt exportieren die deutschen Online-Händler Waren im Wert von 430 Millionen ins Ausland. Der größte Importeur ist dabei Österreich mit 33,9 %, gefolgt von Frankreich mit 12,5% und Italien mit 8,9%. Ein hohes Wachstum an Online- Importen aus Deutschland konnten im Jahre 2008 die neuen EU-Staaten verzeichnen. Polen mit einer Wachstumsrate von 105% und Tschechien mit 91% Wachstum liegen damit weit vorne. Doch auch andere EU-Staaten können mit positivem Wachstumsraten begeistern. Negativ ins Gewicht, fällt die Entwicklung der Exporte in die Vereinigten Staaten und nach Großbritannien mit mindestens 20% Rückgang an Online- Importen aus Deutschland. Diese Entwicklung kann durch die Abwertung des Dollars bzw. des britischen Pfunds gegenüber dem Euro erklärt werden.
Export-Spitzenreiter
Deutschland ist mit 430 Millionen Euro Umsatz aus Online-Geschäften Export-Europameister. Mit 300 Millionen Euro folgt Großbritannien, Frankreich mit 40 Millionen Euro und Italien mit 30 Millionen Euro. Größte Hindernisse beim Online- Export sind dabei die höheren Versandkosten und die oftmals intensive Auseinandersetzung mit den Zollvorschriften.
Die erste Ausgabe des Online-Business-Barometers zeigt sehr ausführlich die demografischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf und gewährt Einblicke in die genauen Strukturen der deutschen eBay Online-Händler. Mit dem Fokus auf die wichtigen Branchenkennzahlen und der regelmäßigen Erscheinung des Online-Business-Barometers ist ein Grundstein gelegt worden um den deutschen Online-Handel über eBay vorzustellen und die aktuellen Themen und Entwicklungen im Überblick zu behalten.
Quellen:
Autor:
- Andreas Heid, 04.11.2009
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Nur ein Wimpernschlag und ein weiteres Paar Turnschuhe verlässt den virtuellen Auktionstisch, diesmal: ****Geile_Schuhe_Bullion_Blau_Gr._42_NEU_OVP_***** OVP heißt hier originalverpackt. Der Preis: 26,03 Euro. Glaubt man der unverbindlichen Preisempfehlung von 99 Euro, hat der Käufer gerade ein echtes Schnäppchen gemacht. Weiter geht's im Sekundentakt: Marken-Handy, Zahnbürste, Lastenkran, Operations-Besteck, eine Luxusyacht, selbst die Hauptrolle in einem Kinofilm wird auf eBay meistbietend vergeben. Auch wenn Spaßvögel in der bunten eBay-Gemeinschaft stets die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen - mit Versteigerungen, wie dem Inhalt eines Kühlschranks (zwei angebrochene Ketchupflaschen, Bierdose originalverpackt, Eier im Karton Typ 1 (Freiland)...) - soll dies nicht den Blick darauf verstellen, dass eBay zu einem der wichtigsten Absatzkanäle für Händler geworden ist.

Rund 10.000 professionelle Verkäufer bewegen sich täglich im bunten Kosmos von eBay und verdienen als Powerseller ihren Lebensunterhalt. Viele der Konsumenten, die ihre nicht mehr benötigten Gegenstände auf dem Online-Auktionsportal untereinander austauschten, machten ihr Hobby zum Beruf. Mehrere Tausend Euro setzten sie fortan mit Artikeln aller Art um, was ihnen von eBay den Status als Powerseller einbrachte. Auch der stationäre Handel entdeckte eBay als zusätzlichen Absatzkanal und machte aus dem einstigen Flohmarkt eine riesige Verkaufsbühne. Alle zwei Sekunden wird ein Kleidungsstück verkauft, alle 13 Sekunden ein Roman, alle drei Minuten ein Notebook, alle sechs Minuten ein Gartenzwerg. Die Deutschen halten auf eBay ein riesiges Nachfragepotential bereit. Die Angebote der Händler treffen auf 17,7 Millionen Nutzer, die sich im Schnitt mehr als drei Stunden im Monat auf eBay aufhalten. Die Online-Plattform ist damit die am häufigsten aufgerufene Seite in Deutschland. Kaum ein Produkt sucht der Internet-Surfer hier vergebens, auch der Industriegütermarkt ist mit eigenen Produktkategorien vertreten. Rund 5 Milliarden US-Dollar werden jährlich mit gehandelten Waren auf eBay.de umgesetzt. Der Großteil der Transaktionen dürfte auf das Konto von professionellen Verkäufern gehen, die nach Angaben von eBay rund 5 Prozent der Nutzerschaft ausmachen. Und immer mehr und immer größere Händler drängen auf den Auktionsplatz. Damit wächst der Konkurrenzdruck auf eBay zunehmend. Geringer werdende Margen müssen dann oft durch erhöhte Absatzmengen ausgeglichen werden. Trotzdem schaffen es auch kleinere Anbieter, mit geschickten Strategien und innovativen Konzepten Wettbewerbsvorteile auf eBay zu erzielen. Oft müssen dafür neue Wege beschritten werden.
So tummeln sich professionelle Anbieter in jüngerer Zeit zunehmend auch auf dem großen Markt der privaten Anbieter. Als Verkaufsagenten versteigern sie Waren im Auftrag ihrer Kunden und übernehmen die gesamte Abwicklung auf eBay. Mit diesem Service erreichen die neuen Dienstleister eine Zielgruppe, die keinen Zugang zum Internet hat oder denen das Versteigern bislang zu mühsam war. Doch auch ohne diese Neuankömmlinge hat der Austausch auf eBay ein beachtliches Ausmaß angenommen, wie 2003 eine Meldung der Deutschen Post verdeutlichte. Über 17 Prozent der Privatkundenpakete, gab Postchef Klaus Zumwinkel bekannt, enthielten Gegenstände, die zuvor bei eBay gehandelt wurden. Fast schon unheimlich, wenn man bedenkt, dass eBay erst vor fünf Jahren den deutschen Markt betrat.
Die Geschwindigkeit, mit der die Deutschen vom Auktionsfieber befallen wurden, gleicht schon fast der einer Invasion. 1999 kaufte eBay das neugegründete Auktionsportal Alando.de und baute es zum deutschen eBay-Marktplatz um. 50.000 Nutzer hatte Alando zu diesem Zeitpunkt innerhalb von nur 100 Tagen gewonnen. Und in diesem Tempo ging es auch in den folgenden Jahren weiter. Dabei konnte eBay als Quasi-Monopolist auf dem Markt für Online-Auktionen seinen Umsatz jährlich mehr als verdoppeln. 2003 waren es weltweit 2,2 Milliarden Dollar und der Trend scheint ungebrochen, wie Empirische Ansätze und Prognosen zu eBay zeigt. Laut einer Studie von Young & Rubicam, die den Bekanntheitsgrad und das zukünftige Potential von Unternehmen bei den Konsumenten ermittelt, ist eBay 2003 zur populärsten Marke in Deutschland geworden. Dabei hatte das Online-Portal große Marketingaufwendungen bis dahin eher gescheut. Erst im November 2003 erreichte Fernseh-Werbung von eBay erstmals die einheimischen Wohnzimmer.
Mit subtilen Marketingkampagnen schuf das Unternehmen ein Bild des weltweiten Online-Marktplatzes, auf dem jeder mit jedem handeln kann, wie Nerses Chopurian von eBay im Interview formuliert. Tatsächlich sind die Hürden, um sich als Händler selbstständig zu machen, bei eBay vergleichsweise gering. Mit gezielten Maßnahmen versuchte das Management um Geschäftsführer Philipp Justus professionelle Händler immer stärker einzubeziehen. Das Powerseller-Zertifkat, das durchgehend positive Bewertungen von ehemaligen Kunden bei hohen Umsätzen bescheinigt, soll dem Händler einen Vertrauensvorsprung bei neuen Käufern geben. Konzepte, wie der eBay-Shop zur individuellen Präsentation von Produkten eines Händlers und Werbemaßnahmen für bestimmte Produktkategorien, haben dafür gesorgt, dass die Bedeutung von eBay für den Handel ständig zugenommen hat. Gleichzeitig hat eBay auch die Gebühren und Provisionen, mit denen es sich finanziert, kräftig angehoben. Konkurrenzplattformen, wie keine Alternative an ebenbürtigen Auktionsplattformen im Internet, so dass sie in der eBay-Welt ihren Erfolgsweg finden müssen.
Mitten in der Wirtschaftsflaute sprießen die Verkaufsagenten in deutschen Städten nur so empor. Das Geschäft brummt, so auch bei Smartsellers. Kaum wurde das erste Ladenlokal in Köln im März 2004 eröffnet, sollen auch schon zwei weitere Geschäfte folgen, eines davon sogar in der gleichen Stadt. Momentan ist die Wirtschaftslage nun einmal so, dass man seine überflüssig gewordenen Gegenstände nicht mehr lange im Keller herumliegen lässt, erklärt Inhaberin Nicole Kurek den Andrang der Kunden. Ganz unterschiedliche Menschen betreten täglich ihr Ladengeschäft und erfahren dann einen umfassenden Service vom Fotografieren der Gegenstände bis zur Abwicklung des Verkaufs. Auf Wunsch können sie mithilfe des Software-Tools Ándale auch kompetent über den optimalen Startpreis beraten werden und bekommen eine Einschätzung darüber, welcher Gebotspreis am Ende der Auktion erzielt werden kann. Für das Basispaket berechnet Smartsellers eine Gebühr von 5 Euro und eine Provision von bis zu 25 Prozent, was im bundesweiten Vergleich etwa dem Durchschnitt entspricht. 17.900 Anbieter haben sich bei eBay als Verkaufsagenten registriert. Die meisten versteigern fremdes Eigentum bei eBay, um ihr eigentliches Tagesgeschäft besser auszulasten. Einen steigenden Wettbewerbsdruck spüre sie aber kaum, sagt Nicole Kurek, schließlich habe sie ihre festen Stammkunden. Viele Kunden verkaufen anfangs eher kleine Gegenstände und lassen dann irgendwann sogar ihr altes Auto über uns versteigern, erklärt sie im Praxisbeispiel.
Während Smartsellers nach eigenen Angaben bereits rentabel arbeitet, musste Musikfachhändler Matthias Niedzwetzki zunächst dicke Felsbrocken aus dem Weg räumen. Rund zehn Jahre lang versuchte er erfolglos sein Musikgeschäft in Neubrandenburg zu beleben. Da aber nur wenige Kunden sein Geschäft in der strukturschwachen Region besuchten, gründete er bald einen Versandservice, später dann einen Online-Shop. Beide Versuche scheiterten wegen dem schlechten Image der Gegend, wie Niedzwetzki heute sagt. Der passionierte Hobbymusiker gab aber nicht auf. Schließlich kam der langersehnte Durchbruch, als er relativ früh das Absatzpotential für Powerseller bei eBay entdeckte. Dabei beherzigte er die grundlegenden Regeln, um auf eBay erfolgreich zu verkaufen: Er gestaltete aufwändige Beschreibungen zu seinen angebotenen Produkten und arbeitete an einem professionellen Erscheinungsbild bei eBay. Dies ließ die Umsätze von Music-Town schnell steigen. Um sein Bewertungsprofil zu festigen, baute er sein Musikgeschäft in eine Dienstleistungszentrale um, bei der eingehende Fragen seiner Kunden rund um die Uhr beantwortet werden. Wie für viele andere Powerseller ist eBay für den Musikfachhändler der zentrale Vertriebskanal seiner Produkte.
Viele Powerseller empfinden die sukzessive angehobenen Gebühren und Provisionen bei eBay als zu hoch. Wegen der gestiegenen Kosten könnten zukünftig Internet-Shops einzelner Anbieter seiner Ansicht nach wieder wichtiger werden. Auch Verkaufsagentin Nicole Kurek sagt: Die Preise sind saftig. Besonders ärgerlich aus ihrer Sicht ist die strikte Preispolitik von eBay, die auch bei hohen Umsätzen keine Rabatte vorsieht. Nerses Chopurian von eBay hält dagegen: Gerade das macht eBay so spannend: Für alle Teilnehmer am Handel gelten die gleichen Regeln. Nicht die Größe eines Händlers solle über Erfolg und Misserfolg am eBay-Marktplatz entscheiden, sondern Faktoren wie Preis, Qualität und Service.
Betrugsfälle bei eBay drastisch angestiegen und ähnlich lauten die zahlreichen Presseartikel in jüngerer Zeit, die eBay-Nutzer verunsichern. Entscheidend dabei ist die Frage, ob Betrug ein besonderes Problem auf eBay darstellt oder generell zu den Begleiterscheinungen des E-Commerce beziehungsweise des Versandhandels zu zählen ist. Tobias Dietrich und Detlef Seese von der Universität Karlsruhe unterscheiden daher zwischen Betrugsmethoden, die eBay-spezifisch sind und solchen, die überall im Internet-Handel auftreten können. Betrugsmethoden, wie Vorkasse ohne Lieferung, Passwortdiebstahl, Handel mit Hehlerware oder Betrug beim Treuhandservice kommen in der Wirtschaftsrealität auf mehreren Handelsplätzen vor und sind daher nicht eBay-spezifisch.
Typische Probleme und Risiken beim eBay-Handel können allerdings auch aufgrund der besonderen Beschaffenheit des Online-Marktplatzes auftreten: So sind irreführende Artikelbeschreibungen vorzufinden, bei denen zum Beispiel gerne die Originalverpackung ohne das Produkt versandt wird. Vorgetäuschte Seriosität durch fingierte Bewertungen oder eigenes Mitbieten beim Preis sind weitere typische Betrugsmethoden auf eBay. Auch Widerrufs-, Rückgabe- und Gewährleistungsrechte werden gerne verschwiegen. Zudem ermitteln immer mehr Internetfahnder gegen Schwarzhändler, die durch Betrug die fälligen Steuerzahlungen umgehen möchten. So sind rechtliche und steuerliche Aspekte beim Handel auf eBay stets zu beachten.
Auch Verkäufer können Scheinbietern zum Opfer fallen, welche die Ware erst ersteigern, dann aber nicht abnehmen. Bei unversicherten Paketen besteht zudem die Gefahr, dass der Erhalt des Kaufgegenstands verleugnet wird. Durch einfache Maßnahmen können sich Käufer und Verkäufer gegen Betrügereien dieser Art zumindest teilweise schützen. eBay hat auf die zunehmende Zahl von angezeigten Rechtsverletzungen von Marken und geschützten Inhalten reagiert, indem es das sogenannte Vero-Programm eingeführt hat. Damit soll der Verkauf von Raubkopien und Marken-Plagiaten auf eBay verhindert werden. Jedoch müssen auch hier die rund 5.000 teilnehmenden Unternehmen die Fahndung nach Missbrauchsfällen selbst in die Hand nehmen.
Vielleicht muss sich der einstige New-Economy-Zwerg erst noch daran gewöhnen, dass er zum Riesen geworden ist. Denn durch die schnelle Verwandlung steht eBay auf einmal vor den Problemen eines Großunternehmens. Zwar sind bei eBay Deutschland nur etwa 550 Mitarbeiter beschäftigt, diese sind durch einen Vorstoß der Gewerkschaft Ver.di aber in helle Aufregung versetzt worden. Auf der Online-Plattform epay.tv wurden von der Organisation und einigen Mitarbeitern größere Mitspracherechte gefordert. Größter Kritikpunkt ist die permanente Überwachung der Mitarbeiter durch ein Software-Überwachungsprogramm und eine darauf basierende Leistungs- und Verhaltensbewertung. Auch ausufernde Arbeitszeiten und unterdurchschnittliche Bezahlung wurden bemängelt. Der Betriebsrat von eBay verteidigte die Personalpolitik, da die Mehrheit der Mitarbeiter mit den Arbeitsbedingungen zufrieden ist.
Aber auch von anderen Seiten werden Forderungen an eBay lauter. So ist bei Powersellern die Rede davon, sich in einer Interessengemeinschaft zusammenzutun, um Einfluss auf die Rahmenbedingungen des Handels auf eBay ausüben zu können. Und auch wenn sich eBay dem Handel versöhnlich als Partner für Restposten und Remittenden anbietet, wird die Zusammenarbeit von eBay mit dem Versandhandelsriesen Quelle oder Herstellern, wie Lego, Sony, IBM oder Hewlett-Packard argwöhnisch beäugt. Das Unternehmen gibt sich davon unbeeindruckt. Es will weiterwachsen. Neue Märkte im Anzeigengeschäft mit Autos sind durch den Kauf von mobile.de erschlossen. Zudem ist auf dem Online-Marktplatz eBay.de ein Anzeigenportal für Immobilien entstanden. Mit der neuen Produkt-Kategorie Digital Downloads bereitet das Unternehmen in den USA den Einstieg in das Musikgeschäft vor. Auch geografisch gesehen wird eBay immer größer. In 28 Ländern ist das Unternehmen bereits vertreten. Und mit dem Aufkauf zweier Portale sollen die Wachstumsmärkte in China und in Indien in Zukunft ähnlich durchdrungen werden wie hier in Deutschland. Frei nach dem Werbeslogan: 3...2...1...meins!
Nicht nur für das Tagesgeschäft, auch um echte Dramen mitzuerleben, lohnt sich der Besuch bei eBay. Bei der Auktion mit dem mysteriösen Titel 'Sie hat es getötet!!! Audi 100 2.0E BJ `88' wurden zahlreiche eBay-Nutzer Zeugen eines ausufernden Ehe-Kriegs. Nachdem seine Ehefrau den gemeinsamen Wagen endgültig schrottreif gefahren hatte, versteigerte eBay-Nutzer bauer_sorglos ihn noch am gleichen Tag auf der Auktionsplattform; wohl vor allem um sich ausgiebig über ihr angebliches Fahrverhalten auszulassen. So erklärt er in der Produktbeschreibung der Auktion, wie es zu den zahlreichen Dellen, Schrammen und Kratzern gekommen sei. Ein Zitat: Dann musste ich live miterleben, dass man auch Rückwärts fahren kann, ohne nach hinten zu schauen. Meine Frau hat's gemacht! Schließlich ließ er seiner Wut freien Lauf: Unser Auto ist aufgeschlitzt. Ist auch auf Bildern dokumentiert. Das ist unglaublich. Fahren kann sie nicht, aber mir vorschreiben, dass ich mich auf der Toilette hinsetzen soll. Damit war der Männer-Stammtisch eröffnet. Bauer_sorglos veröffentlichte die massenhaft bei ihm eingehenden E-Mails mit zum Teil äußerst niveaureichen Tipps, wie: Kauf deiner Frau nen fiat uno.
Schließlich glaubte er doch noch versöhnlich einlenken zu können: Scheidung steht nicht zur Debatte. Ich hoffe mein Herzblatt sieht das nach sieben Jahren Ehe auch so ;-) Zu spät! Seine Frau war auf die Auktion aufmerksam geworden und hatte ebenfalls eine Versteigerung gestartet. Verkaufsgegenstand: Ihr lästernder Ehemann. Diesen bot sie symbolisch als eine mit mächtig viel Zorn beladene, beschimpfungsverwöhnte, hölzerne Voodoopuppe an, mit dem humorvollen Zusatz: habe professionelle Verhexungsarbeit geleistet. Zumindest in finanzieller Hinsicht waren beide Auktionen erfolgreich: Das verschrottungsreife Auto erhielt ein Schlussgebot von 525 Euro, die Holzpuppe immerhin von 137 Euro. Vielleicht reicht das ja für einen Versöhnungsurlaub.
(2005)
Das Bewertungsprofil - von Power-Sellern bei eBay wird es als eine entscheidende Quelle des wirtschaftlichen Erfolgs betrachtet. Wie intensiv die mittlerweile 12.000 professionellen Händler auf dem deutschen Ableger der Auktionsplattform über ihre gute Bewertung wachen, machen Gerichtsverfahren deutlich, die mit konstanter Regelmäßigkeit ein großes Medienecho entfalten. Bei diesen Verfahren versuchen Verkäufer üblicherweise, die Löschung (zuweilen vermeintlich) falscher Bewertungen von Kunden oder negativer Bewertungen von als Kunden getarnten Konkurrenten zu erwirken. Verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass einzig die Bewertung dem Kunden einen Maßstab für die Seriosität des Anbieters auf dem deutschen Online-Auktionsmarkt mit seinem Jahresumsatz von mehr als 8,5 Milliarden US-Dollar bietet.
Dass die Bewertung eine Bedeutung für die Kaufentscheidung hat, wird durch die Ergebnisse eines Experiments mit Studenten aus München und Ilmenau veranschaulicht (siehe Grafik). Doch ist Seriosität und ihr konkreter Einfluss auf den erzielbaren Verkaufspreis nur schwer messbar und oft kaum von den übrigen Einflussfaktoren der Kaufentscheidung zu trennen.

Hier ergibt sich eine Win-Win-Situation zwischen der Wissenschaft, für die Internetplattformen wie eBay oder Amazon ideale Bedingungen für 'Feldversuche' bietet und die Bieter, die deren Ergebnisse zur Optimierung ihres wirtschaftlichen Handelns nutzen können. Für wissenschaftliche Studien bietet der Online-Auktionshandel den Vorteil, dass sich Anbieter und Kunde in der Regel nicht kennen und nur über eine standardisierte Eingabemaske ihre Entscheidung treffen. Wenn man sich weiterhin bei der Betrachtung auf Massenware beschränkt, bei der es zwischen den einzelnen Artikeln keine qualitativen Unterschiede gibt, ergibt sich eine Situation, in der man sich unter Ausschluss der meisten anderen Einflussfaktoren einzig auf die Bedeutung der Bewertung konzentrieren kann.
Dabei dürften die Ergebnisse einer neuen Studie zu diesem Thema gerade bei Power-Sellern auf großes Interesse stoßen. In dieser im Mai 2006 veröffentlichten Studie wurden 313 Auktionen mit Neu-DVDs unter ebay.de zwischen November und Dezember 2005 untersucht. In der Studie wurde ein messbarer Zusammenhang zwischen dem prozentualen Anteil der negativen an allen Bewertungen und dem erzielten Verkaufspreis festgestellt. Oliver Gürtler und Christian Grund, Wissenschaftler der Universität Bonn und der RWTH Aachen, prüften dabei die unterschiedlichen Bewertungsansätze, die auf ebay.de zu Verfügung stehen, insbesondere die absolute Anzahl negativer Bewertungen sowie ihr prozentualer Anteil.
Betrachtet wurden Neu-DVDs von den sechs populären Neuerscheinungen Star Wars, Madagaskar, Fantastic Four, War of the Worlds, Kingdom of Heaven und Batman begins. Die Wahl von Neu-DVDs sicherte die oben beschriebene Gleichwertigkeit der Ware. Durch die Betrachtung unterschiedlicher Filmtitel wollte man den Einfluss von 'Filmeffekten' auf die Untersuchung weitestgehend verringern.
Die Verkäufer der betrachteten Auktionen hatten in ihrer negativen Bewertung eine Spannweite von 0 bis 6,7 Prozent, wobei die Wissenschaftler dies als ein gutes Abbild der tatsächlichen Spannweite von Bewertungsprofilen bei eBay ansehen. Bei höheren prozentualen Anteilen gehen sie davon aus, dass die Verkäufer eine neue Identität bei eBay anlegen. Somit wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass Bewertungen bei eBay in aller Regel positiv ausfallen. Nur bei massiver Vertragsverletzung wie ausbleibender Lieferung oder starker Abweichung der gelieferten Ware von der Beschreibung wird die Möglichkeit einer negativen Bewertung genutzt. Deshalb reichen schon wenige negative Bewertungen, um eBay-Käufer misstrauisch zu machen.
Ein weiterer Erklärungsansatz für den (zu) hohen Anteil positiver Bewertungen wird nach einer Studie von Resnick und Zeckhäuser aus dem Jahr 2002 in der Möglichkeit zur Rachebewertung gesehen. Es wurde nämlich beobachtet, dass Käufer in doppelt so vielen Fällen wie Verkäufer als erste eine Bewertung hinterlassen. Somit warten Verkäufer meist mit der Käufer-Bewertung ab - auch wenn sie schon Geld erhalten und die Ware versendet haben - um auf mögliche schlechte Bewertungen entsprechend reagieren zu können. Dies schafft naturgemäß einen Anreiz für die Käufer, eine positive Bewertung - oder keine - abzugeben.
Als Ergebnis der Arbeit von Grund und Gürtler wurde ein starker Zusammenhang zwischen dem Anteil negativer Bewertungen und dem Verkaufspreis festgestellt. So konnte bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von zwölf Euro je DVD ein Anbieter mit nur einem Prozent negativer Bewertung einen um 60 Cent höheren Verkaufspreis erzielen als ein Anbieter mit zwei Prozent negativer Bewertung.
Die absolute Anzahl negativer Bewertungen hatte wiederum keinen erkennbaren Einfluss auf das Auktionsergebnis. Dies wiederspricht zwar früheren Studienergebnissen, wird aber mit dem relativ geringen Durchschnittspreis der DVDs im Vergleich zu den früher untersuchten Waren (bspw. PRS-Gitarren, Pentium-Prozessoren) erklärt.
Durch die Betrachtung weiterer Einflussfaktoren des Verkaufspreises konnte die Studie zusätzlich feststellen, dass der Bieter das Porto bei der Setzung seines Höchstgebotes nicht so in sein Gesamtkalkül einbezieht, wie man es von rationalen Konsumenten erwarten würde. Das Durchschnittsporto lag in den betrachteten Auktionen bei 2,53 Euro. Bei einer Erhöhung um einen Euro verringerte sich der erzielte Verkaufspreis im Durchschnitt nur um fünf Prozent, oder 60 Cent je DVD. Dies legt die Vermutung nahe, dass der Bieter sich mehr auf das Gewinnen der Auktion als auf den Preis des Gesamtbündels (bestehend aus Verkaufspreis und Porto) konzentriert. Ferner konnte die Studie weder einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Verkaufspreises und der Tages- und Wochenzeit oder der Auktionslänge feststellen. Damit kann sie die landläufige Meinung wiederlegen, dass Auktionen, die am Wochenende oder am Abend enden, (immer noch) höhere Verkaufspreise erzielen.
Zusammenfassend stellen Grund und Gürtler in ihrer Studie fest, dass die Käufer von Online-Auktionen sich in ihrer Risikoabwägung von der Bewertung des Verkäufers leiten lassen. Dabei betrachten sie jedoch weder die absolute Anzahl negativer Bewertungen noch speziell die Bewertungen der letzten zwölf Monate, sondern konzentrierten sich insbesondere auf den prozentualen Anteil negativer Bewertung am Gesamtprofil.

Da diese Ergebnisse zum Teil von denen anderer Studien abweichen, lohnt sich deren Betrachtung, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen. So spielt gerade der oben negierte Einfluss der absoluten Anzahl negativer Bewertungen den entscheidenden Einfluss in einer Studie, die Daniel Houser und John Wooders im Jahr 2000 durchgeführt haben. Als Grundlage wurden 94 Privat-Auktionen mit Pentium-Prozessoren betrachtet, die auf www.ebay.com durchgeführt wurden. Der durchschnittliche Verkaufspreis je Prozessor lag mit 244 US-Dollar erheblich über dem Durchschnittspreis der von Grund und Gürtler betrachten DVDs. Da es sich um Privatanbieter handelte, unterschieden sich auch die Bewertungsprofile erheblich von denen der obigen Studie. Knapp ein Drittel der Verkäufer hatte keine Bewertungen oder nur (wenige) positive. Die durchschnittliche Anzahl negativer Bewertungen lag bei 0,55, während es Verkäufer bei Grund und Gürtler auf durchschnittlich 5,73 negativer Bewertungen brachten. Unter diesen Vorraussetzungen konnten Houser und Wooders einen Einfluss der absoluten Anzahl der Bewertungen auf den Verkaufspreis feststellen, wobei negative Bewertungen einen stärkeren Einfluss hatten als positive. Die Relation von negativen zu positiven Bewertungen spielte wiederum keine Rolle. Ähnlich zur Studie von Grund und Gürtler stellte sie keinen besonderen Zusammenhang zwischen Länge der Auktion und Höhe des Verkaufspreises fest.
Um weitere Erkenntnisse zu Auktionen mit eher teuren Waren zu gewinnen, lohnt eine Betrachtung der Studienergebnisse von Melnik und Alm aus dem Jahr 2002. Sie untersuchten auf dem US-amerikanischem Markt begehrte Sammelmünzen unter ebay.com. Hervorzuheben an dieser Studie ist, dass sie nicht auf vollständig gleichwertige Güter beschränkt ist, sondern ihre Betrachtung auch auf Güter mit Qualitätsunterschieden ausweitet. Die Wissenschaftler betrachteten dazu zwei Kategorien, unter die eine Sammelmünze auf dem US-Markt fallen kann. In die ersten fielen 'zertifizierte' Münzen, die vor dem Handel mit einer Einstufung einer etablierten Organisation versehen und eingeschweißt werden. Diese Münzen sind durch ihre allgemein etablierte Einstufung als gleichwertige Waren anzusehen, da ihr Sammlerpreis anhand dieser Einstufung den Händlern bekannt ist. Dabei drückt sich die Akzeptanz der Zertifizierung vor allem in dem deutlich höheren Durchschnittspreis von 327,50 Dollar bei Auktionsende aus, der deutlich über dem für nicht-zertifizierte Münzen lag (Durchschnittspreis bei Auktionsende: 58,08 US-Dollar). Die zweite Kategorie bestand aus den bereits erwähnten nicht-zertifizierten Münzen, bei den nur die Artikelbeschreibung des Verkäufers einen Anhaltspunkt für den Zustand der Ware gibt und meist mit eher subjektiven Qualitätsurteilen versehen war wie 'beinah neuwertig'. Bei den Verkäufern handelte es sich meist um professionelle Anbieter mit durchschnittlichen 1.900 Bewertungen und davon 7,4 negativen. Als Ergebnis konnte bei zertifizierten Münzen nur ein sehr schwacher Zusammenhang zwischen dem Bewertungsprofil und dem erzielten Verkaufspreis beobachtet werden. Durch die unabhängige Begutachtung der Ware waren Qualität und Wert der Ware dem Käufer bekannt. Bei nicht-zertifizierten Münzen hingegen konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen Bewertung und Verkaufserlös festgestellt werden, der umso stärker wurde, je weniger Informationen der Verkäufer insbesondere in Form von Fotos der Münzen zur Verfügung stellte. Hier musste der Käufer einen besonders hohen Vertrauensvorschuss gegenüber der Korrektheit der Verkäufer-Angaben und seiner Seriosität erbringen. Weiterhin hatte das Angebot, zwischen mehreren Möglichkeiten der Bezahlung zu wählen, einen positiven Einfluss auf die Höhe des Verkaufspreises. Neben dem Vorteil für den Käufer, dass sich möglicherweise die Transaktionskosten verringern, steht diese Option für die Professionalität des Anbieters und ihr kam eine ähnliche Funktion wie der Bewertung zu. Generell konnte beim Vergleich beider Datensätze die Aussage getroffen werden, dass etablierte Anbieter (mit mehr als 1.800 Bewertungen im Beispiel) einen um 25,5 Prozent höheren Preis erzielen konnten als Neueinsteiger ohne Bewertungen.
Alle betrachteten Studien haben gemeinsam, dass sie einen Zusammenhang zwischen guter Bewertung und der Zahlungsbereitschaft des Kunden bestätigen, doch gerade die unterschiedliche Herangehensweise an dieses Thema erschließt Ergebnisse, aus denen sich Handlungsempfehlungen für Händler formulieren lassen: Bei Großanbietern von Massenware wird eher auf die Tendenz im Bewertungsprofil geachtet, die sich im prozentuellen Anteil der negativen Bewertungen misst, und weniger auf die Anzahl der Bewertungen. Ob eine negative Bewertung mehr oder weniger vorliegt, ist insofern nicht entscheidend - wenn sie sich jedoch auf den Prozentanteil auswirkt, kommt ihr eine wirtschaftliche Bedeutung zu. Bei kleineren Anbietern und vor allem bei hochwertigen Waren fällt die Anzahl der Bewertungen viel stärker ins Gewicht. Wenn eher wenige Bewertungen zur Verfügung stehen, haben negative Bewertungen einen tendenziell höheren Einfluss auf die Kaufbereitschaft der Kunden.
Umgekehrt lassen sich aus den Ergebnissen Empfehlungen für Händler formulieren, die noch kein oder ein Bewertungsprofil mit nur wenigen Einträgen haben, um so negative Effekte zu vermeiden. Je detaillierter die Beschreibung des Artikels ist und je mehr der Verkäufer dem potenziellen Kunden die Möglichkeit bietet, sich anhand von Artikel-Fotos selbst einen Eindruck von Wert und Qualität zu bilden, desto weniger fällt die Bewertung ins Gewicht. Auch das Angebot unterschiedlicher Zahlungsmöglichkeiten kann eine niedrige Zahl von Bewertungen zum Teil ausgleichen, da dieses Angebot eher bei großen Anbietern erwartet wird und so Professionalität des Anbieters suggeriert.
Autoren:
- Sebastian van Baal/Christoph Mucha/Philipp Hoppe, 28.11.08
Da der Verkauf bei eBay oft sehr zeitintensiv ist, haben sich in der Vergangenheit viele Händler gegen den Vertrieb ihrer Produkte über das Online Auktionshaus entschieden. Mittlerweile wurden aber von eBay Lösungen entwickelt, welche den Umgang mit dem System beschleunigen und die administrativen Abläufe automatisieren und vereinfachen sollen.
eBay bietet seinen Verkäufern eine imense Anzahl von Verkäufertools, unabhängig davon ob 10, 100 oder 1.000 Artikel angeboten werden, um eBay-Aktivitäten einfacher und effizienter durchführen zu können.
Zusätzlich steht eine sorgfältig gepfüfte Auswahl an Zertifizierten Lösungsanbietern (ZLA) zur Verfügung.
Neu ist das Shop-Abonnement für gewerbliche Verkäufer: eBay holt Shop-Artikel auf den Marktplatz und verwandelt sie in Sofortkauf-Artikel. Dabei bleibt die beste Eigenschaft erhalten: Lange Laufzeiten von 30 Tagen oder bis auf Widerruf.
Mit Hilfe des Shop-Formats können Festpreisartikel kostengünstig mit längeren Laufzeiten ausschließlich in den eBay-Shops zum Verkauf angeboten werden. Die Shop-Artikel sind jedoch nicht über die normale Suche und die normale Kategorien von eBay auffindbar, sondern über die Shop-Suche und die Shop-Kategorien sowie durch Cross-Promition mit anderen Artikeln. Wählbar sind Laufzeiten von 30 Tagen, 90 Tagen oder eine unbefristete Laufzeit. Die Angebotsgebühr beträgt z. B. für 30 Tage 0,05 Euro. Neben den angebotenen Shop-Format-Artikeln werden alle anderen Artikel, die ein Verkäufer bei eBay eingestellt hat, wie bisher in seinem Shop gelistet.
Um auf die Artikel im eBay-Shop aufmerksam zu machen, steht der Cross-Promotion-Manager zur Verfügung, eine auf die Bedürfnisse der Shop-Betreiber zugeschnittene Werbefunktion. Mit dem Cross-Promotion-Manager können Verkäufer automatisch und auf bestimmte Regeln basierend für die im eBay-Shop angebotenen Artikel Werbung machen.
Mit immer wieder neuen Lösungen möchte eBay dem Händler helfen effizient zu verkaufen und die hinter dem System stehende Arbeit minimieren.
Hilfsmittel für professionelle Händler
Professionelle Händler, die mit eBay ihren Lebensunterhalt bestreiten oder es als zusätzlichen Vertriebskanal zum Ladengeschäft bzw. Webshop betrachten, benötigen umfangreichere Hilfsmittel, angefangen bei einer ordentlichen Finanzbuchhaltung über ein professionelles Lagermanagement bis hin zur korrekten Aufstellung der Umsatzsteuererklärung. Diese wird auf jeden Fall notwendig, wenn der Verkäufer nach §15 EStG eine dauerhafte Gewinnabsicht verfolgt. Die Software-Programme müssen mehr bieten, als die reine Datenübernahme von Beträgen der eBay-Transaktionen. Ein Aufstellung der getätigten Umsätze und der angefallenen Verkaufsgebühren ist ebenso notwendig, wie die Nebenkostenberechnung oder der korrekte Schriftwechsel einschließlich der Lieferschein- und Rechnungserstellung.
Viele Einsteigerpakete scheitern allerdings schon bei der richtigen Ausweisung der Mehrwertsteuer und entsprechen nicht den Erfordernissen professioneller Händler, daher ist eine genaue Überprüfung der potenziellen Software notwendig. Der einfachste Weg ist ein Einsteigerpaket mit Finanzbuchhaltung und dem Datenimport aus einem Auktionsprogramm. Für eine weitere Datenverarbeitung sollten die Daten aus der Buchhaltungssoftware per Excel-Tabellenblatt oder Textdatei möglich sein. Für größere Händler mit Bestandsmanagement ist diese Lösung allerdings unpraktisch. Hier bieten sich eine ganze Reihe von eBay-Schnittstellen für Warenwirtschaftsysteme an, die seit Anfang des Jahres verfügbar sind. Die meisten werden laufend an den neusten Stand der eBay-Schnittstellen angepasst, wodurch neben den Auktionsgebühren weitere regelmäßige Kosten anfallen. Auch durch das Aufrufen der eBay-API fallen Kosten an.
Die folgenden Programme sollen einen Überblick über das vorhandene Softwareangebot verschaffen:
- Ageto
Ein sehr umfangreiches Programm, allerdings schon allein wegen der Einrichtungskosten eher für Großunternehmen geeignet. Durch eine individuelle Anpassung unterstützt es eine breite Palette von Firmen- und Handelssoftware. Die Kommunikation zu firmeneigenen Programmen kann über Web-Services, HTTP und Dateiaustausch erfolgen. Die hohe Kompatibilität hat allerdings auch ihren Preis: zwei Prozent des Umsatzes oder 50 ct. je abgeschlossener Transaktion. - Verkaufsmanager Pro
Umfangreiches Tool von eBay. Als Online-Tool ist der Verkaufsmanager Pro Bestandteil von "Mein eBay", der dort an die Stelle der Rubrik "Verkaufen" tritt. Er hilft beim gebündelten Einstellen von Angeboten und bei der Verwaltung des Warenbestands. Richtet sich an Verkäufer mit hohen Umsatzzahlen, die jeden Monat Hunderte von Artikeln anbieten. - Auction Studio 2008
Auction Studio ist ab sofort eBay zertifizierter Lösungsanbieter (ZLA) und ist damit eine von nur zehn Firmen in ganz Deutschland, die dieses Qualitätszertifikat bislang erhalten haben.Die Software Auction Studio hilft eBay-Verkäufern dabei, Auktionen zu planen, zu gestalten und auch online zu stellen. Nach dem Verkauf stellt die Komplettlösung die vollständige Kommunikation mit den Kunden sicher. - Softengine eBay-Tool
Umfangreiches Schnittstellenmodul, dass besonders für die Firmenpakete Büroware und Acquit geeignet ist. Das Modul selbst kostet etwa 150 €, weitere Kosten entstehen durch das regelmäßige Aufrufen der eBay-API. - LagerBob
Ein sehr preisgünstiges Komplettpaket, welches Lagerveraltung, Faktura, Kundendaten- und Artikelstammpflege übernehmen kann. Fortlaufende Zahlungen fallen nicht an, da die eBay-API nicht regelmäßig aufgerufen wird und die Schnittstellen-Updates kostenlos sind. Für die Nutzung anderer Vertriebskanäle neben eBay ist es allerdings ungeeignet. - Plenty-Shop
Dieses Programmpaket dient eigentlich zum Betreiben eines Internet-Shops und kümmert sich um Artikel- und Kundenverwaltung. Über ein Zusatzmodul kommuniziert es mit eBay, kann allerdings erst auf abgeschlossene Auktionen reagieren und beherrscht keine automatische Lagerbestandsabfrage. - Steps Business Solutions
Auch die Software von Step Ahead greift direkt auf die eBay-Schnittstellen zu und liefert entsprechende Auktionsdaten an das Warenwirtschaftsystem. Neben der Artikelverwaltung, übernimmt das Programm auch die Zahlungskontrolle und bietet durch eine Anbindung an das elektronische Frankiersystem der Deutschen Post "Stamp It" eine umfangreiche Porto- und Preiskalkulation. - Office Line
Office Line von Logic Base ist Partner von Sage KHK und bietet eine spezielle eBay-Schnittstelle für den Versandhandel. Auch hier werden Daten von eBay automatisch ausgelesen, so dass Aufträge zusammengefügt und Rechnungen bzw. Lieferscheine gedruckt werden können. Weiterhin werden Buchhaltungsdaten selbstständig eingelesen, und es gibt eine Sendungsverfolgung für Pakete. - Ándale
Hierin befinden sich Daten darüber, wie viele Artikel einer bestimmten Kategorie in den vergangenen vier Wochen auf eBay verkauft wurden. Dabei lassen sich erzielte Preise für verschiedene Produkte ablesen. Darüber hinaus lässt sich ermitteln, welches der beste Einstelltag und die beste Laufzeit für den jeweiligen Artikel ist.
Die Einstiegskosten für die beschriebenen Programme sind relativ gering, wichtiger sind die laufenden Gebühren des Programmgebrauchs. Wer über Änderungen an den eBay-Schnitttstellen auf dem Laufenden gehalten werden möchte, sollte einen Abwicklungsdienst wie Afterbuy oder den Hersteller der Firmensoftware damit beauftragen. Es fallen dann zwar regelmäßige Gebühren an, man kann sich aber auf das Geschäft konzentrieren. Hier sollte durchgerechnet werden, ob sich ein Pauschalbetrag oder ein umsatzbezogener Prozentsatz lohnt.
Autoren:
- Barbara Gerner/Philipp Hoppe, 27.11.08
Alternativen zu eBay
Powerseller ärgern sich immer häufiger über eBay. Die Einführung des neuen Gebührensystems sowie des neuen Bewertungsprinzips empfinden viele Händler als Nachteil. Seit Februar diesen Jahres unterscheidet das Gebührensystem von eBay zwischen privaten und gewerblichen Händlern. Während private Anbieter kostenlos Angebote mit einem Startgebot von einem Euro einstellen können, müssen sich gewerbliche Händler nun auf kategoriespezifische Angebotsgebühren und Verkaufsprovisionen einstellen. Für viele Produktkategorien wurden hierbei zwar die Angebotsgebühren reduziert, die Verkaufsprovision aber erhöht. Interesse an alternativen Online-Auktionshäusern ist daher nachwievor groß.
* Alle Daten beruhen auf eigenen Angaben der Unternehmen. Um die Einstellungs bzw. die Verkaufsprovision vergleichen zu können wurde beispielhaft ein Artikel mit einem Verkaufswert von 100€ und einem Startpreis von 1 € angenommenMit attraktiver und einfacher Gebührengestaltung versucht die Konkurrenz sich gegenüber dem Marktführer zu profilieren. Ein Vergleich der Anbieter zeigt, dass die Wettbewerber die verärgerten eBay-Kunden gerne zu trösten versuchen. So verzichtet man bei AuVito.de und Hood.de bei Standardauktionen zum Beispiel ganz auf Gebühren und finanziert sich mittels Werbeeinahmen und kostenpflichtigen Zusatzfunktionen. Unter Zusatzfunktionen werden hierbei zum Beispiel Bildergalerien, das Einstellen von Startseitenartikeln, Einbindung von Fettschrift und ähnliche Funktionen verstanden. Einen anderen Weg beschreitet Auxion.de und versucht Händler mit zwei verschiedenen Flatrates zu locken. Für monatlich 5,00 € können hier bis zu 6.000 Artikel eingestellt werden. Hieraus resultiert eine hohe Anzahl an angebotenen Artikeln, obwohl die Mitgliederanzahl vergleichsweise gering ist.

Neben dem Preis versuchen sich die eBay-Konkurrenten auch hinsichtlich der Auktionsverfahren abzuheben. Azubos' Auktionsplattform basiert auf dem „Holländischen Auktionsprinzip“, bei dem der Preis mittels Rückwärtsauktion gefunden wird. Der Verkäufer legt hierbei Startpreis, Mindestpreis sowie Endtermin fest. Über den angegebenen Zeitraum sinkt der Artikelpreis bis schließlich der Kunde zuschlägt.
Trotz vieler Jahre der absoluten Marktführerschaft bekommt der Internet-Auktionsriese eBay weiterhin mit pfiffigen Ideen Konkurrenz. Händler müssen sich jedoch die Frage stellen, ob sich bei anderen Online-Auktionshäusern dieselben Verkaufserlöse wie bei eBay realisieren lassen. Denn hierfür sind nicht nur niedrige Gebühren entscheidend, sondern auch die Anzahl der Mitglieder, das Handling oder die Angebotsvielfalt. Andererseits sehen sich Anbieter bei eBay einer größeren Konkurrenz gegenüber, was wiederum zu einem niedrigeren Verkaufspreis und somit zu Erlösminderung führen kann. Bei dem Trade-Off zwischen Gebühren, Anzahl der Mitglieder und potenzieller Verkaufserlöse müssen Händler individuell und situationsspezifisch bewerten, ob eine Ausweitung des Angebots auf alternative Auktionshäuser Erlösmaximierungspotenzial bürgt oder nicht.
Autoren:
- Adrian Hotz/Frank-Steven Eichholtz, 08.04.08
Jeder Kult beginnt mit einer Legende: Die von eBay besagt, dass die bei Kindern beliebten Pez-Spender für Brausebonbons der Ausgangspunkt waren für das heutige weltweit erfolgreiche Unternehmen eBay. Angeblich sei die Frau des Internet-Pioniers Pierre Omidyar von den länglichen Behältnissen mit den lustigen Tierköpfen so begeistert gewesen, dass sie ihn dazu anregte, eine Tauschbörse im Internet zu gründen - zwecks Vergrößerung ihrer Sammlung.
Knapp zehn Jahre später beherrscht das US-amerikanische Unternehmen eBay den explosiv wachsenden Markt für Online-Auktionen. Das Internet-Portal ist bei den Verbrauchern sogar so beliebt, dass die Marktforscher von Young&Rubicam eBay zur populärsten Marke in Deutschland 2003 gekürt haben. Rund 17 Millionen unterschiedliche Nutzer tummeln sich jeden Monat auf dem Online-Marktplatz von eBay Deutschland und handeln dort Waren im Wert von fünf Milliarden US-Dollar jährlich. Dem Unternehmen bescheren die Einstellgebühren für angebotene Produkte und die Provisionen im Verkaufsfall einen Umsatz von weltweit 2,2 Milliarden Dollar in 2003. Aber auch viele Selbständige beziehen mit ihren kleinen Unternehmen ihr Einkommen über den Handel auf eBay. Nach Unternehmensangaben verdienen rund 10.000 Menschen in Deutschland ihren Lebensunterhalt mit dem Handel auf eBay. Begleitend zu dem rasanten Aufstieg ist ein strategischer Richtungswechsel erkennbar: Vom anfänglichen CtoC-Markt geht eBay Deutschland immer mehr dazu über, kleinere und zuletzt auch größere Händler und Hersteller aktiv in die Sortimentsgestaltung einzubeziehen. Neue Geschäftsfelder, wie der hart umkämpfte Anzeigenmarkt für Immobilien und die Transaktion von Industriegütern, sollen langfristig zu ähnlich starken Bereichen, wie die bisherigen Online-Auktionen ausgebaut werden. Auch in der Kommunikationsstrategie wurde das Unternehmens offensiver. So wandte sich eBay Deutschland Ende 2003 zum ersten Mal mit klassischer TV-Werbung an die breite Zielgruppe. Bisher hatte eBay teure Marketing-Kampagnen eher gescheut, sondern hatte sein enormes Wachstum vor allem durch zahlreiche strategische Partnerschaften und geschickte Aufkäufe konkurrierender Anbieter erzielt.
Bei jährlichen Umsatz-Zuwächsen von weit über 100 Prozent schaffte es eBay dabei, ständig profitabel zu bleiben. So verzichtete es jahrelang auf kostenintensive Werbung in den klassischen Werbekanälen. Vielmehr positionierte es sich durch geschickte Public Relations-Aktivitäten als alternativer Marktplatz in den Medien. Sogenannte Netzwerk-Effekte führten dazu, dass sich die Zahl der Nutzer bei eBay gleichsam von selbst multiplizierte. Je mehr Nutzer auf dem Tauschplatz waren, desto mehr Angebote wurden zum Versteigern eingestellt. Umso mehr lohnte es sich, bei der nächsten Kaufentscheidung doch mal einen Blick auf das dortige Angebot zu werfen. Konkurrenten hatten es schwer, eine kritische Größe an Nutzern zu erreichen, um sich neben dem Marktführer zu behaupten. Provisionen und Gebühren, mit denen eBay sich finanzierte, blieben dabei vergleichsweise gering. Daher lohnte es sich auch für Händler, eBay als zusätzlichen Vertriebsweg für ihre Neuwaren zu nutzen. Neue Formen des Handels entstanden. So entdeckten viele Nutzer die Möglichkeit, sich selbständig zu machen und über eBay durch eine große Zahl von Verkaufstransaktionen zum Powerseller' zu werden. Laut dem Unternehmen sind schon fünf Prozent der eBay Nutzer professionelle Händler.
Diesen Trend griff eBay auf und entwarf besondere Verkaufsmöglichkeiten für Händler: Mit der Sofort-Kaufen-Funktionen können Artikel jetzt auch zum Festpreis eingestellt werden - mit geringerem Risiko für den Verkäufer. So machen Verkäufe zum Festpreis mittlerweile fast ein Drittel der gesamten Transaktionen aus. Zusätzlich richtete eBay Shop-Flächen für Powerseller ein, auf denen sie ihre gesamten aktuellen Angebote auf einen Blick darstellen konnten. Den Händlern soll dadurch ermöglicht werden, Cross-Selling zu betreiben. Dabei werden dem Kunden ergänzende Produkte zu seinem getätigten Kauf angeboten. Um eBay noch weiter zu etablieren, bietet die eBay-University spezielle Schulungen für Händler an, wie sie ihre Waren auf eBay besser präsentieren, logistische Prozesse effizienter bewältigen können oder was sie an rechtlichen Rahmenbedingungen beachten müssen. Von eBay zur Verfügung gestellte Software-Tools für Händler und eine offene Schnittstelle zum individuellen Programmieren von Software machen es möglich, Prozesse stärker zu standardisieren. Zunehmend geht eBay auch dazu über, mit zusätzlichen Marketing-Aktivitäten seine Händler zu unterstützen. In der über Online- und Radio-Werbung geschalteten Kampagne Kracher der Woche' werden ständig wechselnde Produkte von verschiedenen Händlern vorgestellt. Dabei informiert eBay die Händler auf seiner Homepage, welche Produkte in den folgenden Kalenderwochen beworben werden sollen und legt zugleich den Preis fest. Händler werden dann bei korrekter Artikelbezeichnung zum festgesetzten Preis automatisch gelistet.
Allerdings hat eBay im Gegenzug die Gebühren und Provisionen für eingestellte Artikel massiv gesteigert: So sind die Gebühren für Artikel mit Startpreisen ab 10 Euro um ein Drittel erhöht worden. Auch die Provisionen stiegen bei der Preiserhöhung zum 1. Juli 2003 um bis zu einem Prozentpunkt an. Nutzer werden von eBay dabei grundsätzlich gleich behandelt. Powerseller dürfen deshalb auf keine Mengen-Vergünstigungen hoffen.
Durch die verschärften Konditionen bekommen Konkurrenzplattformen wieder Auftrieb: Vor allem Hood.de könnte sich zum ernstzunehmenden Wettbewerber für eBay entwickeln. Zwar erreicht die Anzahl der Auktionen pro Tag erst ein Sechstel der auf eBay getätigten. Bei Hood.de sind aber alle Auktionen frei von Gebühren und Provisionen. So haben sich die Zugriffszahlen seit der Preiserhöhung bei eBay laut Hood.de verdoppelt. Das Portal finanziert sich durch Werbeeinnahmen; ansonsten ist es stark an das Auktionsportal von eBay angelehnt. Mit einem neuen Auktionsverfahren versucht sich dagegen Azubo.de gegenüber eBay abzuheben: Bei der sogenannten Holländischen Auktion wird der Startpreis schrittweise gesenkt bis ein Käufer gefunden oder der angegebene Mindestpreis des Verkäufers erreicht ist. Mit fünf Cent Einstellgebühr und 2,5 Prozent Verkaufsprovision ist der Verkauf hier vergleichsweise günstig, allerdings dürfte die Reichweite auch eher gering sein: 45.000 Artikel werden hier durchschnittlich versteigert - weniger als ein Prozent der Auktionen auf eBay. Sammelstücke und eher teure Produkte, die von Käufern mit hohem Involvement gesucht werden, können daher wirkungsvoller bei Nischen-Plattformen angeboten werden. So bietet die Plattform Muenzauktion.com speziell an Sammlermünzen angepasste Suchfunktionen, wie Herkunftsland, Epoche oder Material. Zahlreiche Spezial-Plattformen gibt es auch für Autos, Spielzeuge oder Bücher. Eine umfassende Übersicht hält alleauktionen bereit.
Der Marktführer eBay blickt der langsam aufkeimenden Konkurrenz gelassen entgegen: Zu groß erscheinen dagegen die Wachstumsmöglichkeiten auf anderen Märkten: Neben der Automobilsparte eBay Motors, die ein Segment speziell für Auto- und Motorradliebhaber geschaffen hat, steht als nächstes der groß angelegte Einstieg in den B-to-B-Bereich an. Nach Branchen geordnet, wird hier vom medizinischen OP-Besteck bis hin zum Lastenkran alles gehandelt, was im industriellen Bereich benötigt wird. Selbst Dienstleistungen sollen eBay zufolge hier zukünftig einen funktionierenden Markt finden. Ein Anzeigenmarkt für Immobilien durchbricht schließlich das Konzept als Auktionsplattform. Da für die Eigentumsübertragung von Immobilien in Deutschland ein Notar eingeschaltet sein muss, kann für Immobilien nur geworben werden. Der Kaufprozess muss außerhalb von eBay stattfinden, statt der Funktion Gebot abgeben heißt der betreffende Button Anbieter kontaktieren. Ein weiteres Standbein im Kleinanzeigengeschäft hatte eBay bereits durch den Kauf der Internet-Autobörse Mobile.de für 121 Millionen aufzubauen versucht.
Quellen:
- Klesse, Anne: Lego: eBay baut auf Klötzchen, in: Manager-Magazin.de, 06.02.2004.
- Hudetz, Kai: Online-Auktionen - auf der Jagd nach Schnäppchen, in: Handel im Fokus, Jg. 55 (2003), H.3, S.162ff.
- Dietrich, Tobias/Seese, Detlef: Der Handel bei eBay.de, in Handel im Fokus, Jg. 56 (2004), H.1, S.17ff.
- Hannen, Petra: eBay: Spannendes Spiel um Ware und Preis, in: handelsjournal, (2004), H. 4, S.18-22.
- Heitze, Ulrike: Reich werden mit eBay, in: Junge Karriere (2004), H.1, S.76-86.
Autor:
- Oliver Emrich, 12.07.04
Lesen Sie hierzu auch unsere Erkenntnis Alternativen zu eBay.
Powerseller ärgern sich immer häufiger über hohe Gebühren und schlechten Service bei Ebay und suchen nach Alternativen. Junge Karriere testete den Auktions-Marktführer und seine Rivalen. Dabei schneidet Markführer ebay in beinahe allen Kategorien, wie Angebotsvielfalt, Handling und Verkaufserlöse am besten ab. Der größte Nachteil sind jedoch die Gebühren. Hier versuchen die meisten Ebay-Konkurrenten den Marktführer zu treffen. Die Konkurrenten sind durchweg günstiger und verlangen teilweise keine Gebühren oder Provision. Verkäufer können bei den Konkurrenten auch höhere Verkaufspreise erzielen als bei Ebay. Gerade bei Ebay ist die Konkurrenz sehr groß, wodurch sich die Händler schnell die Preise kaputt machen.
Die Ebay-Konkurrenten unterscheiden sich auch hinsichtlich ihres Auktionsverfahrens. So erhält bei Azubo nicht das höchste Gebot den Zuschlag, sondern das niedrigste. Der Artikel wird auf Dauer für den Käufer immer günstiger wobei aber auch das Risiko steigt, dass ein anderer Bieter zuerst zuschlägt und so die Auktion beendet. Außerdem können hier seit kurzem Interessenten einen Preis eingeben, den sie zu zahlen bereit sind.
Seinen Ruf als Schnäppchenmarkt hat Ebay laut Junge Karriere verloren. Schnäppchen lassen sich vor allem bei Atrada, Echtwahr, Besteauktion und Onewosold.at machen. Jedoch können die Rivalen bei der Artikelvielfalt nicht mit dem Marktführer mithalten. So sucht man selbst gängige Produkte, wie das Piratenschiff von Playmobil oder das Parfum CK One von Calvin Klein oft vergeblich. Auch die Seriosität der Verkäufer ist auf den kleineren Plattformen, aufgrund der geringen Anzahl an Bewertungen, nur schwer einzuschätzen.

(Quelle:Stricker, Katja: ebay oder...?, in: Junge Karriere, Nr. 1 (2005), S. 98 - 105)
Autor:
- Kai Hudetz , 06.06.05






