Praxisbeispiel
- Musikfachhandel, Bild- und Tonträger
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Yoosic - die "Digitale Musique Boutique"
http://www.yoosic.de
Mit seinem Buch 'The long tail end’ versetzte Wired-Chefredakteur Chris Anderson die Venture Capital-Szene erneut in helle Aufregung. In einer digitalen Ökonomie, in der die Bereitstellung und der Verkauf eines zusätzlichen Produktes dem Anbieter so gut wie keine Kosten verursacht, so seine These, gebe es auch einen Markt für eher selten nachgefragte Produkte: Dies illustrierte er ausgerechnet am Beispiel Musikdownloads, betrifft dies doch die Branche, der das Internet bislang eher Einbußen brachte.
Eine Reihe von legalen Portalen ist im Internet angetreten, um den Beweis zu Andersons These zu führen. Eines davon ist Yoosic, ein Unternehmen, das die Nische zur Tugend erklärt hat. Vor allem kleinen, unabhängigen Labels, aber auch Radiostationen, Clubs oder normalen Nutzern möchte es eine Möglichkeit bieten, einen eigenen Downloadshop innerhalb des Webportals zu gestalten. Das Design soll das Label dabei frei bestimmen können, genau wie die Preise, die auf Yoosic bereits ab 30 Cent pro Download anfangen. An der Shop-Lösung sitzt das kleine Entwicklerteam aus Dresden derzeit noch eifrig. Eingeweihten gewährt man dort einen kurzen Einblick, wie die 'Digitale Musique Boutique' in der Zukunft ausschauen soll, alle anderen müssen sich noch mit einer optisch eher abgespeckten Version begnügen, die aber immerhin schon voll origineller Ideen steckt.
Musik lässt sich auf Yoosic nach Label, Musiker und Musikstil sortieren, wobei bei letzterem auch exotische Richtungen wie 'Betroffenenmusik' oder 'Silent' zu finden sind. Schwerpunktmäßig besteht das Musiksortiment aber aus elektronischer Musik, die von einer Vielzahl kleiner Labels angeboten wird. Mainstream-Künstler sucht man hier vergeblich. Die großen Musikfirmen, die zudem nur schwer dem allgemeinen Yoosic-Standard 'Kein Digital Rights Management' zustimmen würden, möchte man bewusst fernhalten. MP3s werden dazu ohne DRM, also ohne Kopierschutz und Beschränkung auf bestimmte Geräte, einzeln oder als komplettes Album auf den Künstlerseiten verkauft. Zuvor lassen sich die Songs ausschnittsweise anhören. Rezensionen zu der Musik sollen dabei von den Nutzern selbst geschrieben werden, dazu hat sich Yoosic ein neuartiges Beteiligungssystem ausgedacht: Momentan wird jeder Rezensent, dessen Beitrag von den Betreibern als gut befunden wird, an jedem Download des beschriebenen Albums mit jeweils einem Cent belohnt. Wenn man bedenkt, dass viele der auf Yoosic vertretenen Künstler noch nicht breit in der Öffentlichkeit diskutiert worden sind, könnte dies tatsächlich die Idee einer Szene-Community beflügeln, die mit Insider-Wissen einen echten Mehrwert bietet. Um die richtige Musik zu finden, können sich Nutzer außerdem am Abstimmungsergebnis anderer Musikhörer orientieren. Dazu hat sich Yoosic ein neuartiges Empfehlungssystem ausgedacht, bei dem der Nutzer auf einer grafischen Leiste bewerten kann, welche Interpreten der Musik eines bestimmten Künstler am nächsten kommen. Im Gegensatz zum sog. Collaborative Filtering z.B. auf Amazon werden Zuordnungen hier von den Nutzern durch eine bewusst getroffene Abstimmung gemacht.
In Berlin zeigen die Macher von Yoosic zudem seit Anfang dieses Jahres, wie Plattenläden in der Zukunft aussehen könnten. So bietet das Team in einem kleinen Geschäft in Kreuzberg auch Vinyl-Schallplatten an. Hier kann gestöbert, angefasst, begutachtet und sogar aufgelegt werden, und wenn dann doch nicht das ganze Album gefällt, sondern nur ein bis zwei Songs, stellt man das Album wieder zurück und lädt sie sich auf den USB-Stick. Statt 15 Euro kostet der Musikspaß für den Käufer dann nur ein bis zwei Euro. Auch an Kombi-Angeboten von MP3s und Vinyl-Schallplatten möchte Yoosic basteln – die Bequemlichkeit einer Musikdatei kombiniert mit der Authentizität einer 'echten' Schallplatte.
Während dies ein erfolgsversprechendes Multi-Channel-Modell für die Zukunft werden könnte, liegt die Geschäftsidee, die Anderson mit dem Long Tail End hatte, im virtuellen Raum: Wenn Portale wie Yoosic es schaffen, beiderseits kleine Anbieter und Spezialitätensucher an sich zu binden, kann langfristig auch mit unbekannten Künstlern Geld verdient werden: Anderson machte zur Verdeutlichung einen Vergleich: Ein Händler wie Wal-Mart muss von jeder CD, die er in seinem Sortiment führt, im Durchschnitt pro Jahr 100.000 Exemplare verkaufen, damit die anteiligen Gemeinkosten gemäß der beanspruchten Ladenfläche gedeckt werden können. Er muss daher scharf kalkulieren, ob es sich lohnt, einen bestimmten Künstler im Sortiment zu führen. Bei einem Musikportal im Internet gibt es dagegen fast keine Kapazitätsbeschränkung. Jeder Titel, auch wenn er noch so selten nachgefragt wird, trägt somit zur Rentabilität des Portals bei. Garagenbands: Willkommen!
Eine Reihe von legalen Portalen ist im Internet angetreten, um den Beweis zu Andersons These zu führen. Eines davon ist Yoosic, ein Unternehmen, das die Nische zur Tugend erklärt hat. Vor allem kleinen, unabhängigen Labels, aber auch Radiostationen, Clubs oder normalen Nutzern möchte es eine Möglichkeit bieten, einen eigenen Downloadshop innerhalb des Webportals zu gestalten. Das Design soll das Label dabei frei bestimmen können, genau wie die Preise, die auf Yoosic bereits ab 30 Cent pro Download anfangen. An der Shop-Lösung sitzt das kleine Entwicklerteam aus Dresden derzeit noch eifrig. Eingeweihten gewährt man dort einen kurzen Einblick, wie die 'Digitale Musique Boutique' in der Zukunft ausschauen soll, alle anderen müssen sich noch mit einer optisch eher abgespeckten Version begnügen, die aber immerhin schon voll origineller Ideen steckt.
Musik lässt sich auf Yoosic nach Label, Musiker und Musikstil sortieren, wobei bei letzterem auch exotische Richtungen wie 'Betroffenenmusik' oder 'Silent' zu finden sind. Schwerpunktmäßig besteht das Musiksortiment aber aus elektronischer Musik, die von einer Vielzahl kleiner Labels angeboten wird. Mainstream-Künstler sucht man hier vergeblich. Die großen Musikfirmen, die zudem nur schwer dem allgemeinen Yoosic-Standard 'Kein Digital Rights Management' zustimmen würden, möchte man bewusst fernhalten. MP3s werden dazu ohne DRM, also ohne Kopierschutz und Beschränkung auf bestimmte Geräte, einzeln oder als komplettes Album auf den Künstlerseiten verkauft. Zuvor lassen sich die Songs ausschnittsweise anhören. Rezensionen zu der Musik sollen dabei von den Nutzern selbst geschrieben werden, dazu hat sich Yoosic ein neuartiges Beteiligungssystem ausgedacht: Momentan wird jeder Rezensent, dessen Beitrag von den Betreibern als gut befunden wird, an jedem Download des beschriebenen Albums mit jeweils einem Cent belohnt. Wenn man bedenkt, dass viele der auf Yoosic vertretenen Künstler noch nicht breit in der Öffentlichkeit diskutiert worden sind, könnte dies tatsächlich die Idee einer Szene-Community beflügeln, die mit Insider-Wissen einen echten Mehrwert bietet. Um die richtige Musik zu finden, können sich Nutzer außerdem am Abstimmungsergebnis anderer Musikhörer orientieren. Dazu hat sich Yoosic ein neuartiges Empfehlungssystem ausgedacht, bei dem der Nutzer auf einer grafischen Leiste bewerten kann, welche Interpreten der Musik eines bestimmten Künstler am nächsten kommen. Im Gegensatz zum sog. Collaborative Filtering z.B. auf Amazon werden Zuordnungen hier von den Nutzern durch eine bewusst getroffene Abstimmung gemacht.
In Berlin zeigen die Macher von Yoosic zudem seit Anfang dieses Jahres, wie Plattenläden in der Zukunft aussehen könnten. So bietet das Team in einem kleinen Geschäft in Kreuzberg auch Vinyl-Schallplatten an. Hier kann gestöbert, angefasst, begutachtet und sogar aufgelegt werden, und wenn dann doch nicht das ganze Album gefällt, sondern nur ein bis zwei Songs, stellt man das Album wieder zurück und lädt sie sich auf den USB-Stick. Statt 15 Euro kostet der Musikspaß für den Käufer dann nur ein bis zwei Euro. Auch an Kombi-Angeboten von MP3s und Vinyl-Schallplatten möchte Yoosic basteln – die Bequemlichkeit einer Musikdatei kombiniert mit der Authentizität einer 'echten' Schallplatte.
Während dies ein erfolgsversprechendes Multi-Channel-Modell für die Zukunft werden könnte, liegt die Geschäftsidee, die Anderson mit dem Long Tail End hatte, im virtuellen Raum: Wenn Portale wie Yoosic es schaffen, beiderseits kleine Anbieter und Spezialitätensucher an sich zu binden, kann langfristig auch mit unbekannten Künstlern Geld verdient werden: Anderson machte zur Verdeutlichung einen Vergleich: Ein Händler wie Wal-Mart muss von jeder CD, die er in seinem Sortiment führt, im Durchschnitt pro Jahr 100.000 Exemplare verkaufen, damit die anteiligen Gemeinkosten gemäß der beanspruchten Ladenfläche gedeckt werden können. Er muss daher scharf kalkulieren, ob es sich lohnt, einen bestimmten Künstler im Sortiment zu führen. Bei einem Musikportal im Internet gibt es dagegen fast keine Kapazitätsbeschränkung. Jeder Titel, auch wenn er noch so selten nachgefragt wird, trägt somit zur Rentabilität des Portals bei. Garagenbands: Willkommen!
Autoren: Oliver Emrich/Sebastian van Baal, 05.10.06