Literatur - Zielgruppen und Konsumentenverhalten
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Zur Habitualisierung der Onlinenutzung

Autoren: Oehmichen, Schröter

Quelle: Media Perspektiven, 08/2002, S.376.
Nachdem die erste Dekade der Verbreitung des Internets fast vergangen ist, kann der Versuch gewagt werden, Aneignungsverläufe und erste Ansätze von Internetbiografien auf breiterer empirischer Grundlage, als das bisher geschehen ist, zu beschreiben. Es lassen sich typische Einstiegsphasen der Onlinenutzung erkennen, die oftmals zugleich durch übergroße Erwartungen, durch Euphorie sowie durch Naivität und Ernüchterung gekennzeichnet sind. Der Stellenwert und die Bedeutung von Medienkompetenz als erfahrungsgesättigter Fähigkeit des Umgangs mit den technischen und inhaltlichen Tücken des Mediums wird überdeutlich. Dies gilt aber keineswegs nur für die Einstiegsphase, sondern gerade auch für die Qualität der Aneignung und Bewältigung des Mediums bei erfahreneren Nutzern.

Die Daten der ARD/ZDF-Online- Studie 2002 erschließen eine überraschend prägnante Spaltung der Nutzerschaft, die die Onliner in zwei gleich große Gruppen aufteilt: in jene, die aktiv und relativ souverän mit den Möglichkeiten des Mediums umzugehen gelernt haben, und jene, die eher zurückhaltend, teilweise unsicher, generell aber mit eingeschränktem Nutzungshorizont den Umgang mit dem Internet pflegen. Die Zugangsentwicklung zum Internet hat in den letzten Jahren gezeigt, dass der Typus des aktiv-dynamischen Nutzers relativ früh eingestiegen ist und natürlich auch länger Zeit gehabt hat, sich zu einem solchen zu entwickeln. Umgekehrt ist zu erwarten, dass die künftig hinzukommenden Nutzer eher zum selektiv-zurückhaltenden Typus gehören werden.

Dies gilt zumindest, so lange die technischen Rahmenbedingungen und Zugangsvoraussetzungen so bleiben, wie sie heute sind. Selbst die denkbare Etablierung der sogenannten Multimediahome- Plattfom (MHP; Integration von Fernsehen, Radio, Telekommunikation und Internet) dürfte das nicht wesentlich ändern, weil das Internet vielfach nur als Ergänzung zum traditionellen Medienangebot wahrgenommen wird. Eine Erkenntnis aus der vorliegenden Untersuchung liegt darin, dass sich die rationalnüchterne Strategie und die offene, explorative Haltung, die als Surfen im Internet vornehmlich despektierlich beurteilt wird, gerade nicht ausschließen, sondern in Kombination dem Charakter des Internets entsprechen und damit seine individuellen Nutzen bringende, umfassende Aneignung erst ermöglicht.

(12.12.2002)